Ski-Langlauf : „Die Tour gewinnen“

Langlauftrainer Jochen Behle über die Ziele der Deutschen bei der Tour de Ski.

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Bundestrainer Jochen Behle. -Foto: ddp

Herr Behle, mit welchen Zielen starten die deutschen Langläufer heute in die zweite Auflage der Tour de Ski?

Bei den Herren machen wir gar keinen Hehl draus: Wir wollen den Titel verteidigen, den Tobias Angerer im letzten Jahr gewonnen hat. Ob ihm das gelingen wird oder vielleicht einem anderen deutschen Läufer, werden wir sehen.

Rene Sommerfeldt liegt im Weltcup auf Platz zehn, Axel Teichmann führt diese Wertung sogar an.

Hauptsächlich Axel Teichmann kommt neben Tobias Angerer noch für den Gesamtsieg in Frage. Aber es wird enger als im vergangenen Jahr. Die Sprintspezialisten erhalten in diesem Jahr höhere Zeitgutschriften, die Strecken sind verkürzt und weniger anspruchsvoll.

Im vergangenen Jahr konnte Axel Teichmann den gestürzten Tobias Angerer im Schneetreiben von Oberstdorf wieder an die Spitze heranführen. Hat das nicht gezeigt, dass Sie sich wie im Radsport für einen Teamkapitän entscheiden sollten?

Diese Aktion hat die Tour de Ski entschieden. Wenn Axel Teichmann nicht gewartet hätte, hätte Tobias Angerer zu viel Zeit verloren. Das war super von ihm, aber in diesem Jahr muss Axel Teichmann auf sicher selber schauen. Wir werden den Verlauf der Tour abwarten, und dann sehen, welche taktischen Maßnahmen wir ergreifen.

Wie lauten die Ziele bei den Frauen?

Dort ist die Situation klarer. Evi Sachenbacher-Stehle ist die stärkste, sie ist bisher konstant gut gelaufen, sowohl im klassischen Stil als auch im Skating. Sie gehört zu denen, die um die Podestplätze mitlaufen.

In diesem Jahr gibt es zwei Etappen mehr. Müssen Sie Ihre Läufer deshalb anders vorbereiten?

Die Distanzen sind geringer geworden. Die Verfolgung am 1. Januar ist auf 20 Kilometer verkürzt worden, deshalb kommen wir insgesamt auf eine ähnliche Kilometerzahl wie im letzten Jahr. Das werden die Läufer entsprechend verkraften.

Was halten Sie davon, dass Oberstdorf im Zuge der Finanzkrise des Deutschen Skiverbandes in diesem Jahr als Etappenort gestrichen worden ist und stattdessen zweimal in Nove Mesto gelaufen wird?

Das ist sehr traurig. Wir hätten uns gerne vor eigenem Publikum gezeigt. Jetzt fragt man sich, ob das noch eine Tour ist. Wir reisen eigentlich nur ein einziges Mal groß von Tschechien nach Italien. Ich hätte vom Internationalen Skiverband mehr erwartet. Man hätte das ja auch neu vergeben können.

Wird die Tour de Ski dadurch sportlich entwertet?

Die Tour bleibt das Highlight in diesem Winter. Die besten Läufer werden daran teilnehmen. Sicher wäre es mit einer deutschen Etappe besser gewesen – aber wir wollen die Tour trotzdem gewinnen.

Die Fragen stellte Benedikt Voigt.

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