Sieg über Ulm : Albas Nachricht an die Liga

Alba schlägt Ulm deutlich mit 78:56 und zeigt dabei eine deutlich konzentriertere Leistung als zuletzt. Julius Jenkins trifft sechs der zwölf Berliner Dreipunktewürfe.

Helen Ruwald

Die Trainer waren nach dem Spiel im Gespräch versunken und fachsimpelten – über ein Ereignis, das 22 Jahre zurückliegt. Beide Männer bewegte es offenbar mehr als Alba Berlins 78:56 (45:24)-Sieg in der Bundesliga gegen Ulm. Berlins Coach Luka Pavicevic und sein Kollege Mike Taylor unterhielten sich gestern zunächst über das Finale der Junioren-WM 1987 in Bormio. Ein Klassiker unter Basketball-Experten, war es doch die Geburtsstunde eines großen jugoslawischen Teams, das im Endspiel gegen die USA triumphierte. Pavicevic spielte damals unter Trainer Svetislav Pesic für den Champion, und der US-Amerikaner Taylor hatte so viel von dieser Partie gehört, dass er sie endlich einmal in voller Länge sehen wollte. Gestern Abend nun brachte ihm Pavicevic die DVD mit.

Gut gelaunt sprach Taylor kurz darauf über die Abfuhr, die seine Mannschaft vor 7543 Fans in der Arena am Ostbahnhof erhalten hatte. Ulms Basketballer um Jung-Nationalspieler Robin Benzing (12 Punkte) stellen mit einem Altersschnitt von 21,5 Jahren das jüngste Team der Liga, und so wunderte sich Taylor nicht über das Ergebnis. „Alba hat in der Verteidigung überragend gespielt und die ganze Zeit die Kontrolle gehabt“, sagte er. „Das war eine fantastische Erfahrung für meine Spieler, solche Spiele werden ihnen helfen zu wachsen.“ Zumal Taylor noch eine weitere DVD mit in die Heimat nimmt, eine, deren Studium zwar keinen Genuss bieten, aber lehrreich sein wird: „Wir werden uns das Spiel anschauen und daran arbeiten, besser zu werden“, kündigte Ulms Trainer an.

Besser zu werden, hatten sich auch die Berliner nach der 66:70-Niederlage am Freitag in Tübingen vorgenommen. Gegen Ulm spielten sie fast durchgehend hochkonzentriert, trafen zwölf Dreipunktewürfe, führten mit bis zu 29 Punkten Unterschied (59:30) und hätten noch deutlicher siegen können, wenn sie nicht elf Freiwürfe vergeben hätten. „Man hat gesehen, dass alle gewinnen und etwas korrigieren wollten“, sagte Albas Sportdirektor Henning Harnisch. „Das war die richtige Nachricht an uns selbst, die Fans und die Liga.“ Beste Spieler bei Alba waren Blagota Sekulic (17 Punkte, neun Rebounds) und Julius Jenkins (22 Punkte).

Jenkins war der einzige Berliner, der länger als eine halbe Stunde auf dem Feld stand, Pavicevic wechselte angesichts der Dominanz häufiger als sonst. Selbst Oskar Faßler durfte erstmals in dieser Saison ein paar Minuten mitmachen. Jenkins hatte an den ersten Spieltagen nicht so gut getroffen und daraufhin Sonderschichten eingelegt. „Ich habe jeden Tag nach dem Training noch 60 bis 70 Mal auf den Korb geworfen“, erzählte er. Gestern bekamen die Ulmer sein neues Rhythmusgefühl zu spüren: Jenkins gelangen sechs Dreipunktewürfe.

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