Sport : Silberner Jahrgang

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Von einem guten Jahrgang zu sprechen, wäre stark untertrieben. Die 1987er sind der beste Jahrgang, den das deutsche Turnen bisher hatte, denn es gab wohl noch nie ein Jahr, in dem gleich drei so erfolgreiche deutsche Turner geboren wurden. Philipp Boy wurde zweimal Vizeweltmeister im Mehrkampf, Fabian Hambüchen, zuvor schon Weltmeister am Reck, hat in London die Silbermedaille am Reck gewonnen, Marcel Nguyen wird London mit Silber im Mehrkampf und am Barren verlassen. Es ist also ein silberner Jahrgang mit einem goldenen Schimmer.

Ihr Geburtsjahr und die Leidenschaft fürs Turnen sind jedoch schon die größten Gemeinsamkeiten der drei, und hier fängt nun für den Deutschen Turner-Bund und seine Trainer die Arbeit an, die Überzeugungsarbeit.

Mit den drei olympischen Medaillen aus London als Prädikat könnten sie eine starke Mannschaft auf die Spiele in vier Jahren in Rio de Janeiro aufbauen. Doch gerade Philipp Boy braucht nach seinen enttäuschenden Leistungen in London einen neuen Anlauf, und Fabian Hambüchen wird ein Studium beginnen und künftig etwas weniger Zeit fürs Turnen haben.

Boy und Nguyen verstehen sich untereinander gut, Hambüchen ist der Einzelkämpfer in diesem Trio, der das meiste mit seiner Familie ausmacht: der Vater ist sein Trainer, der Onkel sein Psychologe. Mit ein bisschen mehr Teamgeist könnte aus den Dreien jedoch noch eine richtige Mannschaft werden, die in Rio auch so auftritt. Sie könnten sich gegenseitig fordern, anstacheln und beflügeln.

Dazu muss nun der Verband Philipp Boy vom Weitermachen überzeugen, in der Gewissheit, dass so ein Jahrgang so schnell nicht wiederkommt. Mit Hambüchen, Boy und Nguyen wird selbst eine deutsche Meisterschaft zum Ereignis.

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