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Skandalöses Pokal-Aus von Melsungen : Kompliziert, unlogisch und überaus seltsam

Am Mittwochabend führte eine höchst umstrittene Regel zu einem der skandalösesten Handballspiele der letzten Jahre. Den Unparteiischen ist dabei jedoch kein Vorwurf zu machen. Ein Kommentar.

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Gerangel. Melsungens Timm Schneider (l.) setzt sich gegen Alexander Petersson (r.) von den Rhein-Neckar Löwen durch. Foto: dpa/Anspach
Gerangel. Melsungens Timm Schneider (l.) setzt sich gegen Alexander Petersson (r.) von den Rhein-Neckar Löwen durch.Foto: dpa/Anspach

Stellen Sie sich mal folgendes Szenario vor: In einer Sportart, sagen wir im Fußball, gibt es unterschiedliche Regelauslegungen für unterschiedliche Wettbewerbe. Sprich: Der Schiedsrichter muss die Vorschriften je nach Situation – Bundesliga- oder Pokalspiel? – zur Anwendung bringen. Klingt kompliziert, unlogisch und überaus seltsam, oder?

Im Handball hat genau dieser Umstand am Mittwochabend zu einem der skandalösesten Spiele der letzten Jahre geführt. Im Viertelfinale des DHB-Pokals zwischen den Rhein-Neckar Löwen und der MT Melsungen liefen beim Stand von 21:21 die letzten Sekunden, als der Melsunger Timm Schneider den Ball mitgehen ließ, um einen finalen und womöglich entscheidenden Angriff der Löwen zu unterbinden. Weil es sich dabei um eine grobe Unsportlichkeit handelte, gab es dank einer umstrittenen neuen Regel zusätzlich zu Schneiders Platzverweis noch Siebenmeter für die Löwen. Melsungens Pokal-Aus war damit besiegelt, die Empörung groß – und berechtigt. Der Klub bestätigte am Donnerstag seinen Einspruch gegen die Wertung der Partie.

Mit Logik ist nicht zu erklären, dass besagte Regel nur für Liga eins und zwei und eben nicht im Pokal gilt, in dem auch unterklassige Vereine starten. Entweder muss hier gleiches Recht für alle Teilnehmer herrschen, oder die vom Ansatz plausible und gut gemeinte Regel gehört umgehend abgeschafft. Den Unparteiischen, die ganz offensichtlich falsch entschieden hatten, ist jedenfalls kein Vorwurf zu machen. Wenn nicht mal ein erfahrenes Bundesliga-Gespann das Kuddelmuddel im Regelwerk versteht, ist das kein gutes Zeichen für eine Sportart, die seit Jahren um größere Aufmerksamkeit kämpft.

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