Sport : Siegerehrung statt Schule

Vier Silbermedaillen an einem Abend für deutsche Leichtathleten

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Von Jörg Wenig

München. Es war der Abend der deutschen Leichtathleten im Münchener Olympiastadion. Neben Ingo Schultz’ Gold über 400 m gewannen die Deutschen viermal Silber am gestrigen dritten Tag der Europameisterschaften. Silber holten Grit Breuer (Magdeburg) über 400 m in 50,70 Sekunden, Heike Meißner (Chemnitz) über 400 m Hürden in 55,89 Sekunden, Dreispringer Charles Friedek mit 17,33 Metern und Speerwerferin Steffi Nerius (beide Leverkusen) mit 64,09 Metern.

Insgesamt haben die deutschen Athleten bisher sieben Medaillen gewonnen. Am Tag der Deutschen kam auch die Sonne zurück und die Zuschauer kamen in Scharen: 48 500 Zuschauer sorgten für ein ausverkauftes Stadion. Mehr Tickets sind nicht im Verkauf, da die restlichen Plätze von den Medien und den Athleten besetzt sind. Einige tausend Zuschauer standen vor dem Stadion und bekamen keine Karten mehr.

45 Minuten nachdem Ingo Schultz für den Höhepunkt des Abends gesorgt hatte, kam Grit Breuer. Dass sie kaum Chancen haben würde, ihren EM-Titel zu verteidigen, war schon vorher klar. Achillessehnenprobleme hatten sie lange Zeit beim Saisonaufbau behindert. „Vor fünf, sechs Wochen habe ich gedacht, ich fahre nicht nach München. Jetzt bin ich froh, dass ich hier bin und eine Medaille gewonnen habe“, sagte Grit Breuer, die sich ihr Rennen so einteilte, dass sie auf der Zielgerade nicht zu viel Rückstand auf die Favoritin Olesja Zykina hatte und noch Kräfte frei waren. „Ich wollte am Ende noch einmal attackieren.“ Das gelang ihr fast schon wieder wie in besten Zeiten, doch auf den letzten 50 Metern hielt die Russin ihren Vorsprung und siegte in 50,45 Sekunden.

Den stärksten Wettkampf dieser Saison zeigte Dreispringer Charles Friedek. Der Leverkusener Weltmeister von 1999 sprang in einem der hochkarätigsten Wettbewerbe dieser Europameisterschaften 17,32 m weit. Damit hatte er den Weltrekordler Jonathan Edwards bezwungen. Der Brite sprang nur einen Zentimeter weniger. Christian Olsson wurde Europameister mit 17,53 m. Silber ging auch an Friedeks Vereinskameradin Steffi Nerius. Für die 30-Jährige war es die erste Medaille bei einer großen Meisterschaft. 64,09 Meter warf Nerius im dritten Versuch. Für die Leverkusenerin war damit nur Mirela Manjani außer Reichweite. Die Griechin warf 67,47 m und wurde damit Nachfolgerin von Tanja Damaske, die vor vier Jahren in Budapest gewonnen hatte. Die Berlinerin hatte nach Verletzungsproblemen die Qualifikation für München verpasst.

Die erste deutsche Medaille des Abends hatte überraschend Heike Meißner gewonnen. Nach einem Achillessehnenanriss im Winter und einem Infekt im Frühjahr sah es im Laufe der Saison nie nach einem derartigen Erfolg aus. Doch nach vierten Plätzen bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften gewann auch die 32-Jährige nun ihre erste Medaille. „Das Publikum hat mich schnell gemacht“, sagte Heike Meißner, die nach einer starken zweiten Hälfte auf der Zielgeraden die bis dahin zweitplatzierte Anna Olichwierczuk überholte. Eigentlich hätte die Grundschullehrerin in diesen Tagen bereits unterrichten sollen. Doch Heike Meissner wurde nach der EM-Qualifikation freigestellt. Nun ging sie zur Siegerehrung statt in die Schule.

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