Sport : Skandal am Spielfeldrand

Die Affäre Möllemann erreicht den FC Schalke 04

Richard Leipold

Gelsenkirchen. Als die gemütliche Runde im Klubheim des FC Schalke 04 das Terrain des Sports verließ und der Name Jürgen Möllermann fiel, verfinsterte sich Rudi Assauers Miene. Sekunden zuvor hatte Schalkes Manager seinen Gesprächspartnern noch erlaubt, „alles fragen“ zu dürfen. Doch plötzlich tauchten heiklere Fragen auf als jene, wie lange Stürmer Emile Mpenza im Spiel gegen Nürnberg mitmachen darf. Ist der Politiker Möllemann als Aufsichtsratsmitglied des FC Schalke eine Belastung für den Klub?

Am Donnerstag war das Ultimatum abgelaufen, das die FDP dem Politiker gestellt hatte, der vor wenigen Tagen als Chef der Landtagsfraktion und des nordrhein-westfälischen Landesverbandes zurückgetreten war. Bis Donnerstag mittag, 12 Uhr, sollte Möllemann die Namen der Spender nennen, die jene 840 000 Euro gespendet hatten, mit denen der Politiker eine dubiose Postwurfsendung im Wahlkampf finanziert hatte. Assauer reagierte auf die Lage mit beißendem Spott: Er selbst habe sechshunderttausend Euro gespendet und der FC Schalke eine Million, witzelte er, ein Spendenaufruf an die Fans habe noch einmal fünfhunderttausend Euro erbracht. „Das wären mehr als zwei Millionen“, entgegnete ein Reporter. Spätestens jetzt war der Spaß vorbei. „Politik ist nicht unser Geschäft, die Geschichte Möllemann hat mit uns nichts zu tun", sagte Assauer. „Schalke ist keine politische Partei.“ Trotzdem, der Fußball-Manager verteidigte Möllemann und Schalke gegen Vorwürfe, die niemand erhoben hatte. „Alles was wir abgewickelt haben, ist nachprüfbar“, sagte Assauer. Der Klub lege auf Wunsch „alles offen“.

Gemeint ist der Transfer des Stürmers Victor Agali, der vor einem Jahr von Hansa Rostock zu Schalke kam. Daran hatte der Düsseldorfer Geschäftsmann Rolf Wegener mitgewirkt – „ein alter Freund“ Agalis, wie Assauer sagt. Wegener steht im Verdacht, Möllemann als Spender unterstützt zu haben. Zudem ermittelt die Staatsanwaltschaft, wie die „Wirtschaftswoche“ berichtet, gegen Wegener, weil der Unternehmer zehn Jahre lang einen Schwarzafrikaner für dreihundert Mark im Monat als Hausdiener beschäftigt haben soll. Der Butler soll auch für Möllemann gearbeitet haben.

Den Schalkern sind die Vorgänge peinlich. Nur zögerlich distanziert sich Assauer von Möllemann. „Es ist Zufall, daß er Aufsichtsratsmitglied ist.“ Möllemann müsse sehen, wie er sich wieder selbst befreie. Und dann: „Wenn er richtig Scheiße gebaut hat, fliegt er in Schalke raus."

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