Ski alpin : Lara Gut: Siegen mit 17

Die 17-jährige Schweizerin Lara Gut ist die jüngste Siegerin im Super-G. Ein Porträt.

Frank Bachner
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Siegen für die Schweiz. Lara Gut.Foto: AFP

Berlin - Die schwarze Baseballkappe passte farblich hervorragend zu den langen blonden Haaren. Der Kameramann des Schweizer Fernsehens hatte die Kappe gut im Bild, als er vor kurzem ein Interview mit Lara Gut filmte. Die Marketingexperten der Raiffeisen-Bank Schweiz sahen das sichtlich zufrieden; so stellen sie sich das vor, immerhin ist die Bank persönlicher Sponsor der 17-Jährigen. Genau gesagt: So stellen sie sich das grundsätzlich vor, nur hätten sie gerne auch gesehen, dass auf der Kappe wie vereinbart das Logo ihres Unternehmens prangt. Doch das fehlte, und deshalb gab es ein deutliches Gespräch mit Lara Gut, dem neuen alpinen Ski-Star der Schweiz.

Die Logo-Präsenz ist inzwischen für den Sponsor sogar noch wichtiger geworden. Denn am Wochenende gewann Lara Gut aus Comano den Weltcup-Super-G in St. Moritz. Die jüngste Siegerin, die es im Super-G des Weltcups je gegeben hatte. Fast hätte sie im Februar 2008 auch die Abfahrt in St. Moritz gewonnen. Bis zum Zielhang hatte sie Bestzeit, dann ging ihr auf den letzten Metern der Ski auf, sie rutschte mit einem Ski durchs Ziel – und wurde noch Dritte. Ein Riesenerfolg bei ihrer ersten Weltcup-Abfahrt.

Ihren Hauptsponsor sollte sie allerdings bei Laune halten, denn er finanziert in erster Linie den sportlichen Auftritt der Lara Gut. Die Hip-Hop-Liebhaberin ist der weibliche Bode Miller des alpinen Weltcups: Sie reist mit einem Privatteam durch den Ski-Zirkus. Der Kontakt zum Schweizer Verband beschränkt sich aufs Nötigste. Vater Pauli ist in diesem Team Chef und Manager, sein Jugendfreund Mauro Pini fungiert als Cheftrainer, es gibt einen Konditionscoach und eine Physiotherapeutin und dazu noch Mutter Gabriella. Die ist für alles mögliche zuständig, unter anderem als Coach für ihren 13-jährigen Sohn Ian, der mal so gut werden soll wie seine Schwester.

Die Schwester passte nie so richtig in ein Team. Jedenfalls sah vor allem der Vater das so. Lara Gut rückte als 16-jährige Vize-Junioren-Weltmeisterin im Super-G in den A-Kader des Schweizer Verbands, doch Pauli Gut passte es nicht, dass „sich Lara den anderen anpassen musste“, und der Teamleitung ging es auf die Nerven, dass er immer dabei war.

Also beschloss Pauli Gut nach der Saison 2007/2008, dass seine Tochter ihren eigenen Weg geht. Der Verband nickte den Plan ab, und Pauli Gut kümmerte sich um Geldgeber. Immerhin benötigte er jährlich rund 300 000 Franken. Aber weil in der Schweiz nach einer langen Durststrecke alle von einem neuen nationalen Ski-Helden träumen, war die Sponsorensuche nicht allzu schwierig. Die Raiffeisenbank zahlt rund 200 000 Franken pro Jahr, ohne Prämien, Guts Ausrüster stellt einen Servicemann und einen Minibus. Außerdem gibt es zahlreiche kleinere Sponsoren.

Das Risiko ist allerdings groß. Wenn sie längere Zeit verletzt ausfällt, ist das Projekt in großer Gefahr. Andererseits sind die Verdienstmöglichkeiten durch Prämien enorm groß. „Lara hat eine unglaubliche Ski-Intelligenz“, sagt Hugues Ansermoz, der Cheftrainer der Schweizer Frauen. „Sie schaut einen Lauf an und weiß intuitiv, wo die schnellste Linie ist.“

Sie hat allerdings auch einen ausgeprägten Hang, für Verwirrung zu sorgen. Sie habe im Schweizer Team keine Vorbilder, hatte sie mal erklärt, sie orientiere sich lieber an ausländischen Fahrerinnen. Das kam in der Schweiz nicht so gut an. Aber vermutlich hält sie sich bloß an jenen Merksatz, den ihr Vater der kleinen Lara im Kinderzimmer aufgehängt hatte: „Bleibe stets du selbst.“

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