Ski-WM : Debakel für Langläuferinnen - Kombinierer auf der Gewinnerbahn

Im Schnee-Sturm von Liberec erlebten die deutschen Langläuferinnen zum Auftakt der nordischen Ski-WM ein Debakel, die Kombinierer hingegen wahrten zur Halbzeit des Massenstart-Wettbewerbs ihre Medaillenchancen.

Zeller
Eine nachdenkliche Kathrin Zeller: Im Moment läuft es überhaupt nicht gut für die deutschen Damen bei den Ski-Weltmeisterschaften....Foto: dpa

LiberecIn der ersten von 20 WM-Entscheidungen über 10 Kilometer klassisch liefen Katrin Zeller als 18. und Stefanie Böhler als 32. der Konkurrenz um Weltmeisterin Aino Kaisa Saarinen am Donnerstag weit hinterher und sorgten für lange Gesichter im deutschen Lager.
"Ich brauche nicht herumzureden: Ich hatte mir mehr erwartet", sagte Böhler. Eine Krankheit vor drei Wochen hatte die Schwarzwälderin zu einer Zwangspause verurteilt. In der Kürze der Zeit konnte sie den Trainingsausfall nicht kompensieren. "Den Körper kann man nicht überlisten. Es wäre ein Wunder gewesen, wenn ich gleich topfit hier aufgelaufen wäre. Mit Gewalt ist eben nichts zu machen", erklärte Böhler, die vor allem über ihren Rückstand erschrocken war.

2:41 Minuten waren auch für den in der Kritik stehenden Damen-Trainer Ismo Hämäläinen des Guten zu viel. "Das war brutal viel Rückstand. Die Zeit hat nach der Krankheit einfach nicht gereicht", versuchte der Finne den Einbruch zu erklären. Da Zeller ebenfalls chancenlos durch den Schnee schob, musste Hämäläinen einräumen: "Es war nicht unser Tag. Auch Katrin hat mit 1:41 Minuten mindestens 40 Sekunden zu viel Rückstand."

Volle Konzentration auf die Doppel-Verfolgung

Sowohl Böhler als auch Zeller wollen den WM-Auftakt schnell vergessen. "Jetzt heißt es: abhaken und nach vorn schauen", meinte Zeller. Und Böhler kündigte an: "Wir müssen jetzt locker bleiben und beim nächsten Rennen wieder richtig Gas geben. Man kann ja nicht immer so herumschleichen."

Das ernüchternde Ergebnis dürfte die Position des Damentrainers nicht gerade stärken, nachdem er auf den Einsatz von Evi Sachenbacher-Stehle und Claudia Nystad verzichtet hatte. "Beide sollen sich voll auf die Doppel-Verfolgung am Samstag konzentrieren", verteidigte Hämäläinen seine Entscheidung.

Wesentlich erfolgreicher schlugen sich die Kombinierer im 10 Kilometer-Langlauf des erst- und letztmals ausgetragenen Massenstartrennens. Tino Edelmann kam als Zweiter hinter dem Amerikaner Todd Lodwick ins Ziel und verschaffte sich mit einem Rückstand von nur 1,3 Punkten eine blendende Ausgangsposition für das Springen von der Normalschanze am Abend (17:15 Uhr). Eric Frenzel als Achter, Ronny Ackermann als 16. und Björn Kircheisen als 17. erhielten sich ebenfalls Chancen auf Edelmetall.

Wind-Lotterie

"Alle vier sind ganz stark gelaufen", schwärmte Bundestrainer Hermann Weinbuch. Edelmann lieferte die beste Laufleistung seiner Karriere ab. "Wir hatten bei dem immer stärker werdenden Schneefall hervorragendes Material", meinte der Thüringer. Ackermann hielt nach seiner Erkrankung erstaunlich gut mit, dafür haderte Kircheisen: "Weglaufen war bei dem Schneefall nicht drin."

Das Winter-Wetter bereitet auch den Skispringerinnen vor ihrer WM-Premiere am Freitag (10:30 Uhr/ARD und Eurosport live) große Sorgen. "Mit dem Wind ist das in gewisser Weise ein Glücksspiel", sagte Anna Häfele am Donnerstag nach dem Abschlusstraining, bei dem sie zwischen Welt- und Kreisklasse schwebte. "Bei diesen Bedingungen ist es schwer, Prognosen für den Wettkampf abzugeben. Ich hoffe, dass die Springerinnen die Medaillen gewinnen, die am besten springen, und nicht die, die die besten Bedingungen haben", meinte Ulrike Gräßler.



Uhrmann wieder in Form

Ganz entspannt gab sich dagegen Martin Schmitt vor der WM-Entscheidung auf der Normalschanze am Samstag. "Ich fühle mich frisch und bin wieder heiß aufs Springen", sagte Schmitt nach dem ersten Training, bei dem er sich in allen drei Durchgängen in den Top Ten platzierte. Für neue Zuversicht sorgte auch Michael Uhrmann, der sich nach zweiwöchiger Krankheit mit der Bestweite im ersten Durchgang eindrucksvoll zurückmeldete. (hyc/dpa)

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