Simunic draussen : Bratwürste und Entschuldigungen

Nach dem Spiel gegen Bielefeld wird bei Hertha die Nichtberücksichtigung von Abwehrspieler Simunic diskutiert. Trainer Favre bedauert seine Entscheidung nicht.

Michael Rosentritt
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Gefeierter Zuschauer. Trainer Favre lacht, Simunic wird von Pantelic und Ebert umarmt (von links).Foto: Bernd Wende

Josip Simunic ist ein feiner Fußballer. Und das zeigte er auch. Die Zuschauern, die am Samstag zu Herthas ersten Saisonheimspiel gegen Bielefeld ins Olympiastadion gekommen waren, sahen dem schlaksigen Innenverteidiger dabei zu, wie er den Ball jonglierte. Linke Schulter, rechte Schulter, mit der Hacke und über den Kopf wieder nach vorn. Das Problem war, dass Simunic sein Können in der Halbzeitpause darbot. Für das Spiel selbst fanden seine Künste keine Berücksichtigung.

Eigentlich ist es nicht ungewöhnlich, dass sich ein Stammspieler mal auf der Ersatzbank wiederfindet – und eigentlich war es ein gutes Spiel, das Hertha ohne Simunic ablieferte. Am Ende aber stand ein 1:1 und eine Szene, die alles überlebte. Als Marko Pantelic die Führung für Hertha erzielt hatte, waren er und ein paar andere Spieler an die Seitenlinie gesprintet. Ihr Weg hatte die aufgeregte Gruppe vorbei an ihren Trainer Lucien Favre direkt in die Arme von Josip Simunic geführt. Dass wenig später auch noch Herthas Neuerwerb Kaka, der anstelle Simunic’ spielte, durch seinen schweren Fehler den Bielefelder Ausgleich einleitete, verlieh der Angelegenheit einen besonderen Dreh.

Nach dem Tor zum 1:0 lief Pantelic sofort zu Simunic

Nun hat es Hertha BSC bereits am zweiten Spieltag in die Schlagzeilen gebracht, allerdings nicht wie gewünscht. Mit einem Sieg über bezwingbare Ostwestfalen hätten die Berliner einen Traumstart hinlegen können. Herthas Präsident Werner Gegenbauer versuchte hinterher dem Spiel der vergebenen Chancen eine positive Grundnote zu verleihen. „Im Moment hat man den Eindruck, dass sie so viel Spaß haben, dass ihnen etwas die Zielstrebigkeit fehlt“, sagte er. Wie viel Spaß Herthas Spieler tatsächlich an diesem 1:1 hatten, fasste stellvertretend Patrick Ebert zusammen: „Vor einer Woche hat Joe 88 Prozent seiner Zweikämpfe gewonnen. Für mich und den Rest des Teams war es schon sehr verwunderlich, dass er nicht dabei war.“

Josip Simunic hat dem Verein seit seiner üppig dotierten Vertragsverlängerung vor zwei Jahren bis 2011 schon mehrfach Diskussionen eingebrockt. Bislang war er aktiv daran beteiligt. Etwa 2007, als er es auf vier Platzverweise brachte. Erst in diesem Frühjahr provozierte er mit einem kritischen Interview. Ihm täten die Hertha-Fans leid, weil sie „verarscht“ würden.
Tatsächlich hat Josip Simunic in der Zwischenzeit eine starke EM für Kroatien gespielt.

Trainer Favre begründet die Nichtberücksichtigung von Simunic mit Trainingsrückstand

Vor einer Woche bei Herthas Sieg in Frankfurt verlieh er der Defensive souveräne Stabilität. Sieben Tage später begründete Herthas Trainer die Nichtberücksichtigung des Nationalspielers mit „Trainingsrückstand“. Eine nachvollziehbare Argumentation geht anders. Klar ist dagegen, dass mit den brasilianischen Neuverpflichtungen (Kaka, Rodnei) die Konkurrenz in Herthas Innenverteidigung gewachsen ist. „Konkurrenz ist doch logisch. Wer hat heute keine Konkurrenz im Leben?“, sagte Favre. „Ich bedauere meine Entscheidung nicht.“

Josip Simunic selbst wollte sich gestern nicht äußern. Als der 30-Jährige vom Trainingsplatz kam, sagte er nur: „Kein Kommentar.“
Dafür aber sieht Herthas Trainer erheblichen Gesprächsbedarf mit Patrick Ebert. „Er darf das nicht machen“, sagte Favre über die kritischen Äußerungen des 21-jährigen Mittelfeldspielers. „Er hat sich bei mir entschuldigt und muss das jetzt noch vor der Mannschaft tun.“

Ebert muss sich entschuldigen

Eine Gelegenheit dazu bot sich schon am Nachmittag. Im Dorset-Haus, der früheren Offiziersmesse der Briten auf dem Gelände des Olympiastadions, traf sich die Mannschaft samt familiärem Anhang zu einer Kennenlern-Party mit Bratwurst und Ponyreiten – und Josip Simunic.

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