Sport : Ski-Slalom in Aspen: Wo bei Martina Ertl der Spaß aufhört

Martina Ertl fährt weiter von Erfolg zu Erfolg und enteilt der Konkurrenz schon zum Auftakt der WM-Saison. Mit ihrem neuerlichen zweiten Platz beim Slalom von Aspen im US-Bundesstaat Colorado hat die Deutsche bei 346 Punkten ihren Vorsprung im Gesamt-Weltcup bereits auf 107 Zähler gegenüber Janica Kostelic ausgebaut. Nur der überragenden Kroatin musste sich die 27-Jährige geschlagen geben und sammelte am Wochenende nach dem vierten Super-G-Platz vom Freitag weiter ordentlich Punkte und bereits insgesamt 184 000 Mark Preisgeld. "Ich freue mich wahnsinnig über das Wochenende von Aspen", resümierte Martina Ertl. Den Gesamt-Weltcup erklärte sie jedoch zum Tabu-Thema: "Ich will darüber nicht reden. Das tut mir nicht gut." Als einzige Läuferin im alpinen Weltcup brachte sie überdies das Kunststück fertig, in jedem der fünf Rennen unter den besten Sieben zu landen.

Auf einem guten achten Rang kam Max Rauffer in der ersten Weltcup-Abfahrt in Lake Louise ein, obwohl er laut Coach Martin Oßwald in Kanada nur "einen Sicherheitslauf" ins Ziel brachte. Rauffers Potenzial sei noch nicht ausgeschöpft. Der Speed-Spezialist selbst erklärte: "Die Vorbereitung ist sehr wichtig gewesen. Ich habe die ganze Zeit schmerzfrei trainiert und mich besser gefühlt." Weitere Top-Ten-Platzierungen sollen folgen. "Ich will mir meine Startnummer in Zukunft selbst aussuchen, also unter die besten 15 kommen", erklärte Rauffer. Beugen musste er sich diesmal noch Österreichs Stefan Eberharter, der erstmals in seiner Karriere ganz oben auf dem Podest in der Königs-Disziplin vor dem Schweizer Silvio Beltrametti (Schweiz) und dem wieder erstarkten Norweger Lasse Kjus stand. Der 31-jährige Eberharter (195 Punkte) entriss dem völlig enttäuschenden Superstar Hermann Maier (176), der nur 15. wurde, zudem die Weltcupführung.

Während Rauffer seinen verheißungsvollen Einstieg gutem Training und einer Professionalisierung durch den neuen Trainerstab zuschrieb, glaubte Martina Ertl an einem unmittelbaren Zusammenhang zwischen ihrem verblüffenden Aufschwung und einer neu entdeckten Leichtigkeit: "Ich will zum Spaß Ski fahren, das hat mich aufs Podest gebracht", erklärte die einst vor Ehrgeiz verkrampfende Allrounderin. Wie zum Beweis ließ sie nach dem Zieldurchlauf die Stöcke in der Luft rotieren und strahlte über das ganze Gesicht, nachdem die BGS-Polizeimeisterin mit einem weiteren ihrer gefürchteten zweiten Durchgänge noch von Rang sechs aufs Stockerl gefahren war.

"Das German Ski-Team ist wieder etwas Positives dank Martina. Wir haben wieder ein höheres Selbstwertgefühl als im letzten Jahr", bilanzierte Frauen-Cheftrainer Wolfgang Maier, der allerdings auch selbstkritisch auf die Lücke hinter Ertl in den technischen Disziplinen verwies. Monika Bergmann (18.) sammelte noch Punkte, doch Stefanie Luckmaier (40.), Marina Huber (42.) und Simone Behringer (49.) schafften wie Stefanie Wolf und Annemarie Gerg (beide ausgeschieden) diesmal nicht das Finale. Wie die Kolleginnen hat für Maier aber selbst die starke Ertl ihre Möglichkeiten noch nicht ausgereizt: "Die Wettkampfleistung entspricht noch nicht ganz dem Training", befand der Trainer, der trotz des großartigen Einstiegs in den Winter eine Wertung am liebsten zum Tabu erklären würde: "Der Gesamtweltcup ist kein Thema. Die Saison ist noch zu lang. Den plant man nicht, der kommt zu einem."

Gut tat den Männern die erste Top-Ten-Platzierung der Saison, nachdem bisher nur Markus Eberle im Slalom einen 17. Rang herausgefahren hatte. "Es ist wichtig, dass wir uns von dem Kuchen auch ein Stück abschneiden", sagte der neue Chefcoach Martin Oßwald trotzig. Diesmal scheiterte zumindest die zweite Garde noch an den hohen Startnummern. Dennoch bescheinigte Oßwald ihr gute Leistungen.

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