Skandal in England : Liverpools Suarez beißt Gegner

Nach dem Abschied von Mario Balotelli ist Luis Suárez der Skandalprofi in der englischen Premier League: Jetzt hat der Stürmerstar einen Gegenspieler gebissen. Wirft ihn Liverpool nun raus?

Der Dracula von Anfield: Liverpools Luis Suárez (rechts) soll seinen Gegenspieler Branislav Ivanovic im Spiel gegen Chelsea Mitte April gebissen haben.
Der Dracula von Anfield: Liverpools Luis Suárez (rechts) soll seinen Gegenspieler Branislav Ivanovic im Spiel gegen Chelsea Mitte...Foto: AFP

Nach seiner schockierenden Beiß-Attacke in Mike-Tyson-Manier hat Luis Suárez öffentlich um Verzeihung gebeten. Diesmal hatte es der zwischen Genie und Wahnsinn wandelnde Premier-League-Topscorer des FC Liverpool auf den Arm des entsetzten Chelsea-Verteidigers Branislav Ivanovic abgesehen. Suárez hatte versucht, Ivanovic in den Arm zu beißen und war dann von dem Serben weggedrückt worden. Der Referee hatte die Situation offenbar nicht gesehen - Suárez droht nun eine heftige Strafe durch den englischen Fußballverband. „Ich entschuldige mich bei Ivanovic und der ganzen Fußball-Welt für mein unverzeihliches Verhalten. Es tut mir so leid!!“, twitterte der 26-Jährige reuig nach dem 2:2 am Sonntag. Doch so leicht kommt er aus der Nummer nicht raus. Dem Skandalprofi droht eine satte Strafe vom englischen Fußballverband - und von den Reds womöglich der Rauswurf?

Liverpools Coach Brendan Rodgers stellte dem Wiederholungstäter am Sonntagabend jedenfalls keine Job-Garantie aus. „Die Standards in diesem Fußball-Club bestehen seit vielen Jahren und deswegen ist er zu dieser weltweiten Institution geworden.“ Rodgers machte deutlich: „Spieler sind immer ersetzbar, egal, für wie gut sie sich halten.“

Reds-Manager Ian Ayre musste wegen des Vorfalls extra eine Reise in den Fernen Osten und Australien absagen und erklärte in einem Statement auf der Homepage: „Ein solches Verhalten ist untragbar für einen Spieler, der das Liverpool-Trikot trägt.“ Suárez selbst twitterte noch, dass Ivanovic sein Sorry am Telefon angenommen habe und er von seinem Club eine Geldstraße für sein „inakzeptables Verhalten“ aufgebrummt bekommen habe. Diese will er für die Opfer-Familien der Hillsborough-Katastrophe spenden. Die englische Profifußballer-Organisation PFA bot ihm am Montag Anti-Aggressionstraining an.

Dabei schien Suárez gerade auf einem guten Weg: Erst in der Vorwoche gehörte er zu den Nominierten für den PFA Player of the Year Award in England - mit seinen bereits 23 Premier-League-Toren führt der spielstarke Angreifer die Torjägerliste vor Robin van Persie (21) an und ist in dieser Saison zu den weltbesten Stürmern zu zählen. Der frühere englische Nationalmannschaftskapitän Gary Lineker forderte nun, Suárez von der Nominierten-Liste zu streichen.

Schon in der Vorsaison hatte Suárez mit seiner rassistischen Beleidigung gegen Manchester Uniteds Patrice Evra dem FC Liverpool erheblichen Imageschaden beschert. Der Südamerikaner zeigte sich uneinsichtig, kassierte acht Spiele Sperre und sorgte beim ersten Wiedersehen mit Evra für den nächsten Eklat, als er dem dunkelhäutigen Franzosen den Handschlag verweigerte.

United-Trainer Alex Ferguson fluchte damals: „Als Club mit der Tradition des FC Liverpool würde ich Suàrez rausschmeißen. Ich würde es wirklich tun, er ist eine Schande für den Verein.“

Zumal Suárez schon mit einer skandalträchtigen Vita an die Anfield Road gewechselt war. Bei seinem vorigen Engagement für Ajax Amsterdam hatte er 2010 bereits einen Profi vom PSV Eindhoven in den Halsbereich gebissen. Konsequenz: Sieben Spiele Sperre und der Spitzname „Kannibale“ in den niederländischen Medien.

Englands Boulevard schimpft nun auch über den „Dracula“ und „Vampir“. Aktuell ermittelt zudem die FIFA gegen Suárez, weil der Hitzkopf im jüngsten WM-Qualifikationsspiel gegen Chile den Abwehrspieler Gonzalo Jara verdeckt ins Gesicht geboxt hat.

Und nun also dieses Spiel gegen Chelsea, das urtypisch das Genie und den wahnsinnigen Luis Suárez zeigte: Erst leistete er eine brillante Vorarbeit zum 1:1 durch Daniel Sturridge (52. Minute), dann verursachte er einen Handelfmeter (57.), biss unbeachtet vom Referee in den Arm des Serben Ivanovic und schließlich köpfte er zum umjubelten 2:2 in der siebten Minute der Nachspielzeit ein. Zumindest einen Fan hat Suárez trotz seines Aussetzers offenbar dazugewonnen: Der als Ohr-Beißer berüchtigte Ex-Boxer Mike Tyson klickte sich am Sonntagabend bei Twitter zum neuen Suárez-Follower. (dpa)

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