Sport : Silberpfeil mit Walfischflosse

McLaren-Mercedes testet sein neues Formel-1-Auto und hofft auf eine spannende WM

Hartmut Moheit

Berlin. Wie gerne würde Alexander Wurz wieder an einem Sonntag arbeiten. Wenn in der Formel 1 die Schlagzeilen geschrieben werden, ist der 29-Jährige aber nur Zuschauer. Wurz fährt vorher tausende Runden als Testfahrer für McLaren-Mercedes, meist am Limit, doch das interessiert kaum jemanden. „Mir fehlt das Rennfahren total“, sagt der Österreicher, aber er gewinnt seinem Job auch viel Positives ab: „Ich kann Sachen bewegen, die Leute hören auf mich – ich bin voll involviert.“

Gestern war für Wurz einer dieser besonderen Tage. Er durfte um 12.57 Uhr in Le Castellet in Frankreich die ersten Meter des neuen Silberpfeil „in freier Wildbahn“ (Wurz) zurücklegen. Eine so genannte Installationsrunde, nach der Wurz sagte: „Es läuft alles nach Plan.“ Für ihn war das „eine spannende Sache“, die diesmal viel mehr Leute interessierte als nur die Testcrew von McLaren-Mercedes. Mit dem MP4-18, wie der Bolide für Kimi Räikkönen und David Coulthard benannt wird, verbindet sich die Hoffnung, dass diese Formel-1-Saison vielleicht doch noch spannend wird. Die einseitigen Jahre 2000, 2001 und 2002, als Michael Schumacher im Ferrari die WM dominierte, hat bei McLaren-Mercedes Spuren hinterlassen. Das Team ließ sich Zeit mit der Entwicklung des neuen Autos.

Deshalb war Adrian Newey am vergangenen Wochenende nicht in Spielberg. Während auf dem A1-Ring der sechste WM-Lauf in der Formel 1 ausgefahren wurde, tüftelte der 44-jährige Engländer zu Hause in Woking weiter am neuen McLaren-Mercedes. Der Designer und Aerodynamiker hatte nur noch den Silberpfeil mit dem flossenförmigen Heckteil im Kopf. Was von der Wortwahl überhaupt nicht zusammenpassen mag, hatte sich bei den Tests im Windkanal der High-Tech-Fabrik als Sensation erwiesen. Nicht von einer Verbesserung um Tausendstelsekunden wurde vorab berichtet, es ging auch nicht um Zehntel, sondern um ein bis zwei Sekunden. Das sind in der Formel 1 Welten. „An den ersten Test eines neuen Wagens knüpfen sich immer Erwartungen sagte McLaren-Geschäftsführer Martin Whitmarsh. „Dieses Gefühl ist in diesem Jahr noch stärker, denn das Team erhofft sich diesmal einen deutlichen Schritt nach vorn.“

Gestern wurde das „schon von einem Laien erkennbare revolutionäre Model“ (Newey) nach Le Castellet geflogen, anschließend zusammengebaut, und dann war etwas ganz Besonderes zu sehen: ein Auto, das durch die Heckverkleidung in Form einer Walflosse und eine kürzere, niedrigere Fahrzeugnase auffällt. Dazu ist der neue Motor tiefer eingebaut als beim Vorjahres-Modell. Vielleicht wird das Auto am 29. Juni erstmals bei einem Grand Prix eingesetzt wird, beim Großen Preis von Europa auf dem Nürburgring. Dann ist wieder Sonntag – Alexander Wurz hat dann seine Arbeit getan.

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