Sport : Skater-Marathon: Ausreißversuch gescheitert

Helen Ruwald

Am Ende waren die Ordner in Gefahr. Es waren nur noch Sekunden, bis die Speedskater zum Schlusssprint ansetzten und mit rund 50 Stundenkilometern auf die Ziellinie zurasten. "Bitte Ordner ganz an die Bande, da kommt ein Feld mit 80 Skatern und wird Sie umfahren", rief der Streckensprecher mehrmals ins Mikrofon. Die Ordner wichen zurück, und Männer in grellen Trikots und Helmen sausten mit waagrecht nach vorn gebeugten Oberkörpern heran. Nach 42,195 Kilometern entschieden am Ende Zentimeter über den Sieg. Der Franzose Arnaud Giquel gewann in 1:04:17,0 Stunde vor seinem zeitgleichen Landsmann Baptiste Grandgirard und dem Italiener Massimillano Presti. Giquel erhielt als Schnellster der rund 6100 Skater ein Preisgeld von 6300 Mark und baute seine Führung in der Grand-Prix-Serie aus.

Zum Thema Online Spezial: 28. Berlin-Marathon Dass die Ein-Stunden-Marke nicht, wie erhofft, geknackt wurde, lag an Taktik und vorübergehendem Nieselregen. "Es war ein bisschen rutschig, wir mussten Tempo rausnehmen. Es war ein taktisches Rennen mit einigen Ausreißversuchen", sagte Christoph Zschätzsch, der als bester Deutscher Fünfter wurde. Nach zehn Kilometern rissen der Kolumbianer Jorge Botero, der Franzose Tristan Loy und der Italiener Luca Crevenna aus und erarbeiteten sich einen Vorsprung von 20 Sekunden. Zehn Kilometer lang liefen sie zu dritt rund 150 Meter vor ihren Verfolgern her, ehe Crevenna zurückfiel.

Die Topskater sind wie Radsportler in Firmenteams organisiert, die einen genauen Plan austüfteln, um zu gewinnen. Crevennas Kollegen vom Team Fila, die sich zurückgehalten hatten, um den Ausreißversuch des Italieners zu unterstützen, griffen an, als er zurückfiel. Bei Kilometer 29 hatten sie das Spitzenduo eingeholt, dem die Kraft für den Endspurt fehlte. Nachdem die beiden 19 Kilometer, fast die Hälfte der Strecke, vorausgerast waren, reichte es nicht einmal für einen Platz auf dem Podest. Botero wurde Vierter, Loy landete nur auf Platz 42.

Achteinhalb Minuten nach den schnellsten Männern kamen die besten Frauen ins Ziel, in einem großen Pulk von Skatern. Gefeiert wurden sie erst mit Verspätung, weil auch der Streckensprecher sie nicht gleich identifizieren konnte. "Da waren die führenden Damen dabei, ich habe es gar nicht gemerkt", entschuldigte er sich. Die Spanierin Sheila Herrero gewann in 1:12:56,8 Stunde mit einer Zehntelsekunde Vorsprung vor Vorjahressiegerin Angèle Vaudan aus Frankreich und US-Amerikanerin Jessica Smith. Die 29-jährige Anne Titze, Deutschlands beste Speedskaterin über die Marathon-Distanz, wurde Sechste.

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