Sport : Skibbe verschafft sich mit Erfolgen Respekt - und wandelt auf Hitzfelds Spuren

Für viele schien der Trainerstuhl zu wackeln, nun steht er fester denn je. Nach einem mit vielen negativen Schlagzeilen verbundenem lehrreichen ersten Jahr als Chefcoach bei Borussia Dortmund ist die Skepsis gegenüber Michael Skibbe in Respekt umgeschlagen. Angesichts des famosen Saisonstarts mit Platz eins in der Bundesliga und überzeugenden in der Champions League wähnen viele den jüngsten deutschen Profi-Trainer gar auf den Spuren von Ottmar Hitzfeld. Von solchen Vergleichen hält Skibbe bei allem Respekt vor den Leistungen seines erfolgreichen Kollegen jedoch wenig. "Ein solches Lob kann ich nicht annehmen. Ich gehe meinen eigenen Weg und versuche nicht, irgendetwas zu kopieren."

Sein Führungsstil sucht in der Bundesliga seinesgleichen. Mal verständnisvoller Kumpeltyp, mal entschlossener Chefcoach - der "sanfte Diktator" ("Kicker") blieb auch im Profifußball nach neun Jahren als Jugend- und Amateurtrainer seiner Linie treu. Namhafte Stars wie Thomas Häßler, Steffen Freund, Stéphane Chapuisat, Andreas Möller und Victor Ikpeba können davon ein Lied singen. Die einen suchten nach monatelangen Auseinandersetzung mit dem Bundesliga-Greenhorn das Weite, die anderen zahlten nach öffentlicher Trainerschelte zähneknirschend in die Mannschaftskasse ein.

Zweifel an der Durchsetzungsfähigkeit des 34 Jahre alten Fußball-Lehrers, der laut Schalke-Manager Rudi Assauer "schon als Trainer geboren wurde", hegt nach solch gewonnenen Machtproben niemand mehr. Selbst der harte Kern seiner Kritiker, der noch zu Saisonbeginn mit "Skibbe-Raus"-Rufen im Westfalenstadion für schlechte Stimmung sorgte, ist verstummt. Allein das Geschehen auf dem grünen Rasen dokumentiert seine gute Arbeit. Aus einer Ansammlung egoistischer Einzelgänger ist eine funktionierende Einheit geworden. Für BVB-Präsident Gerd Niebaum ein Verdienst von Skibbe: "Er hat die Mannschaft gut im Griff. Ihm gebührt großer Anteil am Aufwärtstrend der vergangenen Wochen."

Den überfälligen Umbau eines bequem gewordenen Starensembles betrieb der Bergmann-Sohn "kalt wie ein Sanierer in der freien Wirtschaft" ("Welt am Sonntag"), bei der Umstellung des antiquierten Spielsystems bewies er hohen taktischen Sachverstand. Was zählt ist der Verein, kein Einzelschicksal. Kühl beschreibt Skibbe seine Trainerphilosophie: "Zu viele Emotionen hindern einen Coach nur an den notwendigen Korrekturen."

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