Sport : Siege mit Makel

Betroffene Klubs aus Zweiter Liga und Regionalliga fordern, dass nun Spiele wiederholt werden

Steffen Hudemann

Berlin - Es war einer dieser Außenseitersiege, wie Fußballfans sie mögen. Der KFC Uerdingen, seit zwölf Spielen ungeschlagener Tabellenführer der Regionalliga Nord, führte 1:0 gegen den VfL Osnabrück. Doch innerhalb von nur zwanzig Minuten erzielte Osnabrück vier Tore, eines davon per Elfmeter. Der VfL gewann 4:1. Das Spiel vom 6. November 2004 hat allerdings einen Makel: Der Schiedsrichter hieß Robert Hoyzer.

Nachdem Hoyzer zugegeben hat, Spiele manipuliert zu haben, ist nichts mehr sicher im deutschen Fußball. Die Begegnung zwischen Uerdingen und Osnabrück gehört zwar bisher nicht zu den in erster Linie verdächtigen, dennoch hat Uerdingen gestern Protest gegen die Wertung eingelegt. „Wer weiß, was da noch herauskommt“, sagt Uerdingens sportlicher Leiter Heiner Essingholt. Der Elfmeter zum 2:1 sei fragwürdig gewesen, beim 3:1 habe ein Foul des Osnabrücker Stürmers vorgelegen.

Auch der FC St. Pauli hat inzwischen Protest gegen die Wertung eines von Hoyzer geleiteten Spiels eingelegt. Die Hamburger hatten am 4. Spieltag, ebenfalls gegen den VfL Osnabrück, nach einem späten Elfmeter 2:3 verloren. Außerdem war St. Paulis Spieler Miletic des Feldes verwiesen worden. „Das Spiel kann noch wiederholt werden. Wir wollen sportliche Gerechtigkeit“, sagt Sprecher Christof Hawerkamp. St. Pauli geht davon aus, in zwei weiteren Spielen der vergangenen Saison benachteiligt worden zu sein: beim 2:2 gegen Dresden und beim 2:3 gegen Braunschweig. Aus der 2. Liga liegen bislang Proteste von Greuther Fürth und Wacker Burghausen vor. Fürth reklamiert das von Hoyzer geleitete Spiel gegen den MSV Duisburg (0:1), Burghausen das 0:1 gegen Ahlen.

Robert Hoyzer hat bisher vier Pokal-, zwölf Zweitliga- und elf Regionalligaspiele gepfiffen. Jedes dieser Spiele könnte theoretisch zu den manipulierten gehören. Die Unsicherheit in der Regionalliga ist deshalb groß. „Ich halte es nicht für sinnvoll, dass jetzt jeder auf den fahrenden Wagen springt und sich betrogen fühlt“, sagt Lothar Gans, Manager des VfL Osnabrück. Für den Protest aus Uerdingen und St. Pauli hat er kein Verständnis. „Wir haben beide Spiele sportlich beherrscht und zu Recht gewonnen“, sagt Gans. Zu einem Wiederholungsspiel sei der VfL deshalb nicht bereit. Der Klub fürchtet offenbar um seine gute Ausgangsposition im Aufstiegskampf.

Auch der SC Paderborn fühlt sich um den sportlichen Erfolg gebracht. Trotz möglicher Manipulationen habe die Mannschaft im Pokalspiel gegen den Hamburger SV (4:2) eine „großartige Leistung“ gezeigt. Dennoch sei der Klub zu einer Wiederholung bereit, betont Geschäftsführer Michael Born. Er warnt jedoch davor, jede fragwürdige Entscheidung der vergangenen Monate anzuzweifeln. Auch von einem vertraglich vereinbarten Wettverbot, über das der VfL Wolfsburg für seine Bundesliga- und Regionalligaspieler nachdenkt, verspricht Born sich nichts. „Über Strohmänner kann immer gewettet werden. Dann müssen wir die Wetten ganz abschaffen.“

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