Silverstone : Dauerregen stürzt Formel 1 ins Chaos

Wegen heftigen Regens musste das Qualifikationstraining zum Großen Preis von Großbritannien mehr als eineinhalb Stunden unterbrochen werden. Und das war nicht das einzige Wetterproblem des Wochenendes.

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Ist dieser Parkplatz noch frei? Michael Schumacher war während der Qualifikation mehrfach abseits der üblichen Pfade unterwegs. Foto: dapd
Ist dieser Parkplatz noch frei? Michael Schumacher war während der Qualifikation mehrfach abseits der üblichen Pfade unterwegs.Foto: dapd

Jude Law hob in der Boxengasse entschuldigend die Arme: „Tut mir leid, ich bin nicht für das Wetter verantwortlich!“ Der britische Schauspieler kennt die Unbill des heimischen Klimas, aber so etwas wie am Samstag hatte er auch noch nicht allzu oft gesehen: Wegen heftigen Regens musste das Qualifikationstraining zum Großen Preis von Großbritannien mehr als eineinhalb Stunden unterbrochen werden.

Das schaurige Wetter hat die Formel 1 an diesem Wochenende in Silverstone fest im Griff. Selbst Formel-1-Boss Bernie Ecclestone blieb nicht verschont. Als am Freitag das große Verkehrschaos ausbrach, bekam der Chauffeur seiner Limousine die Anweisung, es gar nicht mehr zu versuchen, bis zur Strecke durchzudringen – er drehte auf halbem Wege um. Andere, die an die Strecke mussten oder unbedingt wollten, brauchten für Strecken von etwa 20 Kilometern bis zu sechs Stunden, viele schafften es nicht mehr, auch nur einen Teil des Trainings zu sehen.

Die Park- und Campingplätze rund um den englischen Traditionskurs bestehen nur aus Wiesen, und die waren nach dem vielen englischen Regen in den letzten Wochen so durchnässt und matschig, dass sie geschlossen werden mussten. Ein vernünftiges Konzept, die Verkehrsströme eventuell zu weiter entfernten Ersatzparkmöglichkeiten umzuleiten, fehlte. Die verzweifelten Fans wurden hin- und hergeschickt oder warteten vor den verschlossenen Einfahrten, bis nichts mehr ging.

Ab Freitagabend leistete der Veranstalter dann den Offenbarungseid. Per Radio und Fernsehen wurden die Fans aufgefordert: „Bitte bleiben Sie zu Hause, auch wenn Sie schon Karten haben, aber öffentliche Parkplätze benutzen wollen.“ Denn von denen mussten auch am Samstag gut 40 000 gesperrt bleiben – noch hofft man, dass man sie dann am Rennsonntag vielleicht doch zur Verfügung haben könnte. Nach dem neuerlichen Wolkenbruch im Qualifying am Samstag erscheint dies mehr als zweifelhaft. Selbstverständlich gebe es für die daheim Gebliebenen auch eine Entschädigung, hieß es. Wobei allein die Rückerstattung der Ticketkosten für diejenigen, die am Freitag nicht mehr an die Strecke kamen, Silverstone schon mehr als 1,2 Millionen Euro kosten wird.

Aber auch wenn die Organisatoren um Verständnis und Geduld werben und betonen, man habe eben den nassesten Mai und Juni der Wetter-Geschichte erlebt und jetzt noch einmal unglaublich viel Regen – sehr gut kommen sie nicht davon. Weder in den britischen Medien, die von einem „Skandal“ und einer „großen Schande“ schreiben, noch im Formel-1-Zirkus selbst, der vom Chaos genauso betroffen war.

Einige Fahrer wie Daniel Ricciardo verpassten am Freitagmorgen beinahe ihren Dienstbeginn, und obwohl viele Teams ihre Werke zum Teil sehr nahe an der Strecke haben, kamen die Lieferungen neuer Teile nicht mehr rechtzeitig durch den Stau. Für den Samstagmorgen wurden bei vielen Teams neue Pläne mit furchtbar frühen Abfahrtszeiten ausgearbeitet, um neuem Ärger zu entgehen.

Bereits im Jahr 2000 gab es in Silverstone eine Riesen-Schlammschlacht um die Parkplätze, und auch in den Jahren danach tauchte das Problem immer wieder auf. Für den Umbau der Strecke und den Neubau des gesamten Boxenkomplexes wurden bis 2011 über 30 Millionen Euro investiert. Aber dass sich niemand bemüßigt fühlte, die Parkplatzwiesen zumindest durch Schotterflächen zu ersetzen oder wenigstens ein effektives Shuttle-System einzuführen, verwundert schon. Vor allem, das musste auch Jude Law zugeben, weil der Regen keine so große Seltenheit in England ist.

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