Skeet-Schießen : Eine bombastische Medaille

Christine Brinker gewinnt bei widrigen äußeren Bedingungen die zweite Bronze-Medaille für den Deutschen Schützenbund. Mitfavoritin Sonja Pfeilschifter enttäuscht hingegen erneut.

Erik Eggers[Peking]
Peking 2008 - Schießen Christine Brinker
Den Durchblick behalten. Christine Brinker trotzt den widrigen Bedingungen und gewinnt Bronze im Skeet-Schießen.Foto: dpa

Es regnete heftig, es prasselte förmlich, und auch der Wind zog heftig durch die olympische Schießanlage. Das Licht war diffus im Westen Pekings, entsprechend mau die Sicht. Unglaubliche Bedingungen dafür, dass nun das Stechen in der Disziplin Skeet-Schießen anstand, aber der Zeitplan erlaubte eine Verschiebung nicht. Drei Frauen, die jeweils 93 Wurfscheiben nach vier Durchgängen getroffen hatten, kamen noch für die Goldmedaille in Frage: Christine Brinker aus Ibbenbüren, Chiara Cainero aus Italien und die US-Amerikanerin Kimberly Rhode.

Zwei Schüsse entschieden nun über Gold. Zuerst schoss Rhode. Der erste Schuss traf, der zweite nicht, der Regen prasselte unaufhörlich weiter, ihn interessierte das Stechen nicht. Dann wiederholte sich dieses Schussbild bei Brinker. Als die Italienerin schoss, staubte die Tonscheibe zweimal rot: getroffen, Cainero ist die Olympiasiegerin. Auch das folgende Stechen um Silber verlor Brinker. „Ich bin patschnass, alles klebt“, berichtet die Westfälin, aber sie strahlte. „Ich bin so froh über diese Medaille. Ich habe Bronze gewonnen, nicht Gold verloren.“

Die 26-Jährige war als Weltmeisterin nach Asien geflogen, sie galt als Favorit. Auch der Ort behagte ihr sichtlich. „Ich bin wirklich gern in Asien.“ Und dennoch war sie nervös, so nervös wie schon lange nicht mehr. „In den letzten zwei Tagen ging es mir nicht besonders gut. Die Aufregung bei mir war ziemlich groß“, gab sie zu. Aber sie behielt die Nerven. Sie schützte das Gewehr vor der Feuchtigkeit. Wenn ihr Sportgerät nass sei, bestehe die Gefahr, dass es sich anfühle, „als habe man einen Fisch in der Hand." Zum Glück entwischte er ihr nicht. „Ziel war es, das Finale zu erreichen. Jetzt ist eine Medaille dazu gekommen, das ist bombastisch.“ Es ist nach Bronze im Pistolenschießen der Frauen durch Munkhbayar Dorsjuren die zweite Medaille des Deutschen Schützenbundes in Peking.

Pfeilschifter scheitert erneut frühzeitig

Brinker bediente sich eines Mittels, das ihre Kollegin Sonja Pfeilschifter, die am Morgen im Dreistellungskampf als 17. erneut vorzeitig scheiterte und ihre tragische olympische Geschichte weiter schrieb, seit Jahren beharrlich verweigert: „Ich arbeite viel mit dem Teampsychologen zusammen.“ Das Problem, das sich stelle, sei nämlich dies: „Man sagt: Oh Gott, das sind die Olympischen Spiele. Am liebsten würde man auf der Hacke kehrt machen und weglaufen. Aber das wollten wir natürlich nicht. Wir haben uns ja qualifiziert, haben Jahre dafür gearbeitet.“ Es gehe nur um diese eine Sache: Man müsse die Dinge, wie sie lägen, ins Positive wenden. „Wenn man das schafft, dann hat man keine Angst mehr. Psychologie ist eine ganz wichtige Ebene im Schießsport.“

Als ihre Medaille schon um den Hals baumelte, sagte sie immer noch nur „wir“. Niemals „ich“. Brinker nämlich sieht dieses Edelmetall als ein Gemeinschaftsprojekt: Ihr Trainer Tino Wenzel ist gleichzeitig auch ihr Lebensgefährte. Brinker erzählte mit einem Lächeln, wie sie Wenzel, der ebenfalls in Peking startet, im Jahr 2000 auf einer Party in Ibbenbüren kennen lernte und er sie zum Schießen brachte. „Als er erzählt hat, er sei Schütze, habe ich gedacht: Wieso schießt Du denn? Dann sagte er noch: Tontauben. Da habe ich gedacht: Der hat einen an der Waffel.“

Doch sie flüchtete nicht und fand Interesse, als Wenzel ihr auf der Vereinsanlage des SSC Schale in die Geheimnisse dieser Disziplin einweihte. „Ich dann einfach mitgefahren und habe gedacht: Das ist ja doch ganz interessant und habe gesagt: Komm, zeig mir das mal.“ So beendete die Torhüterin ihre Fußballkarriere, und sie merkte schnell, dass sie Talent dafür hatte, die fliegenden Ziele präzise zu treffen. „Das hat sich rauskristallisiert, dass da irgendwas schlummert.“ 2003 gab sie ihre Job als Arzthelferin auf und ging zur Sportförderkompanie Warendorf, „seitdem ist es Schritt für Schritt vorangegangen. Und nun stehen wir hier.“ Fehlt eigentlich nur eines: Die Hochzeit. „Noch nicht“, lachte Brinker. Aber schon eine Minute später sprach sie von ihren „angehenden Schwiegereltern“.  Verräterische Worte.

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