Sport : Skater überholen Elektromobil

Jörg Wenig

Am Sonntagabend konnte auch Stéphane Franke wieder lachen. Beim Berlin-Marathon auf Grund von Muskelproblemen eingebrochen und nach 2:16:59 Stunden enttäuscht im Ziel angekommen, traf er einige Stunden später den Star des Tages: Tegla Loroupe. Die Kenianerin war in neuer Weltbestzeit von 2:20:43 Stunden keine vier Minuten nach dem Berliner Lokalmatador vom SCC im Ziel. "Auf der Strecke hörte ich, die erste Frau kommt gleich - da dachte ich, oh, jetzt muss ich mich zusammenreißen, damit du mich nicht auch noch überholst", sagte Franke zu Loroupe.

Ein anderes ungleiches "Duell" endete dagegen mit einer Pleite für den "Favoriten". Sieger waren hier die drei schnellsten Skater. Sie überholten nämlich das Führungsfahrzeug! Den Skatern ging die Energie nicht aus - wohl aber dem Elektromobil des Marathon-Sponsors. Eine Berliner Rekordgeschwindigkeit von über 40 Stundenkilometern sowie eine Lautsprecheranlage auf dem Dach, das war zu viel für das Elektrogefährt. Noch andere Kuriosa bot der Berlin-Marathon, der gemessen an den Siegzeiten als hochkarätigster Marathonlauf aller Zeiten in die Leichtathletik-Geschichte einging. Mancher Läufer dürfte einen kleinen Schock erlitten haben, als er bei Kilometer 26 ein Plakat eines Sponsors über der Strecke sah: "20 km to go to Wilder Eber", stand dort geschrieben. Ganz so lang ist der Berlin-Marathon natürlich nicht. Das Banner hätte schlichtweg zehn Kilometer früher aufgehängt werden müssen. Davon erfuhr Cheforganisator Horst Milde, der an der Spitze im Auto mitfuhr, erst nach dem Rennen. Dafür erlebte er kurz vorher einen anderen Schrecken. Plötzlich war ein Reisebus auf der Strecke, unmittelbar vor dem Führungsfahrzeug. Nachdem die ersten Läufer immer näher zu diesem Hindernis rückten, wich das Gefährt zum Glück von der Strecke.

Freie Bahn hatten danach die Spitzenläufer. Und zum ersten Mal blieben mit Josephat Kiprono (Kenia/2:06:44) und Takayuki Inubushi (Japan/2:06:57) zwei Läufer in einem Rennen unter 2:07 Stunden. Insgesamt erreichten 23 070 Athleten das Ziel, darunter 19 224 Läufer und 3693 Skater. Die restlichen Teilnehmer waren Rollstuhlfahrer und Walker. Während es auch aus ärztlicher Sicht der erfreulichste Berlin-Marathon war - es gab keine ernsthaften Verletzungen und so wenig medizinische Fälle wie nie zuvor -, fehlte es im Ziel an etwas anderem: Dem Biersponsor ging das Getränk aus. Das gleiche passierte am Abend auch bei der Abschlussfête im Metropol. Hier wurde allerdings erfolgreich für Nachschub gesorgt. Kurios wirkte dort der Auftritt von Josephat Kiprono. Der Sieger hatte sich Blasen gelaufen und stand deswegen in Badelatschen auf der Bühne. Gestern konnte er allerdings schon wieder richtige Schuhe anziehen. Keine derartigen Probleme hatte Tegla Loroupe, die im nächsten Jahr bei den Olympischen Spielen Marathon laufen möchte und deswegen beim 27. Berlin-Marathon am 10. September nicht dabei sein kann. "Aber man weiß nie, was der kenianische Verband macht", sagt sie aus unliebsamen Erfahrungen heraus. "Wenn der mich nicht nominiert, dann bin ich wieder in Berlin."

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