Sport : Singen gegen den Abstieg

Wie Energie Cottbus die sportliche Krise angeht

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von Karsten Doneck

Cottbus. Manches Gefühl lässt sich in einem Lied vielleicht besser ausdrücken als in langer Rede. Also druckte der FC Energie Cottbus in seinem Programmheft statt eines Vorworts auf Seite eins diesmal einfach einen Liedtext ab. Der Refrain lautet: „Steh auf, wenn du am Boden bist, steh auf, auch wenn du unten liegst, steh auf, es wird schon irgendwie weitergeh’n.“

Gesungen wird das Stück von den Toten Hosen. Das passt irgendwie. Der FC Energie Cottbus muss schließlich auch aufpassen, dass im Stadion der Freundschaft nicht bald tote Hose ist. Wenn die Mannschaft weiter so spielt wie am Sonnabend bei der 0:1-Niederlage gegen den SV Werder Bremen, dann sieht Eduard Geyer vielleicht nicht zu Unrecht tiefschwarz für die Zukunft der Lausitzer in der Bundesliga. „Wenn meine Spieler den Willen nicht aufbringen, sich zu 100 Prozent für die Mannschaft einzusetzen, dann kommt einfach zu wenig, um in der Bundesliga bestehen zu können“, sagt der Trainer des FC Energie.

Mit vier Punkten aus fünf Spielen nistet sich der FC Energie schon wieder im Tabellen-Souterrain ein. Da hilft vielleicht der Rat der Toten Hosen: Steh auf, wenn du am Boden bist. Und die Cottbuser Verantwortlichen schauen keineswegs nur fassungslos dem unergiebigen Treiben der eigenen Mannschaft zu, sie tun etwas. Nach US-Nationalspieler Gregg Berhalter, Teilnehmer an der WM 2002, soll in Kürze auch der deutsche Ex-Nationalspieler Paulo Rink ins Cottbuser Trikot schlüpfen. Rink, zuletzt arbeitslos, davor bei Bayer Leverkusen und dem 1. FC Nürnberg, erhält einen Vertrag bis 2003, hat aber noch nicht unterschrieben. Geyer warnt indes auch im Fall von Rinks Verpflichtung vor zu hohen Erwartungen: „Er hat drei Monate nicht gespielt, da fehlt ihm die Fitness.“ Kurzfristige Hilfe wäre von Rink also nicht zu erwarten, schon gar nicht am nächsten Sonnabend im Spiel beim FC Bayern. Geyer hofft vielmehr, dass „er in 14 Tagen so weit ist, das ich ihn einsetzen kann“.

Mit den Verpflichtungen von Berhalter und Rink weicht der FC Energie deutlich von seiner bisherigen Linie ab. „Der Fan muss wissen, woher wir gekommen sind und welche Möglichkeiten wir haben“, erinnerte Eduard Geyer im Programmheft noch mal an die von Bescheidenheit geprägten Cottbuser Verhältnisse. „Die großen, die namhaften Fußballer – die wollen doch gar nicht zu uns“, hatte sich Vereinspräsident Dieter Krein schon lange vorher mal über den Cottbuser Standortnachteil beklagt. In Zeiten der Kirch-Krise und der damit verbundenen zunehmenden Arbeitslosigkeit unter Fußballprofis hat sich offenbar ein Sinneswandel vollzogen. Plötzlich schauen selbst Nationalspieler schon mal auf der Landkarte nach, wo denn Cottbus nun eigentlich liegt, und lassen sich vom spröden Charme der Lausitz becircen. Siehe Paulo Rink.

Berhalter und Rink kosten keinerlei Ablöse, allerdings bergen ihre Verpflichtungen auch Risiken. Die Beiden gehören im Kader des FC Energie Cottbus zu den Besserverdienenden, das könnte bei den Arbeitskollegen Neid heraufbeschwören. Erst recht, wenn Gehalt und Leistung nicht im rechten Verhältnis stehen sollten.

Aber wie sagte doch Eduard Geyer nach dem 0:1 gegen Bremen? „Wir müssen ein paar Dinge verändern, denn so wird es schwierig für uns.“ Singen lernen allein reicht da nicht.

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