Ski alpin : Maria Riesch: Ende einer Krankengeschichte

Doppel-Olympiasiegerin Maria Höfl-Riesch war angeschlagen. In Cortina meldete sie sich mit einem zweiten und einem dritten Platz eindrucksvoll zurück.

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Sie fliegt wieder. Nach ihrer Krankheitspause erlebte Maria Höfl-Riesch in Cortina d’ Ampezzo ein erfolgreiches Wochenende.
Sie fliegt wieder. Nach ihrer Krankheitspause erlebte Maria Höfl-Riesch in Cortina d’ Ampezzo ein erfolgreiches Wochenende.Foto: REUTERS

Thomas Stauffer hatte sich gut positioniert, aber alles konnte er doch nicht sehen. Bei neun Kurven, sagt er, konnte er Maria Höfl-Riesch beobachten, „in denen ist sie gut gefahren“. Bei den restlichen 27 Kurven hatte der Frauenbundestrainer der alpinen Skifahrer sie aus den Augen verloren, aber da fuhr die 27-Jährige ebenfalls gut. Das war Stauffer und den Zuschauern klar, als die Doppelolympiasiegerin über die Ziellinie der Super-G-Strecke in Cortina d’Ampezzo raste. Nur Lindsey Vonn, die US-Amerikanerin, war schneller als Höfl-Riesch. Für die Frau aus Garmisch-Partenkirchen war es der fast perfekte Abschluss des Wochenendes in den Dolomiten. Am Samstag hatte die 27-Jährige Platz drei in der Abfahrt belegt. Ein fast perfektes Wochenende? „Für mich war es perfekt“, sagt Höfl-Riesch in Cortina. Für Viktoria Rebensburg war das Rennen gestern nicht perfekt, die Riesenslalomolympiasiegerin schied aus.

Ihren Bundestrainer hatte Höfl-Riesch gestern nicht überrascht. „Bei dieser Kurssetzung musste man mit dem Kopf fahren, man muss wissen, wie man die Schwünge am besten ansetzt. Das kann die Maria“, sagte Stauffer. Und wenn sie ganz gesund ist, „dann ist sie ja für den Sieg immer gut“.

Wenn sie gesund ist. Wolfgang Maier hatte Platz zwei und drei nicht unbedingt eingeplant. „Das Ergebnis war schon überraschend nach der Vorgeschichte“, sagte der Alpindirektor des Deutschen Ski-Verbands in Cortina. „Diese Platzierungen hat so keiner in der Kalkulation gehabt.“

Die Vorgeschichte ist ein Krankenbericht: Maria Höfl-Riesch hatte in den vergangenen Tagen einen grippalen Infekt, sie fühlte sich schlapp, die Abfahrt und den Super-G in Bad Kleinkirchheim am vergangenen Wochenende hatte sie ausgelassen. Ihre erste Weltcuppause seit der Saison 2005/2006. Aber es ging einfach nicht mehr. „Die vier, fünf Tage Pause hat sie gebraucht“, sagte Stauffer. Anfang Januar hatte sie sich noch stark erkältet beim Slalom in Zagreb die Piste heruntergequält. Im Finale war sie dann genau 18 Sekunden unterwegs, dann schied sie aus. „Man hatte schon in Zagreb gesehen, dass sie nicht gut drauf war“, sagt Stauffer. Am vergangenen Montag wurde sie untersucht, am Mittwoch stand sie wieder auf Ski.

Aber dieses Wochenende war auch wichtig für die Psyche. Maria Höfl-Riesch ist noch nicht in der Form der vergangenen Saison. In der vergangenen Saison hatte sie Mitte Januar neun Podestplätze erreicht, darunter drei Siege. Bis Cortina waren es in dieser Saison nur zwei Plätze auf dem Podest. Sie war krank, hatte sich im Dezember auch noch am Außenband verletzt, sie hatte Probleme mit ihrem Darm und deshalb mehrere Kilogramm abgenommen. Aber sie hat auch einen extremen Ehrgeiz, der sie treibt. Die Titelverteidigung im Gesamtweltcup, die ist nicht wirklich ein Thema, da ist sie realistisch genug, aber sie will zumindest in den restlichen Rennen vorne mitmischen. „Man muss nach großen Erfolgen auch kleine Krisen wegstecken können“, sagte sie in Cortina. „Vielleicht macht es einen nur stärker, wenn man sich daraus befreien will.“

Auf jeden Fall hatte sie eine kleine Schrecksekunde bei der Besichtigung am Donnerstag gut weggesteckt. Als sie auf eine Riesentafel starrte, auf der nicht bloß die Temperatur und die Uhrzeit, sondern auch das Datum stand – 12. Januar – da, sagt die Doppelolympiasiegerin, „hat es mich doch kurz geschockt“.

Am 12. Januar 2004 hatte sie ihren ersten Kreuzbandriss erlitten.

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