Sport : Sieg ohne Anerkennung

Die Pro Tour hat mit Di Luca ihren ersten Gewinner – etabliert ist die neue Rennserie im Radsport noch nicht

Mathias Klappenbach

Berlin - Danilo Di Luca ließ sich feiern. Schließlich hatte der italienische Radprofi gerade einen großen Titel gewonnen. „Die Pro Tour gewinnt der kompletteste Fahrer“, sagte Di Luca. Er ist nach seinem vierten Platz bei der Meisterschaft von Zürich zwei Rennen vor Saisonende in der Gesamtwertung der neuen Rennserie nicht mehr einzuholen. In der Pro Tour sind die 28 wichtigsten Rennen der Saison zusammengefasst. Vorher gab es die Weltcupwertung mit zehn Rennen und die Weltrangliste. Die Fahrer, die in diesen Ranglisten vorne lagen, wurden aber kaum wahrgenommen.

Radsport steht nur einmal im Jahr groß in der Öffentlichkeit, im Juli bei der Tour de France. Mit der Pro Tour wollte der vor einer Woche aus dem Amt geschiedene Präsident des Radsport-Weltverbandes UCI, Hein Verbruggen, eine transparente Rennserie schaffen, durch die der Radsport mehr Aufmerksamkeit gewinnen kann. Doch der Radsport lebt auch von den Mythen, die sich um die Klassiker ranken, für jedes Rennen ist auch dessen eigene Geschichte von großer Bedeutung. Deshalb wollen die Rennveranstalter nicht bloß Teil einer gesichts- und geschichtslosen Serie sein. So bezeichnete der Chef der Amaury Sport Organisation (ASO), Patrice Clerc, die Pro Tour als „rein virtuell“. Die ASO veranstaltet neben der Tour de France auch Klassiker wie Paris-Roubaix. Nach langem Streit haben die Veranstalter der großen Rennen vor der Saison zwar zugestimmt, dass die Pro-Tour-Wertung eingeführt wird. Für sie ist die neue Serie aber weiterhin eine abstrakte Konstruktion.

Viele Teamchefs sehen die Pro Tour aber positiv. Sie haben durch den Kauf der Lizenz, die vier Jahre lang gültig ist, Planungssicherheit und damit eine gute Basis für Verhandlungen mit ihren Sponsoren. Da sie bei allen Rennen der Pro Tour starten müssen, wurden die Teams vor dieser Saison vergrößert. Das ist mit neuen Kosten verbunden. Dafür kann kein Rennveranstalter einem Pro-Tour-Team das Startrecht absprechen, so wie es in der Vergangenheit größeren Rennställen immer wieder bei der Tour de France passiert war.

Um die Bedeutung der drei großen Rundfahrten Tour, Giro d’Italia und Vuelta hervorzuheben, werden dort die meisten Punkte für die Gesamtwertung vergeben. So liegt Jan Ullrich auf Platz drei der Pro Tour, obwohl er diese Saison nur wenige große Rennen gefahren ist. Und Di Luca, der das Amstel Gold Race und den „Flêche Wallonne“ gewonnen hat, wird um die Anerkennung seiner Leistung kämpfen müssen. Sein Gesamtsieg wurde in italienischen Tageszeitungen nur in der Unterzeile vermeldet. Darüber stand, dass Paolo Bettini das Rennen in Zürich gewonnen hatte.

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