Skilanglauf : Nystad läuft Staffel auf Platz zwei

UPDATE Mit einer unwiderstehlichen Attacke am letzten Anstieg hat Claudia Nystad den deutschen Langläuferinnen Olympia-Silber in der Staffel beschert. Gold holte sich Norwegen, Bronze ging an Finnland.

Gregor Derichs[Whistler]
Vancouver 2010 - Ski nordisch
Zu Silber gelaufen. Claudia Nystad bringt die deutsche Staffel auf Platz zwei ins Ziel. -Foto: dpa

Miriam Gössner hüpfte wie ein Gummiball im Zielraum auf und ab. Der Stadionsprecher rief: „Da kommt Marit Björgen aus Norwegen, die Königin von Vancouver. Sie holt ihr drittes Gold.“ Doch schon hinter der 29-Jährigen Dreifach-Olympiasiegerin war Claudia Nystad zu sehen. Die Teamsprint-Olympiasiegerin führte die deutsche Frauen-Staffel als Schlussläuferin im Olympic Parc von Whistler zur Silbermedaille vor Finnland. Während die drei Bayerinnen Kathrin Zeller, Evi Sachenbacher-Stehle und Miriam Gössner ihre überragend laufende Kollegin Claudia Nystad aus dem Erzgebirge mit hellen Jubelrufen in Empfang nahmen, stand Bundestrainer Jochen Behle am Rande des Geschehens und genoss die Szene mit purer Sachlichkeit.

„Es gibt nicht viel zu sagen. Das war so eingeplant“, kommentierte der Sauerländer Behle die vierte Medaille seiner Langläufer in Vancouver lachend. „Die Frauen waren super. Katrin hat eine tolle Leistung gebracht, Evi ist ein bisschen eingebrochen, Martina hat uns wie bei der WM in Liberec wieder rangebracht, und Claudia war einfach so perfekt, wie wir sie kennen.“ Seine Damen, die der 49-Jährige mit Zuckerbrot und Peitsche führt, verlängerten ihr Silber-Abo nach zweiten Plätzen bei der WM 2009 und bei Olympia 2006 in Turin. Bei Aprilwetter mit ständig wechselnden Bedingungen saßen die Langlauf-Techniker des Deutschen Skiverbandes (DSV) in ihren „Wachsbuden“ und drückten dem Frauen-Team die Daumen. Am Vortag bei der Männerstaffel hatte Axel Teichmann als zweiter Läufer die entscheidenden Sekunden verloren, weil seine Ski nicht griffen. Diesmal lief es deutlich besser.

Startläuferin Zeller überzeugt

Katrin Zeller (Oberstdorf) hielt als Startläuferin hervorragend mit. Nur sechs Sekunden verlor sie auf die führenden Staffeln aus Schweden und Norwegen. „Besser ging es nicht“, sagte die 30-Jährige, der Behle nach dem Einzelrennen in der ersten Woche vorgehalten hatte, von ihr müsse mehr kommen. Zeller schilderte, dass alle Läuferinnen sehr nervös waren vor dem Start. „Jede war nur mit sich selbst beschäftigt“, sagte sie. Das sonst oft übliche gemeinsame Einschwören auf einen Medaillenplatz fiel aus. Nach ihr musste Teamsprint-Olymiasiegerin Evi Sachenbacher-Stehle (Reit im Winkl) als Zweite die 5-Kilometer-Strecke ebenfalls im klassischen Stil zurücklegen. Vorne setzte sich mit Polen, Italien und Norwegen ein Trio ab, Sachenbacher verlor als Sechste 28,6 Sekunden auf die Spitze. „Zuerst ging es noch, dann wurde es sehr zäh. Ich musste an den Anstiegen furchtbar schieben“, sagte die 29-Jährige. Ihre Ski liefen nicht richtig, das Wetter war umgeschlagen. Nachdem zunächst die Sonne geschienen hatte, setzte plötzlich Schneeregen ein.

Mirian Gössner (Garmisch-Partenkirchen), eine Biathletin, die wie Doppel-Olympiasiegerin Magdalena Neuner auch eine herausragende Langläuferin ist, führte das Team in der Skating-Technik wieder in Medaillennähe. Als die 19-Jährige ihre beiden Runden beendete, war Norwegen zusammen mit Italien vorne, mit 16 Sekunden Rückstand folgte die deutsche Staffel zusammen mit Frankreich und Schweden. „Ich habe mich super gefühlt. Ich hoffe, meine Leistung reicht, dass wir eine Medaille holen“, sagte die Gössner. Sie übergab an Claudia Nystad (Oberwiesenthal), die sofort Druck machte und zur Italienerin Salbina Valbusa auflief. Dann setzte Nystad zur entscheidenen Attacke an und löste sich von ihren Gegnerinnen aus Finnland, Schweden, Polen und Frankreich. Nur Marit Björgen war nicht mehr einzuholen.

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