Siegesserie von Alba Berlin : Alle zusammen am Limit

Mit 15 Siegen im Rücken empfangen die Basketballer von Alba Berlin heute im Pokal die Baskets Bonn. Warum es nun schon seit Wochen so gut läuft? Eine Analyse.

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Clifford Hammonds defensive und kämpferische Fähigkeiten sind für Alba unverzichtbar.
Clifford Hammonds defensive und kämpferische Fähigkeiten sind für Alba unverzichtbar.Foto: Imago

Sasa Obradovic ist kein Freund von Zwischenbilanzen oder verfrühtem Jubel. „Das Wichtigste ist, dass man nie zufrieden sein kann“, sagt Alba Berlins Trainer. „Ich sehe immer noch eine Million Fehler, wir müssen noch besser spielen.“ Aber auch Obradovic kann nicht bestreiten, dass sich sein Team vor dem Heimspiel am Mittwoch gegen Bonn um den Einzug ins Finalturnier des Pokals (20 Uhr, Arena am Ostbahnhof) in blendender Form befindet. Die Klubrekord-Serie von 15 Siegen in Folge hat mehrere Gründe:

VERTEIDIGUNG
Die aktuelle Alba-Mannschaft definiert sich über ihre Defensive. „So kann man auch mal ein Spiel wie in Juschni gewinnen, wenn man von außen gar nichts trifft“, sagt Power Forward Jan Jagla. Der Schlüssel dabei ist die große Aggressivität, mit der alle Berliner ihren Gegnern zusetzen. Allen voran Spielmacher Cliff Hammonds, der die ganze Saison konstant auf höchstem Niveau verteidigt. „Er gibt den Rhythmus in der Verteidigung vor“, sagt Obradovic über Hammonds. „Aber auch die Kreativen müssen verteidigen.“ Wenn nur ein Spieler am Limit zum Foul verteidige, bekomme er viele Fouls gepfiffen, sagt Obradovic, „aber wenn alle am Limit zum Foul verteidigen, wird es auch für die Schiedsrichter schwieriger“. Obradovic hat in Akeem Vargas und Alex King auch zwei deutsche Spieler im Kader, die sich für Drecksarbeit nicht zu schade sind.

TIEFE DES KADERS
Seit Albas letzter Niederlage am 8. Dezember hatten die Berliner bei ihren 15 Siegen sieben verschiedene Spieler als Topscorer. Obradovics Team ist schwer auszurechnen und im Angriff nicht nur von ein oder zwei Optionen abhängig. Wenn ein zuverlässiger Werfer wie zuletzt David Logan in Juschni schwächelt, übernehmen seine Mitspieler Verantwortung. Das Gleiche gilt für die Defensive, wo Obradovic je nach Gegner viele unterschiedliche Formationen zusammenstellt. Der Serbe achtet zudem darauf, niemanden zu überlasten: Kein Alba-Profi steht im Schnitt länger als 27 Minuten pro Spiel auf dem Feld.

GESUNDHEIT
Alba ist in dieser Saison bislang von schweren Verletzungen verschont geblieben. Die beiden Schlüsselspieler Logan und Leon Radosevic fielen zwar für einige Wochen aus, ihren Ausfall konnte das Team aber kompensieren. Für Radosevic nahm Alba im Herbst Center Uros Slokar unter Vertrag, seit dem Abschied des Slowenen gab es aber überhaupt keinen Grund, über eine Nachverpflichtung nachzudenken.

EINSTELLUNG
„Es ist immer einfacher, wenn man eine Gruppe von Spielern hat, die einen starken Charakter haben“, sagt Obradovic. Der Trainer hält sich zugute, sich bei der Zusammenstellung der Mannschaft im vergangenen Sommer gut informiert zu haben: „Für mich ist es wichtig, Stimmen aus der Umkleidekabine zu hören.“ So habe er sich zum Beispiel über Cliff Hammonds bei dessen ehemaligem Mitspieler Branko Jorovic erkundigt, den er aus Serbien kennt und dessen Urteil er vertraut. Obradovic gefällt zudem, dass sich seine Spieler auch außerhalb der Halle als Mannschaft präsentieren: „Sie bleiben zusammen, verbringen Zeit miteinander.“

MENTALE STÄRKE
In der Eurocup-Zwischenrunde hat Alba zwei Auswärtsspiele nach Verlängerung gewonnen. Selbst die völlig verkorkste Reise in die Ukraine und ein Sieben-Punkte-Rückstand zwei Minuten vor Schluss konnte die Berliner nicht am Sieg in Juschni hindern. „Das Team glaubt an sich“, sagt Obradovic. Der Serbe warnt aber vor zu großer Selbstsicherheit: „Nach so vielen Siegen ist es schwer, fokussiert zu bleiben. Das ist sehr gefährlich.“ Obradovic hat seine eigene sehr direkte und bisweilen giftige Art, seine Profis auf Fehler hinzuweisen. „Man muss lernen, was man daraus macht“, sagt Center Levon Kendall. „Es fördert die Konzentration. Aber zum Teil muss man es ignorieren, um auf dem Spielfeld konzentriert zu sein.“ Zurzeit scheint Obradovic die richtigen Töne zu treffen – oder seine Spieler hören im richtigen Augenblick weg.

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