Skeleton : Mit dem Kopf voraus zu Silber und Bronze

UPDATE Kerstin Szymkowiak und Anja Huber haben den größten Erfolg ihrer Karriere gefeiert und den deutschen Skeletonis die ersten Medaillen bei Olympischen Winterspielen beschert. Bei den Männern wurde Frank Rommel als bester Deutscher Siebter.

Gregor Derichs[Whistler]
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Doppelte Medaillenfreude. Kerstin Szymkowiak (l.) und Anja Huber. -Foto: dpa

Es gibt so Momente, in denen ein dritter Platz genauso viel Wert sein kann wie ein Zweiter. Jedenfalls für die Bronzenmedailliengewinnerin. Kerstin Szymkowiak gewann im Skelton Silber, doch nicht sie, sondern ihre Kollegin Anja Huber feierte am Ende des Wettbewerbs überschwänglich. „Ich bin so superglücklich, dass ich eine Medaille gewonnen habe“, sagte sie. Und natürlich freue sie sich auch für ihre deutsche Kollegin. Die 26-Jährige konnte immer noch nicht richtig fassen, dass sie, nur auf Platz fünf vor dem letzten von vier Läufen liegend, Bronze geholt hatte. Weil die Kanadierin Mellisa Hollingsworth von Rang zwei auf fünf zurückfiel und auch die US-Amerikanerin Noelle Pikus-Pace patzte, wurde die Europameisterin doch noch Olympia-Dritte geworden. Hinter Kerstin Szymkowiak. Beide Medaillengewerinnen teilen sich im olympischen Dorf sogar ein Zimmer.

Geteilte Freude war doppelte Freude am Freitagabend. Nacheinander sausten die deutschen Skeleton-Pilotinnen Kerstin Szymkowiak und Anja Huber ins Glück. Auf das Siegerpodest sprangen sie Seite an Seite, die WM-Zweite aus dem Hochsauerland und die Europameisterin aus Berchtesgaden. Auch die 32-jährige Szymkowiak hatte als Dritte nach dem dritten Lauf von der Schlingerfahrt der Mellisa Hollingsworth profitiert und wurde nur geschlagen von der starken Olympiasiegerin Amy Williams aus Großbritannien. Weltmeisterin Marion Trott aus Oberhof kam auf Rang acht. „Ich habe mich noch einmal aufgebäumt gegen mein fortschreitendes Alter und die fortschreitende Langsamkeit“, sagte Kerstin Szymkowiak im Scherz. Früher saß sie unter ihrem Mädchen-Namen Jürgens im Zweierbob von Sandra Kiriasis, die allerdings ohne sie 2006 in Turin die Goldmedaille gewann. Seit der Heirat einem Schweizer lebt sie in der Schweiz.

Skeleton-Piloten sind keine Großverdiener

Die Skeleton-Pilotinnen gehören nicht gerade zu den Großverdienern. Szymkowiak hat einen Teil der durch ihren Olympia-Aufenthalt entstehenden Unkosten durch den Verkauf von 100 Tassen zu je 35 Euro, die sie und ihren Schlitten „Ice Tiger“ zeigen, aufgebracht. „Ich muss ja relativ viel selbst finanzieren“, sagt sie. „Ich bin der deutschen Sporthilfe dankbar, die mir sehr unter die Arme gegriffen hat die letzten zwei Jahre. Ansonsten hätte ich wahrscheinlich aufgehört“, sagte sie. „Es ist enorm, was unsere Frauen im letzten Lauf aufgeholt haben“, sagte Thomas Schwab, Sportdirektor des Bob- und Schlittenverbandes Deutschland. Der Skeleton-Nationaltrainer habe „das Professionelle reingebracht und das Team geformt“. Und das war nicht immer einfach auf dem Weg nach Kanada. Die Medaillengewinnerinnen waren zu Saisonbeginn verletzt und mussten recht lange um ihre Teilnahme in Vancouver bangen. Nachdem Kerstin Szymkowiak den Olympia-Start 2002 im Bob wegen einer Verletzung verpasst hatte, wechselte sie eher durch Zufall die Sportart. „Das war nicht geplant, ich wurde einfach überredet, doch mal eine Fahrt im Skeleton zu machen”, erzählte sie nun in Kanada. „Aber diese erste Fahrt reichte, um mich zu überzeugen, dass es keinen Sport auf der Welt gibt, der faszinierender ist.”

Es war ein Wechsel in erfolgreichere Zeiten als Sportlerin. Gleich in ihrer ersten Skeleton-Saison 2002/2003 wurde Szymkowiak WM-Zehnte und startete im Weltcup. Für die Spiele in Turin wurde sie 2006 trotzdem nicht nominiert. Im Vorfeld der Winterspiele von Italien war es zu schweren Unstimmigkeiten im Verband gekommen, weil nicht sie, sondern schließlich Anja Huber nominiert wurde. Szykowiak hat das nun vergessen. Die Silbermedaille sei nun „eine schöne Belohnung für die ganzen Mühen“.

2006, bei den Winterspielen von Turin, wurde Huber übrigens dann nur Achte – seit Freitag ist auch das vergessen. Kerstin Szymkowiak und Antje Huber hatten in Whistler schließlich gemeinsam etwas zu feiern.

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