Sport : Sinkende Zuversicht

Bremens Vorsprung schmilzt auf sechs Punkte: 0:0 in Bochum

Richard Leipold

Bochum. Vor dem Spiel gegen Werder Bremen hatte der VfL Bochum die Blumenoffensive ausgegeben. „Bochum blüht blau- weiß“, lautete die Werbebotschaft. Auf dem Rasen des Ruhrstadions blühten allerdings vor allem die Spieler aus Bremen auf, doch sie trafen nicht. Beim 0:0 gegen die heimstarken Bochumer waren die Bremer zwar die überlegene Mannschaft, im Abschluss aber zeigten sie sich ganz und gar nicht meisterlich. „Es war ein recht ansehnliches Spiel“, sagte Mittelfeldspieler Fabian Ernst, „aber uns fehlen zwei Punkte.“ Der Vorsprung des SV Werder auf den FC Bayern ist nun auf sechs Punkte geschrumpft. Vier Runden vor Ultimo führen die Norddeutschen die Tabelle der Fußball-Bundesliga mit sechs Punkten Vorsprung an.

Obwohl sie zum zweiten Mal nacheinander nur 0:0 gespielt hatten, übten die Bremer sich in Zuversicht. „Wir können mit dem Ergebnis leben“, sagte Ernst. „Mit sechs Punkten Vorsprung im Rücken können wir ganz gelassen sein.“ Sein Vorgesetzter teilte diese Einschätzung und lobte die Werder-Elf mehr als nach einem Sieg. „Was die Mannschaft gezeigt hat, war Superklasse“, sagte Cheftrainer Thomas Schaaf. Diese Leistung lasse „für nächsten Samstag Gutes ahnen“. So sah es auch sein Bochumer Kollege Peter Neururer. Keine andere Spitzenmannschaft habe seiner Mannschaft im Ruhrstadion so zugesetzt wie Bremen. „Ich tippe auf Werder Bremen als Meister“, sagte der Trainer. Immerhin haben die Bremer seit Sonntag Platz drei sicher, was wiederum den Zweitligisten Alemannia Aachen freut. Der hat als Bremens Gegner im DFB-Pokalfinale nun einen Platz im Uefa-Cup sicher, weil Werder nun mindestens in der Champions-League-Qualifikation spielt.

Eine Viertelstunde lang hatten beide Parteien versucht, im Mittelfeld ihr Revier abzustecken. Vor allem die Bremer suchten ihren Vorteil im Angriff. Ailton hatte nach zwanzig Minuten schon mehr Torszenen als eine Woche zuvor gegen Hannover in der gesamten Partie. Doch sein Formtief scheint ihn verunsichert zu haben. Beim dritten Versuch ließ er Micoud den Vortritt; der Franzose brachte aber nur einen harmlosen Schuss zustande. Auf der Gegenseite hatten auch die Bochumer ihre Chancen, zumeist nach Kontern.

Im Vergleich zum torlosen Unentschieden gegen Hannover zeigten die Bremer sich deutlich verbessert. Die letzte gute Chance vor der Pause vergab Mittelfeldspieler Lisztes, der später mit Verdacht auf Kreuzbandriss ausschied. Nach einer halben Stunde kehrte im ausverkauften Ruhrstadion ein wenig Ruhe ein. Es war die Ruhe vor dem Sturm, der nach der Pause folgte. In der 52. Minute scheiterte Diabang an Reinke; im Gegenzug traf Ailton den Querbalken. Werder stürmte mit viel Mumm, aber ohne Fortune gegen das Bochumer Bollwerk an. Nach knapp einer Stunde vergab Ailton auch seine letzte Chance in diesem Spiel. Schaaf nahm ihn aus der Partie, weil er „nicht das Gefühl hatte, dass er noch ein Tor macht“. Als Ailton unter Protest den Platz verließ, feierten die VfL-Anhänger den Brasilianer wie ihren besten Abwehrspieler. Wie in den zurückliegenden Begegnungen versuchte Schaaf, die Offensive durch einen doppelten Stürmertausch zu stärken, doch es nutzte nichts.

Der VfL trotzte der Übermacht, konnte sich aber nur sporadisch befreien – so etwa als Hashemian fast von der Eckfahne das Außennetz traf. Zuvor war Borowski zum Kopfball gekommen, aber auch er wusste die Chance nicht zu nutzen. Werder wagte viel und gewann wenig. „Meine Mannschaft hat 99 Prozent geboten, das eine Prozent, das gefehlt hat, waren die Tore“, sagte Schaaf. „Der große Gewinner dieses Spiels waren die Zuschauer.“ Nach dem Schlusspfiff feierten die Fans beider Klubs ihre Spieler wie Sieger.

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