SKI ALPIN : Die Freundin fährt davon

Die Amerikanerin Lindsey Vonn gewinnt auch die WM-Abfahrt, Maria Riesch landet nur auf Platz zehn. Als Alleinunterhalterin sollte sie den Deutschen endlich wieder Erfolgserlebnisse bescheren, doch sie ist dem Druck nicht gewachsen.

Jörg Köhle[Val d’Isere]
Maria Riesch
Maria Riesch: "Es ärgert mich, dass ich nicht so gefahren bin, wie ich es kann." -Foto: dpa

Als Lindsey Vonn am vergangenen Dienstag den Super-G der Weltmeisterschaften in Val d' Isère gewann, wedelte sie im Ziel mit ihrer sicherheitshalber schon mal vorgedruckten neuen Autogrammkarte. Darauf stand: „World Champion 2009 – Lindsey Vonn“. Kann sein, dass die Auflage nun ordentlich erhöht werden muss, denn die selbstbewusste Amerikanerin war auch gestern wieder schnell und holte ihren zweiten WM-Titel. Sie gewann auch die Abfahrt, diesmal vor der Schweizerin Lara Gut und der Italienerin Nadia Fanchini. Maria Riesch braucht sich vorerst keine Sorgen um neue Grußkarten zu machen, für sie endete die Schussfahrt vom Berg „La Solaise“ mit der nächsten Enttäuschung: Platz zehn, 2,11 Sekunden hinter Vonn.

Im Kampf um Edelmetall galt Vonns  24 Jahre alte Freundin Maria Riesch nur als Außenseiterin. Was sie maßlos ärgerte, war,  „dass ich meine Leistung einfach nicht abrufen kann“, schimpfte sie, „dass ich wieder nicht zeigen konnte, was ich eigentlich kann.“ Ein Fehler nach der zweiten Zwischenzeit, bei der sie nur 0,11 Sekunden hinter Lara Gut zurücklag, brachte sie von der Ideallinie ab, dann habe sie „mit Gewalt versucht, das auszubügeln“. Der Rhythmus ging völlig flöten. „Ich bin eigentlich keine Kurve mehr gefahren, wie wir sie besichtigt haben.“

Vor der WM gewann sie vier Slaloms in Serie

Langsam erhärtet sich der Eindruck, Maria Riesch sei im entscheidenden Moment dieses Winters dem Druck nicht gewachsen. Als Alleinunterhalterin sollte sie dem Deutschen Skiverband endlich wieder ein Erfolgserlebnis bescheren. Jene Nervenstärke, mit der Riesch vor Wochen vier Slaloms in Serie gewann, scheint verflogen. In der Kombination vergab sie die Medaille durch eine fürchterliche Slalom-Leistung leichtfertig. Das gestrige Resultat gefiel ihr auch nicht. „Es ist wurscht, ob man Vierte oder Zehnte wird“, sagte Riesch. Hier zählen nur Medaillen.

Die Trotzreaktion blieb aus

Die goldenen sammelt Lindsey Vonn. In ihrer Saisonentwicklung sind die beiden Freundinnen auseinandergedriftet. Riesch, um die Jahreswende noch Weltcup-Führende, beschließt die Speedwettbewerbe dieser WM mit den Plätzen acht und zehn, Vonn als zweifache Weltmeisterin. Dabei hätte man nach der Pleite in der Kombination mit einer Trotzreaktion von Maria Riesch gerechnet.

Gina Stechert fuhr nur auf Platz 26

Zumal auch das Wetter ein Einsehen hatte mit ihr, die Sonne rechtzeitig vor ihrem Start den Berg beleuchtete. Verhältnisse wie geschaffen für Maria Riesch. „Es hat alles gepasst, der Schnee war gut, die Sicht war gut“, sagt sie selbst, nur eben ihre Kurven nicht. Auch Gina Stechert aus Oberstdorf als zweite deutsche Starterin hatte unterwegs noch „ein ganz gutes Gefühl“, im Ziel aber nicht mehr. Als 26. von 32 Läuferinnen hängte sie nur noch sechs Kolleginnen ab, darunter zwei argentinische Schwestern.

Gina Stechert darf sich noch im Teamwettbewerb versuchen, für Maria Riesch stehen auch Riesen- und Spezialslalom auf dem Programm. Vor allem im letzten Wettbewerb hofft sie auf einen versöhnlichen Abschluss, denn „ich hätte es schon verdient“. Weil sie von sieben Slaloms der Saison vier gewonnen hat und sechs Mal auf dem Podest gestanden hat. Und wenn es trotzdem nicht klappt mit der WM-Medaille? „Dann geht die Sonne auch irgendwann wieder auf“, sagt Maria Riesch.

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