Sport : Silber am laufenden Band

Die deutschen Kombinierer werden Zweite hinter Finnland bei der Staffel der Nordischen Ski-WM

Marc Beyer[Sapporo]

„Heute feiern wir, das zahle ich gerne“, sagte der Bundestrainer der Nordischen Kombinierer am Sonntag leichtfertig, nachdem seine Männer die Silbermedaille in der WM-Staffel in Sapporo geholt hatten. Die Athleten schienen dem Angebot des Trainers nicht ganz zu trauen. „Er hat eigentlich noch nie einen ausgegeben“, gab Ronny Ackermann zu bedenken. Tino Edelmann ging deshalb auf Nummer sicher: „Hat das jemand auf Band?“

Ein lustiger Abend kündigte sich an im Quartier der deutschen Kombinierer, die praktischerweise mitten in Sapporo untergebracht sind. Bis zum Samstag bleibt ihnen ausreichend Zeit, den alten Wettkampf nach- und den kommenden vorzubereiten. Frühzeitig hat die Mannschaft das interne Ziel von zwei Medaillen erreicht. Unzufrieden mit der Medaillen-Farbe war niemand. Nicht einmal Björn Kircheisen, dabei würde er im Teamrennen so gerne auch einmal etwas anderes gewinnen als immer wieder Silber. Das fünfte in Folge hat er nun schon im Kollektiv ersprungen und erlaufen. „Das ganze Silber lagere ich in der Wohnzimmer-Vitrine“, sagte Kircheisen nach dem Staffellauf. Dazu kamen die Bronzemedaille vom Sprint am Freitag und seine anderen Einzel-Plaketten. Irgendwann wird hoffentlich auch Gold im Quartett dazukommen. Der 23-jährige Björn Kircheisen ist noch jung genug, um optimistisch zu sein: „Vielleicht 2009 oder 2011 kann es klappen“, meint er.

In diesem Jahr stand der Schlussläufer der Staffel des Deutschen Skiverbands (DSV) vor einer unlösbaren Aufgabe. An Hannu Manninen, dem vierten Mann der Finnen, führte einfach kein Weg vorbei. „Der ist halt eine Maschine“, sagte Kircheisen resigniert. Die Überlegenheit des Finnen hatte er schon am Freitag im Sprint gespürt, als Manninen eine Dreiviertelminute auf ihn wettmachte und dann vorbeirauschte, als wäre das die leichteste Übung. Diesmal starteten beide fast gleichauf – doch anderthalb Kilometer vor dem Ziel wiederholte sich die Geschichte. Der Finne zog an und der Deutsche hatte nicht mehr die Kraft, ihm zu folgen.

Kircheisen riss trotzdem im Ziel die Arme hoch. Immer wieder Silber hat auch seine guten Seiten. Die Österreicher, in Turin Olympiasieger, hatten diesmal gar nichts zu feiern und mussten im Sprint um Bronze Norwegen den Vortritt lassen. Auf die Strecke gegangen waren die Deutschen als Dritte, zehn Sekunden nach den Norwegern und 49 nach den Finnen. Rasch machte Startläufer Sebastian Haseney einen Platz gut und setzte sich von den Norwegern und Österreichern ab, danach baute Ronny Ackermann das Polster aus. Schon als er an Tino Edelmann übergab, berichtete Ackermann später, fühlte er sich in einer „luxuriösen Ausgangsposition: Silber ist unser.“

So war es auch, obwohl Edelmann sogar als Erster an Kircheisen übergab. Aber da hatte sich Manninen noch nicht eingeschaltet. Vor der WM hatte die Karriere des Finnen, der seit 2004 den Weltcup eindrucksvoll dominiert, einen Makel: Ein Einzeltitel bei WM oder Olympia fehlte. Seit Freitag ist er die Sorge los, am Ende seiner Laufbahn „fast als Versager“ (Weinbuch) dazustehen. Dann schon lieber der Vergleich mit der Maschine.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben