Simon Ammann : Streit verleiht Flügel

Die Auseinandersetzung um seine Ski-Bindung macht Simon Ammann nur stärker: Der Skispringer triumphiert auf der Großschanze und wird zum erfolgreichsten Wintersportler der Schweiz

Gregor Derichs[Whistler]
Vancouver 2010 - Skispringen
Der doppelte Ammann. Der Schweizer Skispringer präsentiert stolz seine Goldmedaillen. -Foto: dpa

Whistler - Bronze, Silber – und jetzt endlich Gold: US-Skistar Bode Miller hat seine herausragende Karriere mit dem noch fehlenden Olympiasieg gekrönt. Nachdem der 32-Jährige vor vier Jahren in Turin leer ausgegangen war, holte er sich am Sonntag in Whistler schon seine dritte Medaille: Gold in der Super-Kombination. Beim Lauf des Exzentrikers im abschließenden Slalom stockte Fans und Betreuern diesmal nicht wie sonst der Atem – diesmal kam der US-Amerikaner, der stets extremes Risiko geht, sicher ins Ziel. Miller siegte 33/100 Sekunden vor Ivica Kostelic (Kroatien) und Silvan Zurbriggen aus der Schweiz – und ist jetzt einer der größten Stars dieser Spiele. Stephan Keppler aus Ebingen spielte als einziger deutsche Starter keine Rolle; er verpasste die Top 15.

Bei der Super-Kombination in Wengen vor fünf Wochen hatte sich Bode Miller erstmals seit fast zwei Jahren als Sieger eines Weltcup-Rennens zurückgemeldet. Der zweimalige Gesamtweltcupsieger und vierfache Weltmeister hatte in seiner Karriere bisher fast alles gewonnen, nun auch olympisches Gold. Vor vier Jahren hatten alle Experten einen Coup bei den Olympischen Spielen in Turin von ihm erwartet, aber Bode Miller glänzte mehr in der Disco als auf der Piste. Er fühlte sich vereinnahmt durch die Medien; diesmal ist er locker und mit viel Freude wieder auf der Piste dabei.

„Alles was ich vor Turin sagte, endete darin, dass ich fünf Medaillen gewinnen sollte“, sagte Bode Miller nach dem Slalom-Durchgang. „Ich war nicht mehr Herr meiner Entscheidungen. Man hatte mir die Freiheit genommen, zu sein, wer ich bin.“ Dass es zum Olympiasieg kommen würde, war noch im Sommer nicht abzusehen. Nicht mal wie es mit der Laufbahn weitergeht. Nach der enttäuschenden WM in Val d''Isère hatte Miller vorzeitig die Saison beendet, sich um seine Tochter gekümmert und es sich gut gehen lassen. Doch Olympia in der nordamerikanischen Heimat ließ er sich nicht entgehen und nach seiner Weltcup-Solotour kehrte er auch zum US-Team zurück.

Und auch in Whistler lief trotz dreier Medaillen nicht alles nach Plan. Ein Sturz im Slalomtraining fügte ihm Schmerzen zu, aber im Torlauf kann Miller auch Einmaliges schaffen. Eine Medaille am Samstag in dieser Disziplin würde ihn zum einzigen Alpin-Fahrer machen, der in allen fünf Kategorien Edelmetall gewann.

Für die Österreicher setzte sich die Niederlagen-Serie fort. Benjamin Raich kam nicht unter die besten Fünf.

Nach der Enttäuschung in der Abfahrt und dem Ausscheiden im Super-G kam Stephan Keppler auch mit der Kombination nicht gut zurecht. Schon vor dem Slalom, seiner schwächeren Disziplin, verspielte er als 24. in der Abfahrt alle Chancen auf eine gute Platzierung. An diesem Montag reist er nach Hause zurück. „Ich habe alles riskiert, aber bin wieder auf dem Hintern gelandet“, sagte der 27-Jährige. „Irgendwie bin ich mit dem Berg nicht zurecht gekommen.“ Er hatte seine ganzen Hoffnungen auf die Abfahrt gesetzt, seine eigentliche Stärke. Doch gerade in dieser Disziplin unterliefen dem Schwaben besonders viele Fehler. dpa

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