Sport : Sisyphos und der Wolfshügel

Benedikt Voigt

Es ist nicht überliefert, auf welchen Berg Sisyphos seinen Stein rollen musste, aber es könnte der Lykabettos gewesen sein. Dieser Wolfshügel, wie der Name übersetzt heißt, ragt 277 Meter hoch über Athen. Andere Besucher lernen ihn als wunderschönen Aussichtspunkt kennen, von dem aus man den besten Blick über die Stadt hat. Wir kennen ihn nur als nächtliche Plage.

Wir wohnen ungefähr auf Höhe der unteren Seilbahnstation, die den Besuchern das letzte Stück zum Panorama-Restaurant hinauf hilft. Jeden Abend gilt es, den größten Teil des Berges von der U-BahnStation Evangelismos aus zu bezwingen. Zwar hat Jan Ullrich gesagt, der Lykabettos sei überhaupt kein richtiger Berg, aber er durfte beim olympischen Straßenrennen für eine längere Steigung sein ultraleichtes Rennrad benutzen. Wir müssen gehen. Jan Ullrich schleppte auch keinen Laptop und keine Büchertasche auf den Wolfshügel.

Der Aufstieg beginnt sanft, doch nach 500 Metern wird der Weg steiler. Nach weiteren qualvollen 500 Metern mündet er in eine Klettertour, die aus zwei langen, steilen Treppen besteht. Wer oben angekommen ist, schwitzt wie ein Marathonläufer und benötigt dringend eine Dusche. In der Nacht zum Sonntag haben wir den Aufstieg erstmals ohne Schweißausbrüche vollbracht. In einem Taxi. Schließlich haben wir, anders als Sisyphos, nichts angestellt, wofür uns die Götter bestrafen müssten.

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