Sixdays in Berlin : Das Sechstagerennen soll umgebaut werden

Die Eigentümer des Sechstagerennens haben Änderungswünsche für 2017: Das Programm soll straffer und unterhaltsamer werden.

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Rundherum zufrieden. Die Belgier Kenny De Ketele (Mitte, vorne) und Moreno De Pauw (dahinter) gewannen vor den Berlinern Roger Kluge und Marcel Kalz.
Rundherum zufrieden. Die Belgier Kenny De Ketele (Mitte, vorne) und Moreno De Pauw (dahinter) gewannen vor den Berlinern Roger...Foto: dpa/Kumm

An der Dramaturgie, vor allem an deren Ende, müssen die Veranstalter des Berliner Sechstagerennens noch feilen. Dienstagnacht fuhren die Sieger Kenny De Ketele und Moreno De Pauw auf der Rückbank eines Wagens eine Ehrenrunde. Es war kurz nach Mitternacht, die beiden Belgier hatten sich zuvor sechs Abende und Nächte die Hintern wundgescheuert und in den letzten Runden einen Angriff der Berliner Roger Kluge und Marcel Kalz mit letzter Kraft abgewehrt. Sie winkten erschöpft in das Rund der Arena. Nur winkte kaum einer zurück.

Offenbar waren auch die Zuschauer erschöpft. Die meisten waren nämlich schon nach Hause gegangen. Dass kurz zuvor Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller davon gesprochen hatte, dieses Sechstagerennen habe eine Zukunft in Berlin, tröstete kaum über das traurige und unwürdige Ende dieser Veranstaltung hinweg.

„Vor allem das Publikum war brillant“

Zum 105. Mal ist in Berlin das Sechstagerennen zu Ende gegangen. Und schon allein dieser Fakt verpflichtet. Die Sixdays sollen im Gegensatz zu vielen anderen Sechstagerennen, jene etwa in Stuttgart oder München, nicht sterben. Sie sollen eine Zukunft haben, weil sie eine lange Vergangenheit haben. Und auch wenn das Ende verkorkst war, die Chancen stehen ganz gut, dass Bürgermeister Müller recht haben wird.

Für die Zukunft steht Mark Darbon. Der 37-Jährige ist der Geschäftsführer der Madison Sports Group, die seit wenigen Monaten Eigentümer des Berliner Sechstagerennens ist. Darbon sagte in der Nacht zu Mittwoch, dass er begeistert gewesen sei von der Veranstaltung. „Vor allem das Publikum war brillant“, beteuerte er trotz des Zuschauerschwunds zu später Stunde. Darbon sagte aber nicht, dass er ein paar konkrete Ideen hat, wie das Sechstagerennen noch besser werden kann.

Darbon ist sich der langen Geschichte des Berliner Sechstagerennens bewusst und will nicht zu laut hinausposaunen, was in Zukunft alles anders gemacht werden soll. Doch während dieser sechs Tage im Velodrom kristallisierte sich schon heraus, was ihm und seiner Madison Sports Group vorschwebt. Sie wollen zum einen künftig das Programm straffen.

Schon im nächsten Jahr dürfte es nach Mitternacht keine Siegerehrung mehr geben, die Rennen werden wohl früher zu Ende sein. Zum anderen soll die Unterhaltung unterhaltsamer werden. An dieser hakte es in den vergangenen Tagen an der einen oder anderen Stelle. So war die Musik zu Beginn stark übersteuert, die Lasershow entfaltete in der dafür viel zu hellen Halle kaum Wirkung. Die aus Kostengründen fehlenden Live-Acts konnten nicht kompensiert werden. „Wir wollen am Gesamtkonzept Veränderungen vornehmen. Ein Punkt ist sicher, dass wir Livemusik wieder in das Programm integrieren wollen“, sagte Reiner Schnorfeil, der die Rechte am Sechstagerennen vor wenigen Monaten an die Madison Sports Group verkauft hatte, aber weiterhin für die Vermarktung zuständig ist.

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105. Berliner Sechstagerennen im Velodrom

Der Sport begeistert immer noch

Am überzeugendsten war das Sechstagerennen dann, wenn die Bahnradfahrer, darunter Spitzenathleten wie Roger Kluge oder der diesjährige Sieger im Sprint, Robert Förstemann, sich mit voller Kraft in das 250 Meter lange Holzoval stürzten. „Wenn ich als begeisterter Radfahrer sehe, was die hier leisten, dann werde ich ganz kleinmütig“, sagte Michael Müller. Dass der Sport bei einer Sportveranstaltung funktioniert, ist für Darbon und seine Kollegen jedenfalls schon mal eine Grundlage, auf der sich gut arbeiten lässt. Martin Einsiedler

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