Sport : Sieger bis zur Ziellinie

Ausreißer Jörg Jaksche wird bei der zweiten Etappe der Deutschland-Tour von Filippo Pozzato abgefangen

Hartmut Scherzer[Bodenmais]

Jörg Jaksche war nicht mehr einzuholen. Zumindest schien es so. Zwei Kilometer vor dem Ziel hatte der deutsche Radprofi vom Team Liberty Seguros noch einmal eine seiner Attacken gestartet und sich von der Spitzengruppe abgesetzt. Doch auf der Zielgeraden wurden seine Beine immer schwerer und die Verfolger kamen immer näher. Auf den letzten Metern zog der Italiener Filippo Pozzato vom Team Quick-Step schließlich noch an Jaksche vorbei. Keiner der beiden jubelte – erst das Zielfoto konnte aufklären, wer nach 199 Kilometern der Sieger war. „Ich habe gedacht, der letzte Berg wäre etwas einfacher zu fahren“, sagte Jaksche enttäuscht.

Für Jan Ullrich verlief der zweite Tag der Deutschland-Tour erfreulicher. Der große Favorit auf den Gesamtsieg zeigte sich auf der Etappe von Pegnitz nach Bodenmais hoffnungsvoll und kam in der Spitzengruppe ins Ziel. Ihm gehe es besser, und am Donnerstag, wenn die schwerste Etappe ansteht, sei die Erkältung weg. Noch habe ihn der Schnupfen etwas behindert. Davon war ihm aber nichts anzumerken. Auch ohne Helfer zeigte der T-Mobile-Kapitän an den beiden Bergen der zweiten Kategorie keinerlei Schwächen und vermied es dann, beim Schlussspurt der 29 Fahrer starken Spitzengruppe mit allen Konkurrenten mitzujagen. Zu gefährlich auf der regennassen Straße. „Ich bin froh, dass ich vorne dabei war“, sagte Ullrich. „Ich habe keine Zeit auf die Mitfavoriten verloren und meine gute Position im Gesamtklassement behauptet.“

Lange Zeit war der zweite Tag der Deutschland-Tour ähnlich wie der erste verlaufen. Zwar hatte der Regen diesmal erst ein wenig später eingesetzt, aber wieder hatten sich früh drei Ausreißer aus dem Hauptfeld abgesetzt und einen größeren Vorsprung herausgefahren. Der Italiener Mauro Facci (Fassa Bortolo), Carlos Barredo aus Spanien (Liberty Seguros) und Enrico Poitschke vom deutschen Team Wiesenhof hatten nach etwas mehr als 20 Kilometern ihre Attacke gestartet. Poitschke und seine Fluchtgefährten versuchten es mit der gleichen Taktik, mit der am Vortag der Niederländer Bram Tankink das Gelbe Trikot des Führenden in der Gesamtwertung erobert hatte, mit 3:19 Minuten Vorsprung vor dem Feld mit allen Favoriten. Dieses Gelbe Trikot war gestern bereits früh in Gefahr, weil die drei Ausreißer schon vor dem Naturpark Oberpfälzer Wald nach 70 Kilometern einen Vorsprung von mehr als vier Minuten herausgefahren hatten. Das Führungstrio hielt seinen Vorsprung stabil, bis es nach den flachen ersten 160 Kilometern in den Bayerischen Wald ging.

Doch am ersten Berg waren die Ausreißer schnell eingeholt. Das Tempo wurde verschärft, eine Attacke folgte auf die nächste, und Bram Tankink konnte nicht mehr folgen. Mit weniger als zwei Minuten Rückstand im Ziel verteidigte der Niederländer immerhin das Gelbe Trikot.

In der ersten Gruppe waren bei der ersten Bergwertung nur noch 30 Fahrer. Immer wieder griff Jörg Jaksche an. Der Franke war der aggressivste Fahrer im Bayrischen Wald: Ständig attackierte er an den beiden Anstiegen, den über tausend Meter hohen Bergen Scheiben und Bretterschachten, auf den letzten 30 Kilometern. Insgesamt fünf Mal versuchte der Kapitän des spanischen Teams Liberty Seguros, das Peloton hinter sich zu lassen – jedesmal vergeblich. Zwei Kilometer vor Schluss startete Jaksche schließlich seine letzte Attacke. Bis zwei Meter vor dem Ziel sah er wie der Sieger aus.

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