Sport : Siegen und reisen

Eisbären gewinnen gegen Hannover und fahren zum Spengler-Cup nach Davos

Claus Vetter

Berlin - In Gedanken mag gestern mancher beim EHC Eisbären schon in Davos gewesen sein. Ab übermorgen spielt der Deutsche Meister beim Spengler-Cup, dem traditionsreichen Eishockey-Turnier für Klubmannschaften. Zum Abschied aus Berlin boten die Eisbären 5000 Zuschauern im ausverkauften Sportforum Hohenschönhausen eine leicht chaotische Veranstaltung, die sie aber verdient mit einem Sieg abschlossen: 4:1 (2:1, 0:0, 2:0) besiegten die Berliner die harmlosen Hannover Scorpions und konnten somit ihren sechsten Tabellenplatz in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) im letzten Punktspiel des Jahres verteidigen.

Schön war das Spiel nicht immer, dafür aber unterhaltsam und aus Hannoveraner Sicht enttäuschend. Scorpions-Trainer Hans Zach verschlang wenige Minuten nach der Schlusssirene mit hochrotem Gesicht im Frust im Eiltempo ein mit Käse belegtes Brötchen. Danach sagte Zach: „Das Spiel war knapper, als es das Ergebnis aussagt. Aber die Eisbären haben eben einen guten Lauf.“ Sein Berliner Kollege hatte dafür „zwei gute Nachrichten“ zu verkünden. „Wir haben gewonnen und wir können besser werden“, fand Pierre Pagé. Tatsächlich war zumindest das erste Drittel bemerkenswert. Da durften die Hannoveraner fast permanent in Überzahl agieren und demonstrierten mit ihren umständlichen Aktionen, wie man sich anstellen muss, um garantiert kein Tor zu erzielen. Der sonst als temperamentvoller Vertreter seines Berufszweigs bekannte Zach verfolgte die undurchdachten Versuche seiner Mannschaft regungslos von der Auswechselbank. „Vielleicht waren wir erschrocken darüber, dass wir so viel Powerplay hatten“, sagte Zach später.

Vor dem Tor der Hannoveraner war dafür ab der zehnten Spielminute mehr los als im Berliner Drittel. Zunächst traf Deron Quint die Latte, wenig später dann murmelte der Puck irgendwie ins Tor. Stefan Ustorf war der Torschütze zum 1:0 für die Eisbären, die sich wenig später über einen spektakulären Treffer freuen konnten. Der wieder einmal starke André Rankel erzielte ihn nach einem Konter. Der 21 Jahre alte Berliner hatte bereits am Donnerstag beim 5:2-Auswärtssieg in Frankfurt drei Tore geschossen.

Nach Rankels schöner Aktion war es aber vorbei mit der Herrlichkeit im Eisbären-Spiel. Cole Jarrett erhielt nach einem Stockschlag von Schiedsrichter Rick Looker aus den USA eine Spieldauerstrafe und noch mal zehn Minuten wegen Meckerns plus fünf weiterer Minuten – und Hannover konnte Eisbären-Torwart Youri Ziffzer trotzdem nicht überwinden. Jedenfalls nicht im Powerplay. Ihr Anschlusstor durch Eric Schneider bejubelten die Scorpions, nachdem sie mal nicht in Überzahl gespielt hatten.

Ab dem zweiten Drittel spielten die Eisbären dann disziplinierter, dafür wurde das Spiel zäher. Erst im Schlussabschnitt wurde es dann wieder etwas munterer. Steve Walker traf schnell zum 3:1 für die Berliner. Alles war entschieden und Deron Quint konnte sogar kurz vor Schluss noch das 4:1 gegen die schwachen Scorpions erzielen, die auch ihr drittes Punktspiel in dieser Saison gegen die Eisbären verloren.

Die Pause nach dem letzten Punktspiel des Jahres fällt für die Eisbären nun sehr knapp aus. Bereits am Montag reisen sie in die Schweiz. Der Spengler-Cup beginnt für sie am 26. Dezember um 15 Uhr mit der Partie gegen Gastgeber HC Davos. Khimik, ein Vorstadtklub aus Moskau, Mora IK aus Schweden und ein Team Canada sind die Berliner Gegner bei der 80. Auflage des am 31. Dezember endenden Turniers in den Schweizer Alpen, das die Eisbären so ernst wie möglich nehmen wollen. „Wir wollen die DEL gut vertreten“, sagte ihr Trainer Pierre Pagé, „und möglichst ohne verletzte Spieler zurückkommen.“ Denn bereits am 2. Januar ist der EV Duisburg erster Berliner Gegner des neuen Jahres.

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