Sport : Siegessehnsucht

Der HSV braucht dringend den ersten Saisonerfolg

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Berlin - Der Andrang war riesig. Die Ersten stellten sich schon morgens um drei an, ausgerüstet mit wärmenden Getränken und Schlafsäcken. Bereits kurz vor elf hieß es in den beiden Fanshops in der Innenstadt und am Stadion: Ausverkauft! Fußball-Bundesligist Hamburger SV hatte in kürzester Zeit sämtliche Karten für das Champions-League-Spiel am 21. November gegen den FC Arsenal abgesetzt. Was aus zwei Gründen überrascht. Das Spiel findet nämlich nicht in Hamburg statt, sondern 850 Kilometer entfernt in London. Obendrein verzeichnet der HSV derzeit eine wenig zugkräftige Bilanz: sieglos in der Champions League, sieglos in der Bundesliga, ausgeschieden in Runde eins des DFB-Pokals bei einem Regionalligisten. Da ist normalerweise auch ein Kontingent von 3000 Eintrittskarten für ein Auswärtsspiel in London schwer abzusetzen.

Aber der HSV-Fan verzeiht. Ausverkauft, so heißt es auch heute beim Bundesliga-Heimspiel gegen Schalke 04. 55 800 Zuschauer wollen dabei sein. „Wir wissen, die ganze Stadt steht hinter uns“, sagt Trainer Thomas Doll erfreut, wundert sich aber selbst ein wenig: „Das ist schon erstaunlich, wie die Menschen in Hamburg reagieren und uns aufmuntern.“Es sind Sympathieträger wie Thomas Doll selbst, derentwegen die positive Stimmung nicht kippt. Doll pflegt eine offene, ehrliche Art im Umgang mit den Menschen, Arroganz ist ihm fremd. Er kann zuhören, geduldig gibt er Auskunft. Und doch strahlt er Autorität aus, eine völlig ungekünstelte allerdings. So einer kommt an in Hamburg. Er ist nicht nur einer der Typen, denen man einen Gebrauchtwagen auch ohne Probefahrt guten Gewissens abkaufen würde, sondern dem zugetraut wird, die derzeitige HSV-Krise zu meistern. Ablösung des Trainers? HSV-Boss Bernd Hoffmann winkt ab: „Das stehen wir jetzt gemeinsam durch.“

Demonstrativ hatten die HSV-Fans nach dem 2:2 zuletzt bei Eintracht Frankfurt Trainer Doll gefeiert. Auch die Anhängerschaft hat eben begriffen, dass die Probleme beim HSV nicht nur hausgemacht sind. Sicher, da war der gravierende Umbruch, als Leistungsträger wie van Buyten, Barbarez und Boulahrouz abgegeben und dafür viele Neue geholt wurden. Deren Integration erfordert Zeit, das ist einsehbar. Vielmehr noch weckt aber das immense Verletzungspech fast schon Mitleid bei der HSV-Kundschaft. Rafael van der Vaart, Spielmacher und Kapitän, stand von bisher 540 Bundesliga-Minuten gerade mal 231 auf dem Platz, ehe ihn eine Verletzung außer Gefecht setzte. Thimothee Atouba war bisher erst 59 Minuten dabei. Die Liste der Ausfälle ist noch weitaus länger, doch Doll jammert nicht. Er fordert: „Wir wollen unseren Zuschauern etwas von dem Vertrauen zurückgeben, das sie in uns setzen. Der erste Saisonsieg ist jetzt mal fällig.“

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