Skisport : Maria Riesch - Die Unkalkulierbare

Nach acht Jahren ohne deutsche Einzelmedaille trägt Maria Riesch die Hoffnungen bei der Ski-WM.

Frank Bachner
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Auf Kante gefahren. Maria Riesch ist nach wechselhaften Ergebnissen noch auf der Suche nach der richtigen Linie. -Foto: ddp

BerlinWo gefeiert wird, steht schon fest. Auf dem Richard-Strauss-Platz, mitten in Garmisch-Partenkirchen. Und die Musikkapelle Partenkirchen steht auch bereit, sie würde groß aufspielen bei der Triumphfeier. Bleibt nur noch die kleine Frage, welche Medaille von Maria Riesch sie feiern werden. Dass sie eine Medaille gewinnen wird bei der heute beginnenden Alpinen Ski-WM in Val d’Isere, das steht fast schon fest. Jedenfalls reden alle so. Martina Ertl-Renz, die Kombinations-Weltmeisterin von 2001, verkündet: „Eine Medaille ist von Maria auf jeden Fall zu erwarten.“ Und Wolfgang Maier, der Alpin-Direktor des Deutschen Skiverbands (DSV), sagt: „Die Hauptlast wird bei der Maria liegen.“ Maier muss mit eine Medaille zurückkommen, das ist DSV-Vorgabe. „Es ist mein großes Ziel, dass ich eine Medaille gewinnen“, sagt auch Maria Riesch gegenüber der deutschen Presseagentur.

Es lastet also ein enormer Druck auf der zehnmaligen Weltcup-Siegerin. Zudem ist es die erste WM, bei der sie Medaillenkandidatin ist. In der Theorie ist also alles klar. In der Praxis lautet die große Frage: Hält sie diesem Druck stand? Sie landete zuletzt in Garmisch-Partenkirchen im Slalom auf Platz zwei und im Super G auf Rang fünf, aber sie gibt auch zu: „Mir haben noch ein bisschen die Sicherheit und das hundertprozentige Vertrauen gefehlt.“ Maria Riesch ist derzeit unkalkulierbar. Bis vergangenen Sonntag kam sie nur bei einem von drei Super-G-Rennen ins Ziel, im Slalom aber gewann sie viermal in Folge. Dann scheiterte sie beim Super G in Cortina d’Ampezzo fast schon amateurhaft durch einen Innenski-Fehler.

Ihre größten Medaillenchancen hat sie bei der WM im Slalom und in der Kombination, zweifellos. Die Abfahrtsstrecke liegt ihr nicht so sehr, weil der untere Waldteil sehr schwierig ist. „Die Piste ist nicht unbedingt nach meinem Geschmack“, sagt sie.

Beim DSV setzen sie auf die 24-Jährige, sie soll eine schwarze Serie beenden. Die letzte WM-Einzelmedaille gewann der DSV 2001, es war das Kombinations-Gold von Martina Ertl-Renz. Die Funktionäre müssen auch vor allem auf Maria Riesch setzen, weil alle anderen deutschen Frauen so gut wie keine Medaillenchancen besitzen.

Natürlich setzen sie auch auf Felix Neureuther, den Weltklasse-Slalomfahrer. „Er hat noch die Chance auf eine Medaille“, sagt Wolfgang Maier. Da war Neureuther bei seinem Heimatrennen gerade zum vierten Mal in Serie ausgeschieden. Medaille? Für Neureuther? Ja, selbstverständlich. Neureuther kann ganz nach vorne fahren, er muss nur durchkommen. In Adelboden, beim letzten Slalom, den er auch vollendete, fuhr er von Platz 15 nach dem ersten Lauf noch auf Rang drei.

Der 24-Jährige fährt betont aggressiv, das macht ihn schnell, erhöht aber auch das Risiko. Nur hat er zuletzt ein bisschen viel riskiert, in acht Slalom-Weltcups kam er nur zwei Mal ins Ziel. Als Strafe für diese Bilanz rutschte Neureuther nun aus der ersten Startgruppe und darf nun bei der WM frühestens mit Startnummer 16 ins Rennen gehen. Er hat zuletzt mit einem Mentaltrainer gearbeitet, er stimmt das Material neu ab, er wird kurzzeitig mehr Riesenslalom trainieren, damit er abgelenkt wird, aber ob das alles hilft? „Ich habe jetzt nichts mehr zu verlieren“, sagt Felix Neureuther fatalistisch.

Aber wenn er etwas gewinnt, wenn er eine Medaille nach Hause mitbringt, dann werden sie auch ihn dort feiern. Auf dem Richard-Strauss-Platz wäre genug Platz für zwei WM-Helden.

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