Sport : Skispringen: Der Adler ist zu früh gelandet

Grand Slam dahin, Führung verpokert, Gesamtsieg aber immer noch möglich: Martin Schmitt (Furtwangen) ist nach seinem Triumph von Oberstdorf beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen nur auf Platz acht geflogen und hat damit seine Führung in der Gesamtwertung an Tagessieger Noriaki Kasai aus Japan verloren. Doppel-Weltmeister Schmitt verbaute sich die Chance, als erster Springer der Geschichte alle vier Tournee-Konkurrenzen zu gewinnen, nicht zuletzt durch seinen freiwilligen Startverzicht in der Qualifikation am Vortag. "Es ist erst Halbzeit. Jetzt habe ich zwar einen Rückstand, aber ich greife in Innsbruck wieder an. Meinen Traum vom Gesamtsieg habe ich noch nicht aufgegeben", sagte Schmitt.

Vor 24 000 Zuschauern an der großen Olympiaschanze sicherte sich Kasai zum zweiten Mal nach 1994 den Sieg und verwies den überraschend starken Russen Dmitri Wasiljew sowie Adam Malysz (Polen), der mit 129,5 m einen sensationellen Schanzenrekord erzielte, auf die Plätze. Skiflug-Weltmeister Sven Hannawald (Hinterzarten) wurde wie in Oberstdorf Fünfter. In der Tournee-Gesamtwertung führt bei Halbzeit Kasai mit 521,1 Punkten vor Malysz (511,9), Schmitt (502,6) und Hannawald (500,1). Die beiden deutschen Asse wahrten damit vor den noch ausstehenden Konkurrenzen in Innsbruck (4. Januar) und Bischofshofen (6. Januar/jeweils 13.45 Uhr, live bei RTL) ihre Chancen auf den Sieg in der Gesamtwertung. Im Gesamtweltcup bleibt Martin Schmitt, der drei von bislang fünf Saisonkonkurrenzen gewann, mit 377 Punkten vor Kasai (273), dem Finnen Matti Hautamäki (234) und Hannawald (220) klar vorn.

Durch seinen Startverzicht bei der Silvester-Qualifikation hatte Schmitt sich selbst in eine komplizierte Situation manövriert. Auf den 50. und letzten Platz eingestuft, musste er im ersten Durchgang im K.o.-System gegen den Qualifikations-Sieger Adam Malysz antreten. Schmitt, der seinen riskanten Schritt mit "Zeitgewinn zur Regeneration" begründet hatte, zeigte sich am Neujahrsmorgen zunächst entspannt und gut ausgeruht. Zum ersten Mal hatte er bereits um 22 Uhr die interne Silvester-Feier im deutschen Teamhotel verlassen und den Jahreswechsel auf seinem Zimmer "total verschlafen".

Nach dem Probesprung jedoch gefror das Dauerlächeln im Gesicht des deutschen Seriensiegers. Nachdem sein eigener Versuch bei 114 m geendet hatte, segelte Malysz gleich elf Meter weiter und toppte mit diesem exzellenten Flug die bisherige Bestweite von Sven Hannawald, die bei 122 m lag. "Ich war zu früh am Tisch. Der Fehler ist erkannt. Ich werde es im Wettkampf besser machen", kommentierte Schmitt. Doch wie am Vortag wich im Verlauf des ersten Durchgangs die Sonne aus dem Aufsprunghang der Schanze. Damit ging jener Aufwind verloren, der zu Beginn der Konkurrenz Topspringer wie den am Ende viertplatzierten Janne Ahonen (121,5), Noriaki Kasai (120) und Sven Hannawald (117) auf Spitzenweiten gepustet hatte.

Schmitt kämpfte mit aller Macht gegen das drohende Debakel an, stand 115 m und rettete sich damit wenigstens sicher ins Finale. Im K.o.-Duell war aber Malysz zwei Meter und 4,1 Punkte stärker. Wäre Schmitt zur Qualifikation angetreten, hätte er auf alle Fälle zu einem früheren Zeitpunkt und damit bei besseren Bedingungen springen können. Im Finale konnte Schmitt erneut nicht mit den Besten mithalten, ging jedoch nicht so ein wie im Vorjahr, als er nur Rang elf belegte.

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