Ski Alpin : Borssen mit erstem Weltcuperfolg

Österreichs erfolgsverwöhnte Skirennfahrer feierten einen Doppelsieg und beweinten einen vergebenen Slalom-Coup, die Deutschen hingegen rutschten auf vereisten Pisten nur hinterher.

Semmering/Bormio/Italien - Während Michael Walchhofer im italienischen Bormio seine zweite Weltcup-Abfahrt innerhalb von 24 Stunden gewann und die Schwedin Therese Borssen beim Slalom in Semmering (Österreich) vom Pech der Lokalmatadorin Marlies Schild profitierte, verbuchte Fanny Chmelar (Partenkirchen) als 18. das beste deutsche Resultat. Die 21-Jährige lag am Freitagabend bei schwierigsten Verhältnissen stattliche 4,52 Sekunden zurück. Monika Bergmann-Schmuderer (Lam) sammelte als 24. noch Weltcup-Punkte.

Maria Riesch und Schwester Susanne (beide Partenkirchen) sowie die Lenggrieserin Annemarie Gerg als Siebtplatzierte des ersten Laufs schieden im zweiten Durchgang aus. "Das muss man einfach abhaken. Das Knie hat schon geschmerzt nach dem ersten Lauf", sagte Gerg, die vor einer Woche trotz eines maladen Kniegelenks als Zweite ihr bestes Weltcup-Resultat erreicht hatte. "Die Piste war miserabel, so etwas schadet unserem Sport", schimpfte Damen-Cheftrainer Mathias Berthold über die extrem eisige Strecke. Bei den Herren wurde Stephan Keppler (Ebingen) 27.

Fahrfehler kurz vor dem Ziel

15.000 Zuschauer beim Nachtslalom in Semmering waren zunächst begeistert und dann nur noch entsetzt. Österreichs Ski-Liebling Marlies Schild hatte ihren vierten Slalomsieg hintereinander schon vor Augen. Trotz fast anderthalb Sekunden Vorsprung bei der Zwischenzeit vergab die 25-Jährige jedoch mit einem Fahrfehler kurz vor dem Ziel den scheinbar sicheren Coup und brach in Tränen aus. So kam die Schwedin Borssen zu ihrem ersten Weltcuperfolg vor Kathrin Zettel (Österreich) und Schild, die sich jedoch mit der zurückeroberten Führung im Gesamtweltcup trösten konnte. Schild wäre die erste Fahrerin seit Anja Pärson vor drei Jahren gewesen, die Slaloms in Serie gewonnen hätte. Die Schwedin verzichtete wegen neuer Knieprobleme auf einen Start.

Michael Walchhofer schaffte ein Weltcup-Novum: Mit seinem zweiten Abfahrts-Sieg binnen 24 Stunden stellte der Olympia-Zweite nicht nur die Vormachtstellung der österreichischen Skirennfahrer wieder her, sondern war auch der Erste, der bereits zwei Doppel-Abfahrten im Weltcup für sich entschied. Dieses Kunststück war Walchhofer bereits am 18. und 19. Februar 2005 in Garmisch-Partenkirchen gelungen. "Noch vor zwei Tagen steckte ich in einer Krise, jetzt schwimme ich auf einer Erfolgswelle und habe heute Geschichte geschrieben", sagte er. Der Weltmeister von 2003 siegte vor dem Italiener Peter Fill und Mario Scheiber aus Österreich.

"Irgendwann wird es gut gehen"

Stephan Keppler aus Ebingen konnte nach mehreren Fehlern bei seiner unkontrollierten Fahrt einen Sturz nur knapp vermeiden und wurde 27. "Ich werde wieder alles riskieren, irgendwann wird es gut gehen und dann werde ich weiter vorne sein", sagte der 23-Jährige. "Stephan wollte einfach zu viel. Er braucht noch Erfahrung und Zeit", sagte Cheftrainer Werner Margreiter über Keppler. Johannes Stehle (Obermaiselstein), der am Donnerstag als 27. seine ersten Weltcup- Punkte eingefahren hatte, kam mit einem Rückstand von 2,72 Sekunden nur auf Rang 40.

Der Norweger Aksel Lund Svindal verteidigte mit Platz sechs hinter Bode Miller (USA) und Didier Cuche (Schweiz) die Führung im Gesamtweltcup vor Miller. In der Abfahrts-Wertung führt weiterhin der Schweizer Cuche vor Walchhofer. (Von Christian Kunz und Helen Scott-Smith, dpa)

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