Ski-WM : Riesch holt zum zweiten Mal Bronze

Maria Riesch holt trotz Krankheit Bronze in der Abfahrt. Lindsay Vonn wird mit Gehirnerschütterung Zweite hinter der Österreicherin Elisabeth Görgl.

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Trotz Erkältung holte Maria Riesch am Sonntag ihre zweite Bronzemedaille in der Abfahrt.Weitere Bilder anzeigen
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11.02.2011 10:22Trotz Erkältung holte Maria Riesch am Sonntag ihre zweite Bronzemedaille in der Abfahrt.

Es war ganz vernünftig, dass Maria Riesch nur von einem einzigen Blumenmädchen zur Siegerehrung in das Stadion am Fuße der Kandahar-Strecke geleitet wurde. So hatte sie die andere Hand frei, um sich beim Husten den Handschuh vor den Mund zu halten. Und das musste sie, während sie in ihren blauen Skischuhen dem Podest entgegenstapfte, häufiger als ihr lieb war. Dass sie diesen Weg überhaupt gehen durfte, war eine Leistung, die eigentlich mit mehr als nur einer Bronzemedaille belohnt werden müsste.

Gesundheitlich angeschlagen ist Maria Riesch in der Abfahrt der Frauen auf Platz drei gefahren. „Ich bin der glücklichste Mensch“, sagte die 26 Jahre alte Garmisch-Partenkirchnerin, „ich wusste zwar, dass die Leute eine Medaille von mir erwarten, aber ich habe nicht wirklich dran geglaubt.“ Weil ihr auf den letzten 400 Metern die Kraft ausging, musste sie der überragenden Österreicherin Elisabeth Görgl und der ebenfalls angeschlagenen US-Amerikanerin Lindsey Vonn auf dem Siegerpodest den Vortritt lassen. „Wenn man bei einer WM an den Start geht, braucht man nicht rumjammern“, sagte Maria Riesch, „ich habe beschlossen zu fahren und mich zusammenzureißen.“

Sechs Zehntelsekunden fehlten Maria Riesch am Ende auf Elisabeth Görgl, die zum ersten Mal in ihrer Karriere eine Abfahrt gewann und bereits im dritten Frauen-Rennen bei der WM den dritten österreichischen Sieg einfuhr. „Wir Mädels machen unsere Sache gut“, sagte die 29-Jährige. Sie selber kann sich nach ihrem Erfolg im Super G „Doppelweltmeisterin von Garmisch-Partenkirchen“ nennen, und das, obwohl ihre beste Disziplin, der Riesenslalom, erst noch kommt. Doch im Grunde hatte sie die WM-Hauptrolle schon inne, als sie bei der Eröffnungsfeier den WM-Song „Between heaven and hell“ zum Besten gab. Maria Rieschs Mutter Monika sagte: „Die Lizzy Görgl ist mit dem Liadl auf Wolke sieben raufg'sprungen und ist seitdem nicht mehr runterkommen.“ Gefühlt hatte sich die Österreicherin allerdings ganz anders. „Ich war angespannt, habe schlecht geschlafen und habe erst kurz vor dem Start lockergelassen.“ Dann aber zog sie die beste Linie aller Fahrerinnen in den Schnee.

Lindsey Vonns Vorbereitung auf das Rennen war noch seltsamer. Am Vorabend ging sie nicht zur Nummernauslosung, sondern blieb in einem dunklen Raum, um äußere Einflüsse fernzuhalten, vor ihren Rennen musste sie spezielle Gehirnerschütterungstests absolvieren: Acht Zahlen absteigend aufsagen oder sich einige Wörter für ein paar Minuten merken. „Das sind vielleicht komische Sachen, aber das ist richtig bei so einer Verletzung.“ Die US-Amerikanerin klagt seit einem schweren Sturz über Kopfschmerzen und Konzentrationsschwierigkeiten. Sie hat sich noch nicht entschieden, ob sie bei der WM weiterfahren will.

Am Freitag hatte sie sogar den Slalom in der Superkombination ausgelassen, doch viele hatten ihr Klagen als Larmoyanz empfunden und hinter ihren Beschwerden über die Pistenpräparierung eine Taktik vermutet. „Das war traurig für mich in den letzten Tagen, das war keine Show, ich hatte eine wirklich schlimme Verletzung“, sagte Lindsey Vonn, „ich habe das gemacht, was für mich richtig ist, damit ich heute gut fahren kann.“ Das ist ihr gelungen, sogar vom hellen Licht im unteren Teil ließ sie sich nicht so beeinträchtigen wie zuvor. „Ich habe zwar auf der Strecke gemerkt, dass ich noch nicht hundertprozentig fit bin“, sagte Vonn über die fünfte WM-Medaille ihrer Karriere. Deshalb habe sich „dieses Silber angefühlt wie Gold“.

Maria Riesch sah das genauso, und so kam es, dass am Abend auf der Medal Plaza im Kurpark drei Goldmedaillen verliehen wurden: eine reale und zwei virtuelle. „Das war eine Hammervorstellung von Maria Riesch“, sagte auch der deutsche Alpindirektor Wolfgang Maier, „da muss man äußersten Respekt zeigen.“ Zwei der drei vom Verband zum Ziel gesetzten Medaillen hat Maria Riesch schon gewonnen. „Das nimmt Druck weg, das wird eine entspannte nächste Woche“, sagte Maier. Zumal nun in den technischen Disziplinen auch Katrin Hölzl und Viktoria Rebensburg Medaillenchancen haben. Und Maria Riesch natürlich. „Gott sei Dank habe ich schon zwei Medaillen in der Tasche“, sagte sie, „wenn noch was geht, ist es schön, wenn nicht, war diese WM trotzdem erfolgreich für mich.“

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