Sport : Siegen für den Neuaufbau

Union kämpft um sein Stadion – und um wichtige Punkte in Aue

Karsten Doneck

Berlin. Der Auftritt war wohlüberlegt. Heiner Bertram griff sich kurz vor Spielbeginn das Mikrofon, ging einige Schritte Richtung Platzmitte. Und nach ein paar einleitenden Worten kam er mit donnernder Stimme zur Sache. „Eine solche Kulisse braucht ein neues Stadion“, sagte Bertram. Von den Fans auf den Rängen erntete der Präsident des 1. FC Union lautstark Zustimmung.

Union kämpft um ein neues Stadion an der Alten Försterei. Mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln – auch indem der Verein tüchtig die Emotionen schürt. Eine prachtvolle Kulisse wie die von 14 191 Zuschauern am vergangenen Sonntag gegen Energie Cottbus ist sicher ein gutes Argument, um die Forderung durchzusetzen, der Berliner Senat möge dem Klub das Grundstück des jetzigen Stadions zum symbolischen Preis von einem Euro überlassen. Doch hohe Zuschauerzahlen in der Zweiten Liga haben bei einem so teuren Projekt keine alleinige Überzeugungskraft. Auch die sportliche Seite zählt. Und da sieht es für den 1. FC Union nach dem 0:1 gegen Cottbus finster aus: zweites Saisonspiel, zweite Niederlage. Union ist Letzter, punktlos und torgleich mit dem FC Erzgebirge Aue. Ausgerechnet diese Mannschaften treffen heute im Erzgebirgsstadion von Aue aufeinander. Union kämpft nicht nur um drei Punkte, sondern auch um das eigene Renommee – für ein neues Stadion.

Das Versprechen des Trainers

Das Modell der neuen Arena hat Union der Öffentlichkeit unlängst vorgestellt. Das rundum überdachte Stadion soll 30 Millionen Euro kosten. „Wir werden ein Drittel dieser Summe selbst stemmen, ein weiteres Drittel wird aus der Wirtschaft kommen und ein Drittel aus EU-Fördermitteln“, sagt Bertram. Nur, das Grundstück, auf dem gebaut werden soll, gehört Union noch gar nicht. Die Übernahme für einen Euro hat der Senat in einem ersten Schreiben schon mal abgelehnt. Union könne das Gelände zwar kaufen, aber dann möge man doch bitte 2,5 Millionen Euro, ein Viertel des üblichen Verkehrswertes, in die leere Senatskasse überweisen.

Union könnte mit sportlichen Erfolgen der Zweitligamannschaft weit mehr Druck machen. Einem um den Bundesliga-Aufstieg mitspielenden Verein wäre ein millionenbeladener Wunsch weitaus schwerer abzuschlagen als jemandem, der im untersten Geschoss der Zweiten Liga herumkrebst. Zumindest Mirko Votava, der Trainer, hat die Zeichen der Zeit erkannt. Innerlich noch aufgewühlt von den hektischen 90 Minuten zuvor, verstieg er sich nach dem 0:1 gegen Cottbus zu dem kühnen Versprechen: „Das soll die letzte Niederlage an der Alten Försterei gewesen sein.“ Ob er sich da nicht ein wenig weit aus dem Fenster gelehnt hat? Auf solche Aussagen werden Trainer schon mal festgenagelt.

Heiner Bertram hat noch ein weiteres Druckmittel in der Stadionfrage. Vor den Fernsehkameras des RBB stellte sich der Präsident hin und sagte: „Wenn im November in der Stadionfrage keine Klarheit besteht, kandidiere ich nächstes Jahr nicht mehr als Präsident bei Union.“ Ein gewisser „Jenner“ hält diese Drohung allerdings für untauglich, um in der Stadionfrage voranzukommen. Dieser „Jenner“ schrieb im Internet-Fanforum des 1. FC Union: „Ich glaube kaum, dass es die Berliner Politiker interessiert, wer Präsident bei Union ist. Wem will er also mit seinem Rücktritt drohen?“

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