Skandal im Handball : Das Vertrauen schwindet

Der THW Kiel rückt im Handball-Manipulationsskandal von seinem Geschäftsführer Schwenker ab.

Erik Eggers[Kiel]
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Viele Fragen, keine Antworten. Schwenker äußert sich gegenwärtig nicht mehr.Foto: dpa

Es gibt Bewegung in Kiel. Seit fünf Wochen stehen nun die schwerwiegenden Vorwürfe im Raum, der THW Kiel habe seit 2000 mindestens zehn Spiele in der Champions League mittels Schiedsrichterbestechung manipuliert. In dieser Zeit versuchten die Gremien des deutschen Handball-Rekordmeisters stets den Eindruck zu vermitteln, man stehe geschlossen hinter Geschäftsführer Uwe Schwenker, der im Zentrum der Anschuldigungen steht. Doch nun zeigen sich erste Risse. Der achtköpfige Beirat der THW Kiel Handball-Bundesliga GmbH & Co. KG hat die fünf THW-Gesellschafter laut „Kieler Nachrichten“ wegen der desaströsen Öffentlichkeitsarbeit kritisiert und sie dazu aufgefordert, wegen „Unregelmäßikeiten in der Buchführung“ neue Klubstrukturen zu schaffen: Schwenker soll ein Ko-Geschäftsführer für den kaufmännischen Part zur Seite gestellt werden. Man hoffe zwar, die Manipulationsvorwürfe stellten sich als haltlos heraus. Doch der Beirat hat allem Anschein nach das zuvor grenzenlose Vertrauen in Schwenker verloren. Am Freitag tagten die Gesellschafter rund eine Stunde lang ohne Schwenker und verständigten sich auf ein neues Treffen am Montag oder Dienstag. Georg Wegner, der als Baumeister der 1992 gegründeten GmbH gilt, bestätigte die Forderungen des Beirates. „Die möglichen Strukturänderungen betreffen sämtliche Gremien“, erklärte der Sprecher der Gesellschafter.

Die Wendung ist kein Zufall. Den geschockten Gesellschaftern wurde in der vergangenen Woche Akteneinsicht für das bei der Staatsanwaltschaft Kiel laufende Ermittlungsverfahren gewährt. Die Kieler Strafverfolger ermitteln gegen Schwenker wegen des Verdachts der Untreue und gegen den früheren THW- Coach Noka Serdarusic wegen des Verdachtes der Beihilfe zur Untreue. Eine Beurlaubung Schwenkers, der wie Serdarusic alle Vorwürfe bestreitet, scheint nun nicht mehr ausgeschlossen. Nicht undenkbar auch, dass der Beirat dem Geschäftsführer einen Rücktritt ans Herz legt, um so einen Neuanfang und Aufklärung zu ermöglichen.

Eine weitere Meldung erhöhte am Samstag noch den Druck. Laut „Spiegel“ soll noch Anfang März 2009 versucht worden sein, den Vater des THW-Profis Igor Anic, Zeljko Anic, zu einer Falschaussage anzustiften. Er soll gebeten worden sein, zu bestätigen, eine Zahlung von 36 000 Euro erhalten zu haben. Anic soll das abgelehnt und der Staatsanwaltschaft berichtet haben.

Kurz nach dem Champions-League- Sieg 2007 gegen Flensburg-Handewitt waren 36 000 Euro auf das Konto des Zagreber Geschäftsmanns Nenad Volarevic geflossen. Volarevic hatte diese Zahlung als Gebühr für die Vermittlung Anics im Sommer 2007 bezeichnet. Dabei hat der Freund Serdarusics bis heute keinen Profi an den THW vermittelt. Insgesamt, so berichtet der „Spiegel“ nun, soll der Champions-League-Sieg 2007 die Kieler rund 120 000 Euro gekostet haben. Das habe Schwenker am 30. Juli 2007 laut Zeugen auf der Finca von HSV-Präsident Andreas Rudolph auf Mallorca erklärt.

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