Ski-WM in Falun : Kombinierer Johanns Rydzek holt auch Bronze

Bei der Ski-WM in Schweden bleibt alles anders. Johannes Rydzek holt in der Kombination Bronze, Olympiasieger Eric Frenzel enttäuscht.

Lars Becker
Johannes Rydzek (links) feiert mit Sieger Bernhard Gruber seine Bronze-Medaille.
Johannes Rydzek (links) feiert mit Sieger Bernhard Gruber seine Bronze-Medaille.Foto: dpa

Johannes Rydzek kommen diese WM-Tage von Falun selbst wie ein kleines Märchen vor. Erst krönte er sich sensationell zum Einzel-Weltmeister, dann bescherte er dem deutschen Kombinierer-Team als famoser Schlussläufer das erste WM-Gold seit 28 Jahren. Am Donnerstag schließlich rang der Doppel-Weltmeister nach einer Aufholjagd von Platz 17 den Norweger Magnus Moan im Zielsprint des zweiten Einzelwettbewerbs nieder und holte Bronze. „Das ist alles wie im Traum, ich kann das gar nicht fassen. Nach zweimal Gold stehe ich wieder auf dem Podest. Das ist einfach genial“, sagte Rydzek kopfschüttelnd. Sein Bundestrainer Hermann Weinbuch lobte seine neue Führungsfigur: „Das Rennen von Johannes war allerfeinste Sahne, Bronze ist bei einer WM viel wert. Deutschland stand damit bei jedem WM-Rennen auf dem Stockerl.“
Genauer gesagt Rydzek. Mit drei Medaillen, davon zwei aus Gold, ist der große Verlierer der Olympischen Winterspiele von Sotschi der unbestrittene König der Winterzweikämpfer bei dieser Nordischen Ski-WM. Die vergangenen Tage haben das Leben des Oberstdorfers ziemlich verändert. „Es ist schon viel auf mich eingeprasselt, das Interesse war gigantisch“, sagte Rydzek. „Ich habe versucht, das Ganze nicht an mich ranzulassen und kühlen Kopf zu bewahren.“
Beim Springen am Vormittag gelang ihm das wegen des starken Seitenwindes zunächst nicht so perfekt. Nur als 17. mit 51 Sekunden auf den Sprungsieger Bernhard Gruber ging er in das 10-Kilometer-Rennen. Titelverteidiger Eric Frenzel schien mit 24 Sekunden Rückstand die wesentlich besseren Podestchancen zu haben. Doch alles kam anders als erwartet, wie immer bisher bei dieser WM. Im Verbund mit dem als stärksten Läufer geltenden Moan hatte Rydzek nach nur einem Kilometer schon Olympiasieger Frenzel eingeholt. In einer großen Gruppe, zu der auch Tino Edelmann gehörte, verfolgten Rydzek und Co. das Spitzentrio. Vor allem Rydzek und Moan gaben gewaltig Gas, überholten den drittplatzierten Franzosen Jason Lamy-Chappuis und lieferten sich schließlich einen dramatischen Schlussspurt um Bronze, der Österreicher Gruber gewann.


Johannes Rydzeks Laune ist auf einem konstanten Hoch. „Ich musste auf der Zielgerade so richtig kämpfen. Aber es hat sich gelohnt“, sagte der 23-Jährige, dem die drittbeste Laufzeit des gesamten Feldes gelang. Der entthronte und enttäuschte Titelverteidiger Eric Frenzel („Es ist alles anders als bei der WM vor zwei Jahren“) verlor am Ende sogar das Fotofinish um Platz neun gegen seinen Teamkollegen Edelmann. „Eric hat seine Form etwas verloren“, sagte Bundestrainer Weinbuch. Er will nun erstmal eine Nacht darüber schlafen bevor er entscheidet, wer am Samstag beim großen WM-Finale der Kombinierer als zweiter Deutscher im Teamsprint startet. Rydzek ist natürlich gesetzt. Er könnte mit der vierten Medaille und vielleicht seinem dritten Titel – beides hat noch nie ein Kombinierer bei einer WM geschafft – sein Märchen von Falun mit einem Happy-End krönen.

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