Sport : Sieger in Sandstein

Helen Ruwald

Seit gestern steht vor dem VIP-Raum der Max-Schmeling-Halle eine Glasvitrine mit kleinen Sandsteinbüsten auf Holzsockeln. 49,90 Mark das Stück. Die Ähnlichkeit mit lebenden Personen ist nicht sonderlich frappierend. Aber gekauft würden die Büsten, versichert die zuständige Dame, am begehrtesten bei den Ehrengästen sei Wendell Alexis, der Mann mit den geschlossenen Augen in der obersten Reihe. "Die Dinger sind so hässlich, äh, schön", sagt Stipo Papic lachend, während er sich und die Kollegen von Alba Berlin hinter Glas betrachtet. Immerhin: Unter deutschen Weihnachtsbäumen werden Sieger liegen, keine Loser. Der deutsche Basketballmeister gewann gestern vor 6096 Zuschauern nach dramatischer Aufholjagd gegen die Telekom Baskets aus Bonn mit 76:75 (29:44).

Vier Sekunden vor dem Ende verhinderte Derrick Phelps mit einem Zweipunktewurf die dritte Heimniederlage der Berliner in Folge. Nach den Pleiten gegen Köln und Leverkusen gelang Alba endlich auch vor heimischem Publikum ein Sieg gegen ein Bundesliga-Spitzenteam. Die Gastgeber zogen mit 16:8-Punkten mit den Gästen gleich, bleiben aber Fünfter.

Am Donnerstagabend hatte Alba trotz der unglücklichen 64:65-Niederlage in der Euroleague gegen Maccabi Tel Aviv mit einer starken Leistung in der Verteidigung imponiert. Doch gegen Bonn wurden die Berliner in der ersten Halbzeit trotz 12:7-Führung vorgeführt. Diese verteidigten viel aggressiver und hatten bei Trefferquote, Rebounds und Freiwürfen deutliche Vorteile. Nur vier Freiwürfe bekamen die Berliner zugesprochen, von denen sie einen verwandelten (Bonn: 11 von 18). Alba konnte Bonns Forward Terrence Rencher nie stoppen, der wie Center Mike Mardesich schon zur Pause elf Punkte erzielt hatte. Albas Leistungsträger hingegen blieben blass. Derrick Phelps genauso wie Wendell Alexis, der in der ersten Halbzeit nur drei Punkte erzielte. Vermutlich ein persönlicher Minusrekord.

"Wir haben gegen Maccabi Spiel, Kraft und Emotionen verloren", sagte Trainer Emir Mutapcic, "aber ich brauche auch eine Erklärung für die schlechte erste Halbzeit." "Am Anfang hatten wir das Spiel vom Donnerstag noch in den Beinen", mutmaßte Kapitän Henrik Rödl. Alexis meinte gar: "Wir haben überhaupt nichts gemacht, wir haben die Bonner alles machen lassen, was sie wollten. Der Trainer hat in der Pause ziemlich rumgebrüllt." Es wirkte. In der zweiten Halbzeit dominierte Alba bei Freiwürfen und Rebounds, ließ den Bonnern nicht mehr so viel Raum und kippte das Spiel, angetrieben von Rödl, mit unglaublichem Selbstvertrauen. Dejan Koturovic (17 Punkte, 9 Rebounds) avancierte gemeinsam mit Rencher zum Topscorer der Partie. Alexis machte noch weitere 13 Punkte, darunter die entscheidenden Zähler zum 71:71-Ausgleich und zum 73:71 (37.). Ein Dreipunktewurf von Tilo Klette brachte Bonn 50 Sekunden vor dem Ende noch einmal die Führung. Dann kam Phelps.

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