Ski-WM : Maria Höfl-Riesch holt Gold

Maria Höfl-Riesch hat Gold bei der Ski-WM geholt. Nach Rang vier in der Abfahrt fuhr sie im Slalom auf Platz eins vor Favoritin Tina Maze.

Elisabeth Schlammerl
Voll in Fahrt. Maria Riesch.
Voll in Fahrt. Maria Riesch.Foto: dpa

Mit einem Mal war Maria Höfl-Riesch nicht mehr zu halten. Sie riss die Arme in die Höhe, lief beschwingt um die Absperrung hinein in den Auslauf und drückte als Erstes Tina Maze aus Slowenien. Die ganze Verunsicherung, die Zweifel, die Sorgen – das alles war in diesem Augenblick verschwunden. Die 28-Jährige vom SC Partenkirchen gewann am Freitag bei der Ski-WM in Schladming die Goldmedaille in der Superkombination vor der großen Favoritin Maze und Nicole Hosp aus Österreich. „Das war ein richtiger Befreiungsschlag“, gab sie zu.

Die Doppel-Olympiasiegerin hat zwar in ihrer Karriere immer wieder bewiesen, dass sie Rückschläge gut wegstecken kann, aber dieses Mal hatten sich die Pannen gehäuft. Trotzdem hatte der Alpindirektor des Deutschen Skiverbandes, Wolfgang Maier, nach dem verkorksten Super G zu Beginn der Titelkämpfe gesagt: „Die darfst du nie abschreiben.“ Allerdings schwang da wohl mehr Hoffnung mit auf die erste WM-Medaille für das deutsche Team als Gewissheit. Maria Höfl-Riesch gab in den letzten Wochen nicht viel Anlass zur Zuversicht. In den vergangenen fünf Rennen vor der WM war sie dreimal ausgeschieden, darunter in den Slaloms von Flachau und Maribor. Einziger Lichtblick war ein vierter Platz im Riesenslalom zehn Tage vor WM-Beginn, ihr letzter Platz auf dem Podest lag bereits zwei Monate zurück. Ihr Ehemann Marcus Höfl hatte ihr deshalb immer wieder dazu geraten, die Hilfe eines Mentaltrainers in Anspruch zu nehmen. „Ich habe darüber nachgedacht, aber schließlich abgelehnt“, berichtete sie nach ihrem gestrigen Sieg. Sie hatte sich auch dieses Mal selbst aus der misslichen Lage befreien wollen. „Ich bin ganz überwältigt, dass es geklappt hat“, sagte sie.

Drei Tage zuvor schien Maria Höfl-Riesch noch am Tiefpunkt zu sein. Beim Super G musste sie unmittelbar nach dem schlimmen Sturz von Lindsey Vonn starten, mit der Gewissheit, dass sich die Freundin schwerer verletzt hatte. Sie kam womöglich auch deshalb nicht sehr weit, schied nach nicht einmal 20 Sekunden aus. Dazu kam ein Zwist mit dem Fernsehexperten Markus Wasmeier, der gegen sie gestichelt hatte. Das Ehepaar Höfl-Riesch gab dem Doppel-Olympiasieger per Twitter contra und befeuerte so das Thema zu WM-Beginn noch.

Im ersten Abfahrtstraining stand Maria Höfl-Riesch offensichtlich noch immer unter dem Eindruck des Vonn-Unfalls. Sie haderte mit der Piste, mit dem Wetter, mit dem Schnee. Aber am Donnerstag fuhr sie wie verwandelt, sie deutete im Abschlusstraining an, dass sie sich womöglich auch dieses Mal wieder herauskämpfen würde. „Meine Zuversicht ist größer geworden“, sagte sie.

In der Abfahrt, dem ersten Teil der Superkombination, präsentierte sie sich am Freitag so gut und sicher wie schon lange nicht mehr in der schnellsten alpinen Disziplin. Nur ein Fehler im unteren Teil warf sie etwas zurück. Trotzdem waren nur drei Läuferinnen ein Tick schneller als sie: Tina Maze, die Titelverteidigerin Anna Fenninger aus Österreich und deren Teamkollegin Elisabeth Görgl.

Maria Höfl-Riesch wirkte konzentriert und nervös, als sie am späten Vormittag schnell aus dem Skistadion von Schladming verschwand. Sie bereitete sich nicht wie die anderen Starterinnen an der WM-Piste auf den Slalomlauf vor, sondern fuhr mit dem Auto auf die ein paar Kilometer entfernte Reiteralm. „Da hatte ich einen Kurs für mich allein, und musste mir nicht mit allen anderen zwei Kurse teilen. Das war wichtig“, sagte sie.

Trotzdem hatte sie bei ihrer Fahrt durch die Slalomstangen im zweiten Teil des Wettbewerbs „nicht das beste Gefühl“. Sie fand, sie sei „zum Teil etwas zu konservativ“ unterwegs gewesen, „nicht mit der letzten Aggressivität“. Aber dafür taktisch klug. Maria Höfl-Riesch übernahm die Führung, nur noch Maze konnte ihr den zweiten WM-Titel nach dem im Slalom 2009 streitig machen. Die Slowenin begann angriffslustig, war aber vor allem im unteren, flacheren Abschnitt chancenlos. „Tina ist so stark, auch im Kopf. Ich bin stolz, dass ich sie geschlagen habe“, sagte Maria Höfl-Riesch.

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