Sport : Siegen fürs Profil: Dinara Safina steht erstmals im Finale der German Open

Anke Myrrhe

Berlin - „Gut gemacht, Schwester“ hatte ihr Bruder Marat in einer SMS geschrieben. Dinara Safina schien ihren ersten Erfolg über die Favoritin Justine Henin noch gar nicht richtig verarbeitet zu haben, da gelang der Schwester des ehemaligen Tennis-Weltranglistenersten Marat Safin bereits der nächste Coup. Mit dem Sieg über Serena Williams schlug die Russin bereits die zweite Top-Ten-Spielerin innerhalb von zwei Tagen. Angesichts dieser Auslosung erwies sich die Aufgabe im gestrigen Halbfinale gegen die 18-jährige Victoria Azarenka aus Weißrussland als eine leichte.

Mit 6:4, 6:1 setzte sich Safina durch und steht erstmals im Finale der German Open. Dort trifft sie heute (14 Uhr, live im RBB) auf die ebenfalls aus Russland stammende Elena Dementiewa, die im zweiten Halbfinale die Titelverteidigerin Ana Ivanovic aus Serbien 6:2, 7:5 bezwang.

Dass es bei ihrem sechsten Auftritt in Berlin so gut klappen würde, dagegen hätte Safina ihr „halbes Preisgeld verwettet“. Die 22-Jährige ist eine dieser vielen jungen Russinnen, die momentan die Tennis-Szene überschwemmen. Zehn waren es im Hauptfeld von Berlin, vier Russinnen sind unter den zehn besten Spielerinnen der Welt. Dinara Safina gehört noch nicht zu ihnen. Sie liegt zwar immerhin auf Position 17 der Weltrangliste, war aber vor ihrem Auftritt in Berlin selten aufgefallen – wie so viele ihrer russischen Kolleginnen. In der Wahrnehmung des Publikums wirken sie alle irgendwie austauschbar, nicht nur ihr Äußeres (meist sind sie groß und schlank und haben einen langen blonder Zopf), sondern auch das russische Spiel variiert selten: harte Grundschläge, keine Spielchen, ausgereiftes Power-Tennis.

Für viele Turnierveranstalter ist diese Profillosigkeit ein Problem. Mit zwei Russinnen, einer Weißrussin und einer Serbin war das Berliner Halbfinale gestern einosteuropäisches Festspiel. Auf das erwartet schnelle Ausscheiden aller deutschen Spielerinnen folgte die unerwartete Niederlage der großen Namen (Henin, Williams, Kuznetsowa, Bartoli). Es fehlt dem Damentennis an Identifikationsfiguren und Publikumsattrationen. An Typen eben. Serena Williams kann über dieses Problem nur lachen. Vor fünf Jahren, als sie und ihre Schwester Venus die Szene dominierten, schimpften alle, das Damentennis sei so langweilig geworden. „Jetzt sind alle froh, dass ich wieder da bin“, sagt die Amerikanerin.

Safina muss ihr eigenes Profil noch entwickeln. Maria Scharapowa ist es vor allem durch Aktivitäten außerhalb des Tennisplatzes gelungen, aus der Vielzahl der Russinnen herauszustechen. Dinara Safina ist nur durch den Zusatz „Marats kleine Schwester“ bekannt – und durch ein Benehmen auf dem Platz, das dem ihres Bruders ähnelt. Unzufrieden mit ihrem Spiel schimpfte sie gestern, schoss Bälle in die anliegende Hundekehle und schmiss ihren Schläger. Anke Myrrhe

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben