Ski alpin : Zeit für ganze große Siege

Seit zwei Jahren dominiert die US-Amerikanerin Lindsey Vonn die alpinen Skirennen – nur eine Medaille bei Olympischen Spielen fehlt ihr noch.

Benedikt Voigt[Val d’ Isere]
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Sprung nach vorn. Lindsey Vonn hat in Val d’ Isère die Superkombination vor ihrer Freundin Maria Riesch gewonnen. Foto: dpaEPA

Es liegt nicht an den eisigen Temperaturen von minus 13 Grad, dass es Lindsey Vonn am Mittwochmorgen im Zielraum von Val d’Isere eilig hat. Die blonde US-Amerikanerin steht am Fuße der von Apartment-Anlagen dominierten La-Daille-Abfahrt, packt ihre Rennutensilien in einen schwarzen Sack und fragt einen Betreuer: „Nimmst du meine Ski?“ Freundlich beantwortet sie noch zwei, drei Fragen, dann hetzt sie weiter. „Zum Slalomtraining“, erklärt sie.

Lindsey Vonn hat sich in diesem Winter einiges vorgenommen. Die 25 Jahre alte Skirennläuferin will zum dritten Mal in Folge den Gesamtweltcup gewinnen. Dabei duelliert sie sich mit ihrer deutschen Freundin Maria Riesch, die sie am vergangenen Wochenende als Spitzenreiterin der Gesamtweltcupwertung abgelöst hatte. Doch schon am gestrigen Freitag konnte Lindsey Vonn mit ihrem Sieg in der Superkombination in Val d’Isere in Frankreich mit Maria Riesch, die auf Platz zwei kam, gleichziehen. Beide stehen nun bei 521 Punkten.

Am Sonnabend in der Abfahrt und am Sonntag im Super G (Start jeweils um 11 Uhr, Liveübertragung im ZDF) kann sich Lindsey Vonn die alleinige Führung zurückerobern. „Es gibt in diesem Winter noch so viele Rennen, deshalb mache ich mir über die Führung im Gesamtweltcup keine Sorgen“, sagt Lindsey Vonn. „Ich war immer schnell in den Speed-Disziplinen und Maria war immer schnell in den technischen Disziplinen, deshalb ist es nichts Besonderes, wenn wir uns in der Führung abwechseln.“

Es gibt ohnehin ein noch bedeutenderes Ziel für Lindsey Vonn. „Am meisten will ich eine Medaille bei den Olympischen Spielen gewinnen, egal welche Farbe“, sagt sie. Noch ist ihr das nicht gelungen, in Turin landete sie 2006 nach einem Trainingssturz nur auf den hinteren Rängen. Im Februar in Vancouver aber zählt die dominierende Skirennläuferin der vergangenen zwei Jahre so deutlich zu den Favoriten, dass ihr bis zu fünf Medaillen zugetraut werden. Ein bisschen zu viel des Guten, wenn es nach Vonn geht.

„Das ist nicht realistisch für einen Alpin-Fahrer“, sagt Lindsey Vonn, „es gibt so viele Faktoren im Skirennsport, die ich nicht kontrollieren kann – Wind, Schnee, schlechte Sicht –, deshalb ist es schwer genug, überhaupt eine Medaille zu gewinnen.“ Doch die Erwartungen in ihrer Heimat sind vor den Olympischen Spielen im Nachbarland Kanada groß. „Der Druck ist da, aber ich konzentriere mich darauf, jeden Tag hart zu arbeiten und schnell Ski zu fahren“, sagt Lindsey Vonn.

Im Alter von drei Jahren hat sie mit dem Skifahren in Minnesota begonnen. Ihr Vater Alan Kildow, ein ehemaliger US-Juniorenmeister im Skirennfahren, erkannte ihr Talent, und zog zur besseren sportlichen Förderung seiner Tochter mit der gesamten Familie in den Wintersportort Vail. Bereits mit 15 Jahren fuhr sie bei den US-Abfahrtsmeisterschaften auf Platz zwei. Auf der Piste zeichnet Lindsey Vonn ihre große Aggressivität aus. Und manchmal auch abseits davon, weshalb sie schon zweimal ihren Führerschein abgeben musste.

Um für die Olympiasaison optimal gerüstet zu sein, ist sie im Sommer zur Skimarke ihrer Freundin und Konkurrentin Maria Riesch gewechselt. „Das war eine sportliche Entscheidung“, sagt sie, „Maria Riesch und Anja Pärson waren neben mir immer die Schnellsten im Weltcup, zudem ist es für mich wichtig, immer die innovativste Ausrüstung zu haben.“ Der Wechsel kam bei Maria Riesch nicht so gut an, die Deutsche befürchtete, in Zukunft von ihrem Ausrüster etwas vernachlässigt zu werden.

Der Freundschaft beider hat das allerdings keinen Abbruch getan. Auch in diesem Jahr werden Lindsey Vonn und ihr Ehemann, der ehemalige Skirennläufer Thomas Vonn, die Weihnachtsfeiertage wieder bei Familie Riesch in Garmisch-Partenkirchen verbringen. „Das ist längst zur Tradition geworden“, sagt Lindsey Vonn. Gegenwärtig deutet alles darauf hin, dass diese Weihnachtsgesellschaft sich knapp zwei Monate nach der offiziellen Bescherung noch einmal selber beschenken wird. Mit einigen olympischen Medaillen.

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