Sport : Simon Jentzsch Wie Wolfsburgs Torhüter das Spiel bei Bayer erlebte

Erik Eggers

Die Nachricht kam per Kurzmitteilung. Dass ihn Jürgen Klinsmann als dritten Torhüter für die bevorstehende Länderspielreise nach Asien nominierte, erfuhr Simon Jentzsch am Donnerstag von Freunden per SMS. Die Reaktion des 28-Jährigen fiel nüchtern aus, wie immer. Mit der gleichen Unaufgeregtheit startet Jentzsch das Bundesligaspiel in Leverkusen.

Als seine Mannschaft in der 4. Minute in Führung geht, jubelt er nur kurz. Dann geht er zu seinem Handtuch und trocknet seine Handschuhe ab. Aber in der ersten Halbzeit erwartet ihn wenig Arbeit, die beiden Innenverteidiger Schnoor und Quiroga haben Berbatow und Woronin gut im Griff. Oft marschiert er auf der Strafraumlinie hin und her, um nicht völlig auszukühlen. Aber wenn ihn die Leverkusener Offensive fordert, zeigt er Präsenz. Juans Kopfballverlängerung nach Ponte-Freistoß hält er sensationell, als er den Ball, am Boden liegend, noch blitzschnell um den Pfosten dreht. Auch den Schlenzer von Woronin aus 20 Metern wehrt er ab.

So perfekt die ersten 45 Minuten verlaufen, so furchtbar beginnt der zweite Abschnitt. Als Woronin nach Berbatow-Zuspiel allein auf ihn zustürmt, kommt er nicht rechtzeitig aus dem Tor, Woronin lupft den Ball aus zehn Metern über Jentzsch hinweg – nur 14 Sekunden nach Wiederanpfiff steht es 1:1. Das Hinauslaufen, überhaupt die Strafraumbeherrschung bei Standards wird ihm gemeinhin als Schwäche ausgelegt, doch in diesem Fall macht niemand dem Torhüter einen Vorwurf. Oft genug gleicht Jentzsch seine Fehler mit seiner Reaktionsfähigkeit auf der Linie aus – ganz wie der legendäre Peter Shilton, früherer englischer Nationaltorhüter und Jentzschs großes Vorbild.

Auch nach dem Ausgleich hält der Wolfsburger alles, was zu halten ist. Doch das 1:2 durch den Kopfball Francas kurz vor Schluss ist aber unhaltbar. Nach dem Schlusspfiff schleicht Jentzsch vom Rasen, nicht ohne seine Kollegen zu kritisieren. „Wir haben in den entscheidenden Momenten die Tore kassiert“, sagt er, „das darf nicht passieren.“ An ihm lag es nicht.

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