Ski alpin : Helden aus dem Pfarrkindergarten

Die Erfolge für die deutschen Alpin-Skirennfahrer mehren sich – doch es bleiben auch Defizite.

Benedikt Voigt
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Berlin - Es war das Ende der Achtzigerjahre in Garmisch-Partenkirchen, als der Sohn der Familie Neureuther-Mittermaier im Pfarrkindergarten St. Martin mit der ältesten Tochter der Nachbarsfamilie Riesch gespielt hat. „Der Felix war in der gleichen Gruppe wie die Maria“, erinnert sich der ehemalige Skirennläufer Christian Neureuther, „die Familie Riesch wohnt ja nur 500 Meter entfernt von uns.“ Inzwischen weiß man, dass damals im Kindergarten St. Martin die Zukunft des deutschen alpinen Skirennsports mit Bauklötzen hantiert hat.

Maria Riesch und Felix Neureuther sind die erfolgreiche Gegenwart des deutschen Skirennsports. Wobei die 24 Jahre alte Maria Riesch die deutlich stärkere ist, nach ihrem vierten Slalom-Sieg in Serie in Maribor führt sie mit 729 Punkten souverän den Gesamtweltcup an. Mit zehn Weltcupsiegen hat sie schon jetzt so viele Erfolge auf dem Konto wie die deutsche Ski-Heldin Rosi Mittermaier. Die Mutter von Felix Neureuther sagte der Münchner „Abendzeitung“: „Maria Riesch kann den Weltcup auf Jahre hinaus dominieren.“ Eine Aussage, die Wolfgang Maier nicht so gerne hört.

„Das sehe ich überhaupt nicht so“, sagt der Alpindirektor des Deutschen Skiverbandes, „es ist vermessen, so etwas zu sagen, es können viel zu viele Dinge passieren.“ Mit Schrecken erinnert er sich an die Olympiasaison 2006, als sich Maria Riesch und Hilde Gerg schwer verletzt hatten. „Dann ist nichts mehr mit dominieren“, sagt Wolfgang Maier.

Aber natürlich weiß auch der Alpinchef um die Rolle seiner erfolgreichsten Athletin. „Sie ist die Galionsfigur“, sagt Wolfgang Maier, „sie lenkt das öffentliche Interesse auf den Alpinen Skisport und davon profitieren alle, auch die in der zweiten oder dritten Reihe.“ Am vergangenen Wochenende konnten sich auch Kathrin Hölzl und Felix Neureuther auszeichnen mit dritten Plätzen in Maribor und Adelboden. „Die Leistung von Kathrin Hölzl ist nicht ungewöhnlich“, sagt Wolfgang Maier, „und auch bei Felix Neureuther war das kein Ausschlag nach oben.“ Eher, dürfte das im Umkehrschluss heißen, sind beide zuletzt unter ihren Möglichkeiten gefahren.

Die Erfolge des vergangenen Wochenendes blenden den Alpindirektor aber auch nicht. „Ich kann das schon realistisch einschätzen“, sagt Wolfgang Maier, „ich weiß, dass wir im Bereich Speed noch starken Nachholbedarf haben“, sagt er. So bietet der Deutsche Skiverband am Wochenende lediglich Maria Riesch und Gina Stechert für die Abfahrt in Zauchensee auf. „Das ist zu wenig“, sagt Wolfgang Maier. Bei den Herren ist die Situation noch schwieriger. Slalomspezialist Felix Neureuther ist Einzelkämpfer, im Training fehlt ihm der Vergleich mit starken Fahrern. „Es kommt noch nicht nachhaltig Nachwuchs“, sagt Wolfgang Maier, „das ist eine Scharte, an der wir arbeiten.“

Seine Abteilung muss seit der Finanzkrise des Deutschen Skiverbandes im November 2006 nach dem Auslaufen des RTL-Fernsehvertrages mit deutlich weniger Geld auskommen. Zwei Nachwuchsteams wurden aufgelöst, zwölf Trainer entlassen „und der Ski-Nationalmannschaft könnte das eine oder andere durchaus zustehen“, sagt Wolfgang Maier. Doch er will nicht klagen. „Wir müssen damit klar kommen“, sagt Wolfgang Maier, „wir haben gezeigt, dass wir auch so in der Lage sind guten Sport zu machen.“

Auch wieder am nächsten Wochenende, bei den Weltcuprennen in Zauchensee und Wengen? „Was soll der Schmarrn“, antwortet Wolfgang Maier. Der eigenwillige Alpinchef hat von Spekulationen jeder Art die Nase voll. „Natürlich kann Maria Riesch in der Superkombination unter die ersten Drei kommen“, sagt er, „aber sie muss am Wochenende nicht drei Mal gewinnen, sie soll einfach Spaß an ihrem Job haben.“ Für die Weltmeisterschaft in Garmisch-Partenkirchen 2011 sind die Aussichten jedenfalls gut. „Die Leute wollen bei einer WM im eigenen Land eigene Helden haben“, sagt WM-Organisator Christian Neureuther. Und zurzeit sieht es danach aus, als könnten die WM-Helden sogar aus dem ortseigenen Pfarrkindergarten kommen.

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