Sport : Sieg ohne Mythos

Klose wollte es mit Macht zwingen – und verschoss einen Elfmeter Werder Bremen tut sich schwer gegen Hannover 96, gewinnt aber 3:0 und erobert die Tabellenspitze zurück

-

Es waren große Worte, mit denen der Stadionsprecher im Weserstadion gestern die Mannschaft von Werder Bremen zum Einlaufen beim Rückrundenstart gegen Hannover 96 empfing. „Eine Mannschaft wird zum Mythos“, hatte der Mann am Mikro zur Begrüßung gesagt, nicht ahnend, wie wenig mystische Züge dieser Abend bei schaurigem norddeutschen Schmuddelwetter tragen würde. Der Herbstmeister verzeichnete zwar einen deutlichen 3:0 (1:0)-Erfolg, Souveränität aber ging ihm über weite Strecken ab. Tim Borowski, Hugo Almeida und der ehemalige Hannoveraner Per Mertesacker erzielten die Treffer für die Bremer, die damit die Tabellenführung der Fußball-Bundesliga vom FC Schalke 04 zurückeroberten. „Wichtig ist, dass wir weiter unser Ding durchziehen und ganz oben stehen“, sagte Werders Sportchef Klaus Allofs.

Auch Thomas Schaaf verbreitete hinterher ein wenig Frohsinn. „Ich bin zufrieden“, sagte Bremens Trainer, „obwohl wir sicherlich einige Dinge noch verbessern müssen.“ Noch konkreter kritisierten seine Spieler die offenkundigen Versäumnisse: Mertesacker monierte die „lethargische Anfangsphase“, Borowski kritisierte „die Zerrissenheit in unserem Spiel“, und Stürmer Miroslav Klose bemängelte: „Wir waren zwar erfolgreich, haben aber nicht den Fußball gespielt, den wir uns vorstellen.“

Hannovers Trainer Dieter Hecking wollte dennoch nicht hadern: „Wir haben vielleicht ein bisschen zu hoch verloren, aber absolut verdient.“ Sein Team habe Anschauungsunterricht bekommen von einer Mannschaft, „die mit Entschlossenheit und Geilheit gleich das Tempo sucht“. Thomas Schaaf war das Lob an diesem Abend fast peinlich – und pries den niedersächsischen Widersacher „für eine starke Leistung“.

Denn wie schwer sich Werder gegen die taktisch exzellent eingestellten Gäste tat, wurde auch daran deutlich, dass Klose, der die beiden ersten Treffer vorbereitet hatte, einen an ihm selbst verwirkten Elfmeter vergab – nur einen von sechs Strafstößen haben die Bremer zuletzt genutzt. „Eine Katastrophe“, meckerte Klose. „Ich wollte das Tor mit dem Elfmeter erzwingen – das war ein Fehler.“ Auch von Torsten Frings gab es deswegen noch einen kleinen Rüffel: „Ich mache ihm keinen Vorwurf, nur Miro hat einen schwarzen Tag erwischt: Da muss man nicht noch einen Elfer schießen.“ Schaaf nahm den Fehlschuss nicht allzu ernst: „Meine nächste Anweisung wird lauten: Schießt das Ding rein. Aber wenn wir weiter gewinnen, können wir ruhig noch ein paar verballern.“

Werder hatte im ausverkauften Weserstadion einen perfekten Start erwischt: Nach fünf Minuten flankte Klose den Ball zentimetergenau in die Mitte, sodass Borowski keine Mühe hatte, das 1:0 zu köpfen. Danach vernachlässigten die Bremer jedoch einige elementaren Voraussetzungen für ihren Vorwärtsfußball, „wir waren nicht aggressiv und nicht kompakt genug“, erklärte Borowski später. Die Niedersachsen befreiten sich immer öfter und hatten Pech, dass der abgefälschte Schuss von Michael Tarnat nur am Pfosten landete. Auf der Gegenseite hatte Klose anschließend gleich zweimal das 2:0 auf dem Fuß – beide Male strebte der Torjäger allein auf Robert Enke zu, verhedderte sich aber jeweils in den Armen des herausragenden Torhüters.

„Zwischenzeitlich hatte ich Bedenken“, gestand Werders Sportchef Allofs – und meinte die Aktion, in der Torwart Tim Wiese den Ball nach einer Flanke von Jan Rosenthal mit letzter Mühe an die Latte lenkte (66.). „Das war eine fiese Windböe“, sagte Wiese, „es ist ja noch gut gegangen.“ Denn praktisch im Gegenzug glückte dem eingewechselten Hugo Almeida das vorentscheidende 2:0. Damit nicht genug: Mertesacker erhöhte gegen seine ehemaligen Kollegen per Abstauber noch auf 3:0. Der Nationalspieler feierte den Torerfolg mit einer entschuldigenden Geste. „Ich bin froh, dass dieses Spiel vorbei ist“, sagte Mertesacker, „es ist ein merkwürdiges Gefühl, gegen so viele bekannte Gesichter zu spielen.“ Der 22-Jährige, dessen Vater noch die Amateurabteilung der 96er leitet, schien von echten Gewissensbissen geplagt, „da muss man sich nicht so freuen“.

Gleichwohl verschafft der Sieg Werder Bremen ein bisschen Sicherheit für die folgenden Wochen, die entscheidend werden können: Der Tabellenführer tritt am Mittwoch bei Bayer Leverkusen an, erwartet dann den FC Schalke 04 und spielt in der Woche darauf beim VfB Stuttgart. „Mir ist es lieber, weiter vorne weg zu marschieren“, sagte Trainer Thomas Schaaf. „Es ist schöner, einen Vorsprung auszubauen, als verzweifelt zu versuchen, wieder heranzukommen.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben