Sport : Siegen lernen

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Die Zahl klingt beeindruckend: 56 Matches hat Angelique Kerber in diesem Jahr gewonnen – so viele wie keine andere Tennisspielerin auf der Frauentour. Auch die Bilanz bei Grand Slams ist ordentlich: Dritte Runde in Melbourne, Viertelfinale in Paris, Halbfinale in Wimbledon und nun das Achtelfinale bei den US Open. Das zeigt: Die 24-Jährige spielt konstant in der Weltspitze mit – anders als beispielsweise eine Sabine Lisicki oder Julia Görges, die in New York gleich in Runde eins ausschieden.

Was Kerber aber fehlt, ist der ganz große Erfolg. Dabei hat sie spielerisch alle Möglichkeiten. Mit ihrer aggressiven Spielweise kann die Linkshänderin nicht nur jeder Gegnerin Probleme bereiten, sie kann sie auch schlagen. Die Niederlage gegen Sara Errani in Flushing Meadows hat aber auch gezeigt, dass es Kerber noch an taktischer Variabilität mangelt. Kann sie ihr Spiel nicht wie gewohnt durchziehen, wird sie ungeduldig, macht leichte Fehler und verliert Matches, die sie eigentlich gewinnen müsste. Die spannende Frage wird nun sein: Kann Kerber daraus lernen?

Die Spitze im Frauentennis liegt nah beisammen, Kleinigkeiten entscheiden oft über den Ausgang eines Turniers. Eine Serena Williams ist deswegen allen anderen Spielerinnen überlegen, weil sie nichts anderes als Siege von sich erwartet. Mental ist sie der Konkurrenz weit voraus – auch einer Angelique Kerber.

Nach dem Ausscheiden am Montag sagte die Deutsche, sie sei auf einem guten Weg. Sie sagte aber auch: „Ich habe noch Luft nach oben.“ Eine weitere Niederlage gegen eine weniger talentierte Gegnerin wie Sara Errani bei großen Turnieren wäre auf diesem Weg ein fatales Signal. Kerber wäre zwar trotzdem noch eine gute Spielerin, aber keine herausragende. Die nämlich wird an wichtigen Titeln gemessen, nicht an Matchbilanzen.

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