Silvio Heinevetter : „Hier ist alles lockerer und unverklemmter“

Handball-Nationaltorwart und Füchse-Neuzugang Silvio Heinevetter im Interview über Heimat, die ostdeutsche Mentalität und Berlin-Touren mit Stefan Kretzschmar.

238100_0_67950493.jpeg
Auf dem Sprung nach Berlin. Handball-Nationaltorwart Silvio Heinevetter, 24.Foto: Wende

Herr Heinevetter, Sie waren am Dienstag in Berlin, um Ihren Zweijahresvertrag bei den Füchsen zu unterschreiben. Haben Sie sich dabei auch gleich die Stadt noch ein bisschen angeschaut?

Ich hatte nicht so viel Zeit, ich musste ja zurück nach Magdeburg zum Training. Aber ich war schon ein paar Mal da, zum Shoppen und so, und kenne mich mittlerweile ein bisschen in Berlin aus. Ich werde mir das aber in jedem Fall noch alles in Ruhe angucken.

Ihr Sportdirektor Stefan Kretzschmar kann Ihnen vielleicht dabei helfen, er ist ja Berliner. Haben Sie mit ihm über Ihren Wechsel gesprochen?

Natürlich haben wir auch darüber geredet. Er weiß, welche Reize diese Stadt hat und was Magdeburg nicht hat. Ich war auch schon mal mit Stefan in Berlin.

Und sind mit ihm durch die Kneipen in Prenzlauer Berg gezogen?

Er hat mir ein bisschen was gezeigt, ich kenne ein paar Klubs und so. Was ich cool fand, war diese Pizzeria, da an der Schönefelder oder Schöneberger Allee.

Das „Due forni“ in der Schönhauser Allee?

Ja, diese Rockpizzeria, wo alle möglichen Rockstars ihre Autogramme an die Wand hauen.

Sie hatten auch ein Angebot des Spitzenklubs Rhein-Neckar Löwen aus Mannheim. Ihre Entscheidung für die Füchse haben Sie damit begründet, dass Sie sehr heimatverbunden sind und als Ossi lieber in der Region bleiben wollten. Als Sie am Dienstag in Berlin waren, haben Sie da schon ein Gefühl von Heimat verspürt?

Nein, Heimat noch nicht. Heimat ist ein bisschen was anderes. Leipzig, wo ich lange gelebt habe, Bad Langensalza, wo ich herkomme, Magdeburg mittlerweile auch – das ist Heimat. Aber ich meine das gar nicht so örtlich, sondern vor allem auf die Mentalität bezogen.

Welche Mentalität verbindet Leipzig, Bad Langensalza, Magdeburg und Berlin?

Das ist eben einfach was anderes, als wenn ich in den Süden oder hoch in den Norden gehe. Das kann man nicht in Worte fassen, ich denke, Sie wissen, was ich meine. In Berlin ist alles lockerer und unverklemmter. Ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl, und das hat sich dann im Laufe der Zeit bestätigt. Deswegen habe ich mich für Berlin entschieden.

Haben Sie mal die Mentalität in Mannheim vor Ort untersucht?

Nein, ich war nicht da. Das hätte von der Zeit her auch gar nicht gepasst.

Wie wichtig sind Mentalität und Umfeld, um gute Leistungen zu bringen?

Das kann ich schlecht beurteilen, weil ich noch nie in einer Stadt war, in der ich mich unwohl gefühlt habe. Außerdem bin ich auch Profi. Aber ich denke, es ist wichtig, dass man sich wohlfühlt, um gute Leistung zu bringen.

Sind Sie eher der Familientyp, der gern in der Nähe seiner Eltern bleibt?

Natürlich bin ich gerne zu Hause und freue mich, wenn meine Eltern oder Verwandte zu Besuch kommen. Aber ich bin schon relativ früh von zu Hause raus und selbstständig geworden, deswegen spielt das für mich nicht die vordergründige Rolle. Außerdem wohnen meine Eltern in der Nähe von Erfurt. Von Magdeburg nach Berlin ist es zwar nur eine Dreiviertelstunde mehr, aber Bad Langensalza ist natürlich trotzdem nicht gerade um die Ecke. Da kann man nicht mal so eben für einen halben Tag nach Hause fahren, da muss ich schon zwei Tage hintereinander frei haben.

Wie stellen Sie sich das Leben in Berlin vor?

Ich freue mich auf das Lebensgefühl. Darauf, dass dort viele Kulturen aufeinandertreffen und man viel voneinander mitkriegt. Und darauf, auch mal verschieden Essen zu gehen. In Magdeburg hat man jetzt nicht unbedingt die große Auswahl, um zum Beispiel zum Libanesen zu gehen.

Das Essen hat Sie nach Berlin gelockt?

Ich esse sehr gerne und auch gut, und das ist schon ein Grund, ja.

Wollen Sie lieber im Ost- oder im Westteil der Stadt leben?

Da habe ich mir noch gar keine Gedanken darüber gemacht – auch nicht, ob ich jetzt eher ruhig oder nicht so ruhig wohnen will. Damit beschäftige ich mich so im April oder Mai mal.

Was erwarten Sie sportlich? Sie wollen doch bestimmt im Europapokal spielen, oder?

Das ist auf jeden Fall ein Ziel. Wenn ich das nicht für realistisch halten würde, wäre ich nicht nach Berlin gegangen.

Auch andere Magdeburger Spieler werden mit Berlin in Verbindung gebracht. Rechtsaußen Christian Sprenger zum Beispiel.

Dazu kann ich nicht viel sagen, weil ich nicht involviert bin. Ich weiß nicht, was mit ihm wird.

Reden Sie nicht im Team darüber, welche Reize ein Wechsel nach Berlin hat?

Also, man diskutiert jetzt nicht in der Umkleidekabine darüber: Hey, Berlin ist cool, lass uns doch dahin wechseln. Im kleinen Kreis gibt es aber schon manchmal Gespräche.

Ein paar bekannte Kollegen würden Ihnen bestimmt dabei helfen, sich in Berlin schnell zu Hause fühlen.

Natürlich freut man sich immer, wenn man altbekannte Gesichter sieht. Aber ich kenne in Berlin ja auch schon ein paar Leute. Mit Rico Göde habe ich lange in Delitzsch zusammengespielt, Markus Richwien kenne ich auch. Das wird mir den Einstieg sicherlich erleichtern.

Das Gespräch führte Christian Hönicke.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben