Sport : Silber mit goldener Tönung

Die deutschen Volleyballerinnen ärgern sich nur kurz über das knapp verlorene EM-Endspiel gegen Serbien

Klaus Wegener[Belgrad]
Nicht ganz durchgekommen. Die Deutsche Christiane Fürst schmettert, die Serbinnen Brizitka Molnar (l.) und Maja Ognjenovic triumphierten aber am Ende in Belgrad. Foto: Reuters
Nicht ganz durchgekommen. Die Deutsche Christiane Fürst schmettert, die Serbinnen Brizitka Molnar (l.) und Maja Ognjenovic...Foto: REUTERS

Diesen unglücklichen Schlusspunkt eines Fünf-Satz-Krimis im Finale der Europameisterschaft gegen Serbien hatten sich Deutschlands Volleyballerinnen nicht verdient. Die Dresdnerin Anne Matthes, kurz vorher eingewechselt, lief an zum Aufschlag, als Serbien nur noch einen Punkt zum ersten EM-Titel benötigte, rutschte aus und der Ball fiel vor ihr auf den Boden. Das Endspiel war beendet, der Traum von einer Goldmedaille endgültig geplatzt. Anne Matthes war natürlich todunglücklich. Im zweiten Vorrundenspiel gegen Frankreich war sie es gewesen, die bei einem klaren Rückstand im zweiten Satz für die Wende gesorgt hatte. Am Ende siegte Deutschland mit 3:0 und es war wie das Aufbruchsignal zur besten EM-Platzierung einer deutschen Mannschaft seit der Wiedervereinigung. Bislang standen zwei Bronzemedaillen aus den Jahren 1991 und 2003 zu Buche. Die DDR hatte 1973 und 1987 den Titel geholt.

Es dauerte nur einen kurzen Augenblick und Anne Matthes wurde nach ihrem Missgeschick von ihren Mitspielerinnen getröstet und in den Arm genommen. „Wir sind ein Team, wir sind auch im Finale nie auseinander gebrochen, das ist es, was uns auszeichnet“, sagte Mittelblockerin Christiane Fürst. Wahrscheinlich hätten sie das Spiel ohnehin nicht drehen können. Serbiens Spielerinnen hatten endlich den Rhythmus gefunden, zu dem sie die 9000 Fans anpeitschten.

Im vierten Satz allerdings war der Triumph greifbar nahe gewesen. Deutschland lag 2:1 nach Sätzen vorn und benötigte im vierten Satz bei einer 18:15-Führung nur noch sieben Punkte zum Sieg, als der Faden riss. Bundestrainer Giovanni Guidetti sagte später: „Wir haben in dieser Phase keine Lösung gefunden, um Serbien zu stoppen.“

Was blieb, sind dennoch viele positive Akzente, die dem Team nur wenige zugetraut hatten. Vor Wochen enttäuschte es noch beim Grand Prix mit sieben Niederlagen in neun Spielen, wo es doch eigentlich Weltranglistenpunkte für die Olympia-Qualifikation sammeln sollte. Durch die Finalteilnahme haben die Volleyballerinnen nun gleich drei Chancen auf London 2012. Die erste bietet sich im November beim World Cup in Japan, wo drei Olympia-Tickets vergeben werden. Und immerhin wissen die Deutschen jetzt, wie es sich anfühlt, in einem Finale zu stehen. „Wir haben ja auch nicht Gold verloren, sondern Silber gewonnen“, sagte Christiane Fürst, „und das sollte in unseren Köpfen hängenbleiben.“ Die Mittelblockerin war eine von drei Deutschen, die auf ihrer Position als Beste der EM ausgezeichnet wurde. Spielführerin Margareta Kozuch wurde für ihre Angriffsleistung geehrt, Angelina Grün als beste Annahmespielerin.

In der Tat war Deutschlands Auftritt unglaublich. Das Team stürmte durch die EM bis zum Finale mit fünf Siegen und nur einem verlorenen Satz. Im Halbfinale wurde sogar Italien, Europameister 2007 und 2009, mit 3:0 entmachtet. „Volleyball-Deutschland kann stolz sein auf diese Mädels“, sagte Guidetti. „Für einen Trainer ist es ein Traum, mit ihnen arbeiten zu dürfen.“

Das Kompliment bewahrte ihn allerdings nicht vor einem Überfall durch die Hochgelobten. Die zwangen ihn nach der Pressekonferenz und allen Interviewgesprächen noch einmal in die Kabine. Dort wurde der schwarzhaarige Guidetti gleich von mehreren Spielerinnen festgehalten, während andere eine goldblonde Tönung in seine Haare schmierten. Danach wurde der Trainer in den Bus geführt, um zu verhindern, dass er sich die Tönung wieder auswäscht.

Es war zugleich der Auftakt zu einer ausgelassenen Feier. Von der Halle aus ging es zum Pizzaessen, von dort in einen Tanzclub auf einem Boot auf der Donau. Natürlich wurde durchgemacht, denn um sechs Uhr mussten die Mannschaft einsteigen in den Flieger nach München. Es warten zudem schon die nächsten Aufgaben. Guidetti und Fürst, die bei einem Istanbuler Verein unter Vertrag stehen, fliegen am Donnerstag zur Klub-WM nach Doha. In der Bundesliga startet bereits am 14. Oktober die neue Spielzeit. Gut zwei Wochen später soll die Vorbereitung auf den World Cup beginnen.

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